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Welthunger-Index: 811 Millionen Menschen leiden unter Hunger

Donnerstag, 14. Oktober 2021

/panitan, stock.adobe.com

Bonn/Berlin – Konflikte und der Klimawandel sind nach Angaben der Welthungerhilfe und des UN-Welt­ernährungsprogramms die größten Hungertreiber – wobei die Folgen der Coronapandemie die Situation zusätzlich verschärft.

Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Marlehn Thieme, beklagte heute in Berlin bei der Vorstellung des Welthunger-Index 2021 eine „sehr deutliche Steigerung“ des Hungers. Laut Bericht hungern weltweit etwa 811 Millionen Menschen; 41 Millionen leben am Rande einer Hungersnot. Besonders dramatisch ist demnach die Lage in Somalia, Jemen, Afghanistan, Madagaskar und dem Südsudan.

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Der Welthunger-Index untersucht die Ernährungslage in 128 Ländern anhand mehrerer Indikatoren wie Wachstumsverzögerungen oder Sterblichkeit bei Kindern. Er sieht deutliche Rückschritte bei der Hunger­bekämpfung. 47 Länder werden laut Bericht bis 2030 noch nicht einmal ein niedriges „Hungerniveau“ erreichen, 28 davon liegen in Afrika südlich der Sahara.

Die Welt sei bei der Hungerbekämpfung vom Kurs abgekommen und entferne sich immer weiter vom verbindlich vereinbarten UN-Nachhaltigkeitsziel, den Hunger bis 2030 zu besiegen, beklagte Thieme. „Unsere Befürchtungen im letzten Jahr haben sich leider bestätigt. Hungersnöte sind zurück und multi­ple Krisen lassen die Zahl der Hungernden immer weiter steigen.“

Die Coronapandemie habe die angespannte Ernährungslage in vielen Ländern des Südens noch einmal verschärft; Millionen Familien hätten ihre Existenzgrundlage verloren. Eine Folge der Pandemie seien deutliche Preissteigerungen, sagte der Vorstand der Welthungerhilfe, Mathias Mogge.

„Die größten Hungertreiber bleiben aber Konflikte und der Klimawandel“, so Thieme. Die Ärmsten und Schwächsten würden von den Folgen des Klimawandels besonders hart getroffen, obwohl sie am wenig­sten dazu beitragen. Die Klimakrise sei eine Frage der Gerechtigkeit. „Daher brauchen wir auf der anste­hen­den Klimakonferenz im November in Glasgow klare und verbindliche Ziele für die Reduzierung des CO2-Ausstoß sowie finanzielle Unterstützung für die Förderung von Klimaresilienz“, forderte Thieme.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) warnte in Rom ebenfalls vor einer massi­ven Verschärfung des Hungers durch die Klimakrise. Laut einer Analyse des WFP könnte ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau 189 Millionen Menschen zusätzlich mit Hunger bedrohen. WFP-Exekutivdirektor David Beasley forderte ein Frühwarn­systeme und Programme zur Anpassung an den Klimawandel sowie zur Stärkung der Widerstandsfähig­keit, um diese drohende humanitäre Katastrophe abzuwenden.

Laut Thieme tragen zugleich in acht von zehn Ländern mit einer sehr ernsten oder gravierenden Hun­ger­situation Konflikte maßgeblich zum Hunger bei. „Mehr als die Hälfte aller unterernährten Menschen lebt in Ländern, die von Gewalt, Konflikt und Fragilität geprägt sind.“ Nötig seien tragfähige politische Konfliktlösungen und eine Stärkung des Rechts auf Nahrung. Zudem müsse der Einsatz von Hunger als Kriegswaffe konsequent sanktioniert werden, betonte Thieme.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) warnte angesichts zunehmender Krisen ebenfalls vor Rück­schlä­gen. In der Augsburger Allgemeinen forderte er, die Hunger- und Armutsbekämpfung als voraus­schau­ende Friedenspolitik zu verstehen und ganz oben auf die Agenda der Weltpolitik zu setzen. Er bekräftigte seine Forderung nach einer Reform der UN-Nahrungsmittelhilfsprogramme und einem UN-Nothilfe- und Krisenfonds von zehn Milliarden Euro. „Die UN und ihre Hilfswerke dürfen nicht dauerhaft Bittsteller sein.“ © kna/aerzteblatt.de

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