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Politik

Baden-Württemberg fürchtet Engpass bei Impfkampagne und steuert nach

Donnerstag, 14. Oktober 2021

/picture alliance, Markus Scholz

Stuttgart – Um einen möglichen Engpass bei der Impfkampagne in Baden-Württemberg zu verhindern, will die Landesregierung die Zahl der mobilen Impfteams aufstocken. Bis zu 50 zusätzliche Impfteams sollen laut einem Kabinettsbeschluss künftig zur Unterstützung der Arztpraxen und Betriebsärzte einge­setzt werden können, wie eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums heute mitteilte.

Die mobilen Impfteams sollen das Kontingent der 30 Teams erweitern, das seit der Schließung der Impf­zentren Ende September bereits im Einsatz ist. Sie sollen wie die bisherigen Impfteams an die zwölf Kran­kenhausstandorte im Land entsandt werden.

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Es habe sich herausgestellt, „dass es möglicherweise zu Engpässen bei einem flächendeckenden Impfan­gebot durch Arztpraxen (...) kommen kann“, heißt es in der bereits beschlossenen Kabinettsvorlage.

Sollte die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg mitteilen, dass das Impfangebot durch nie­dergelassene Ärzte alleine nicht ausreicht, soll es sofort Unterstützung durch die zusätzlichen Impfteams geben. Ob und wie viele Teams dann zusätzlich entsandt werden, entscheidet das Gesundheitsministe­rium.

Zur Begründung der Aufstockung der Impfkapazitäten heißt es, die mobilen Impfteams hätten von einem enorm großen Zuspruch berichtet, sie seien „überrannt worden“. Ein weiterer Grund sind demnach perso­nelle Engpässe bei den ärztlichen Leitungen der Impfteams. Dies sei bislang von den Impfzentren abge­deckt worden.

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Florian Wahl, teilte mit, es überrasche wohl nur Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne), dass die niedergelassenen Ärzte Probleme hätten, allen Impfwilligen im gesamten Land ein zeitnahes Impfangebot zu machen. Die Gesundheitsämter könnten eigene Impfsprechstunden anbieten – doch dazu müsse sie der Minister endlich beauftragen.

Die Zahl der Coronaimpfungen in Baden-Württemberg ist nach der Schließung der Impfzentren insbe­son­dere im Vergleich zur letzten Septemberwoche deutlich zurückgegangen. Das Gesundheitsministe­ri­um führt das auch darauf zurück, dass in der letzten Septemberwoche noch einmal viele Menschen die niedrigschwelligen Impfangebote nutzen wollten.

Dass die Impfzahlen nun nach erst einmal nach unten gingen, sei deshalb nicht ungewöhnlich, so die Sprecherin. Auch könne es damit zusammenhängen, dass noch nicht alle mobilen Impfteams ihre Daten vollständig ans Robert Koch-Institut gemeldet hätten.

Durch eine Online-Befragung im Auftrag der Landesregierung habe man erfahren, dass mehr als die Hälfte der Ungeimpften noch unentschlossen oder zögerlich sei. Deshalb sollen die Impfkampagne #dranbleibenBW länger als ursprünglich geplant weitergeführt und auch etwa Impfbusse finanziell unterstützt werden.

Neue Coronaverordnung

Das Land hat unterdessen mit einer neuen Coronaverordnung die Testpflicht für unge­impfte Beschäftigte in Unternehmen mit Publikumsverkehr. Personal aus der Gastronomie oder von Friseuren müssen sich künftig zweimal pro Woche auf das Coronavirus testen lassen.

Geimpfte und genesene Beschäftigte müssen sich nicht testen lassen. Bisher galt eine solche Testpflicht für ungeimpfte Beschäftigte mit Außenkontakt nur dann, wenn sich die Coronalage im Südwesten deut­lich verschärft, also in der Warn- und der Alarmstufe. Die neue Verordnung tritt heute in Kraft.

Schon länger bekannt ist, dass das Land auch größere Veranstaltungen ohne Maskenpflicht und Ab­stands­­regeln erlaubt, wenn nur Geimpfte und Genesene zugelassen sind. Mit diesem 2G-Options­modell, das es in einigen Bundesländern schon länger gibt, kann es auch wieder volle Säle und volle Fußball­stadien geben.

„Neben geimpften oder genesenen Personen sind auch Schülerinnen und Schüler sowie Personen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, zugelassen“, schreibt das Ministerium. Bis­her lag die Obergrenze für Großveranstaltungen bei maximal 25.000 Besuchern unter 3G-Bedingungen.

„Wir beobachten derzeit ein stabiles Infektionsgeschehen“, sagte Sozialminister Manne Lucha (Grüne). „Deshalb ermöglichen wir Veranstaltern und Anbietern mit dem Optionsmodell mehr Flexibilität.“

Der VfB Stuttgart und die TSG 1899 Hoffenheim haben schon angekündigt, diese Option nutzen zu wollen. Dagegen erklärte der Hotel- und Gaststättenverband im Südwesten, die meisten Betriebe würden eher daran festhalten, auch Ungeimpfte mit Coronatest zuzulassen, „um keine Gäste auszugrenzen“.

Minister Lucha warnte aber vor zu großer Sorglosigkeit: „Die Bewährungsprobe steht uns noch bevor, wenn sich die Menschen im Herbst und Winter wieder vermehrt in Innenräumen aufhalten.“ Mit dem Stufenmodell samt einer Warn- und einer Alarmstufe könne man früh reagieren, wenn dem Gesundheits­system die Überlastung drohe.

Schon bisher können Gastronomen und Veranstalter selbst entscheiden, ob sie nur Geimpfte oder Genesene zulassen – allerdings müssen die Gäste trotzdem Mund- und Nasenschutz tragen und auf Abstand achten.

Das soll nun wegfallen. Hintergrund sind die stagnierenden Infektionszahlen und die höhere Impfquote. Bisher hatte die Landesregierung 2G nur in dem dreistufigen Alarmsystem vorgesehen, mit dem sie auf eine mögliche Überlastung der Krankenhäuser mit COVID-19-Patienten reagieren will.

Nach dem System gilt derzeit die sogenannte Basisstufe. Die Warnstufe wird ausgerufen, sobald 250 Intensivbetten mit COVID-19-Patienten belegt sind oder 8 von 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen mit Coronasymptomen in eine Klinik eingeliefert wurden. Dann haben Ungeimpfte nur noch mit negativem PCR-Test Zugang zu bestimmten öffentlichen Bereichen.

Stufe drei – die Alarmstufe – gilt, sobald 390 COVID-Patienten auf Intensivstationen behandelt werden oder die so genannte Hospitalisierungsinzidenz bei 12 liegt. Dann haben Ungeimpfte gar keinen Zutritt mehr zu Restaurants, Kultur- und Sportveranstaltungen. © dpa/aerzteblatt.de

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