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Drei Viertel der Heilberufler wollen Patienten zur Nachhaltigkeit animieren

Montag, 18. Oktober 2021

/Romolo Tavani, stock.adobe.com

Berlin – Drei Viertel der Heilberufler sehen sich angesichts des voranschreitenden Klimawandels in der Verantwortung, ihre Patienten zu einer nachhaltigen Lebensweise zu animieren. Das geht aus einer Um­frage der Apobank hervor, an der sich 500 Heilberufler beteiligt haben – je 125 Hausärzte, Fachärzte, Zahnärzte und Apotheker.

„Wir stellen fest, dass die Sensibilität bei den Heilberuflern im Hinblick auf den Klimawandel ansteigt, weil sie dessen Auswirkungen in ihrer eigenen Praxis sehen“, erklärte Daniel Zehnich von der Apobank am vergangenen Freitag bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse.

So hätten 52 Prozent der Befragten erklärt, dass sie in ihrer Praxis beziehungsweise ihrer Apotheke eine Zunahme der gesundheitlichen Auswirkungen durch den Klimawandel beobachten. 88 Prozent sehen darüber hinaus auch die Politik, Standesorganisationen, Krankenkassen und Unternehmen in der Verant­wortung, eine nachhaltigere Gesundheitsversorgung voranzutreiben.

Hohe intrinsische Motivation

Auf die Frage, welche Faktoren sie dazu motivierten, die eigene Praxis beziehungsweise Apotheke nach­haltiger auszurichten, antworteten 81 Prozent mit „eigene Überzeugung“, 76 Prozent mit „soziale Verant­wortung“ und 55 Prozent mit „Betriebskosten senken“.

Auf die Frage, welche Faktoren sie daran hinderten, ihre Praxis beziehungsweise Apotheke nachhaltiger auszurichten, antworteten 56 Prozent mit „fehlende Alternativen“, 47 Prozent mit „zu hoher Aufwand“ und 41 Prozent mit „zu hohe Kosten“. „Ähnliche Argumente werden auch bei dem Thema Digitalisierung genannt“, erklärte Zehnich. Sie würden immer genannt, wenn es um etwas Neues gehe.

„Interessant ist, dass das Argument der Kosten sowohl bei den Treibern als auch bei den Hürden genannt wurde“, sagte Zehnich, „je nachdem, ob kurzfristige oder langfristige Kosten betrachtet werden.“

Auf einer Nachhaltigkeitsskala von 1 bis 10 schrieben sich die Befragten selbst einen Wert von 6,2 für ihre Praxen und Apotheken zu. Auf die Frage, welche Aspekte der Nachhaltigkeit bereits berücksichtigt werden, landete das Entsorgungsmanagement mit 47 Prozent auf dem ersten Platz, gefolgt vom Energie­verbrauch mit 31 Prozent und der Umrüstung auf mehr Digitalisierung mit 29 Prozent.

Verschränkung von Gesundheits- und Klimapolitik

Die Radiologin Paula Piechotta, die bei der Bundestagswahl erstmals für die Grünen in den Bundestag eingezogen ist, benannte als Ziel der Sondierungsgespräche, „einen guten Mix aus Ordnungsrecht, CO2-Bepreisung und Anreizen“ zu erreichen, um auf diese Weise Treibhausgasemissionen zu reduzieren.

Auch das Thema „ambulant vor stationär“ spiele dabei eine Rolle, da ein stationärer Aufenthalt mehr Treib­hausgase verursache als eine ambulante Versorgung. „Da können Gesundheits- und Klimapolitik gut zusammenspielen“, betonte Piechotta. „Ein guter Weg in die Zukunft ist die Verschränkung von klassischer Gesundheitspolitik und Klimaschutz.“

Der Internist Andrew Ullmann, der für die FDP bereits 2017 in den Bundestag eingezogen ist, betonte: „Wir müssen begreifen, dass der Klimawandel nicht nur ein Umweltphänomen ist, sondern auch Folgen für die menschliche Gesundheit hat.“ Es sei eine Zumutung zu sehen, wie die Hitze alte Menschen in den Krankenhäusern und Altenheimen belaste, aus bautechnischen Gründen aber vielfach keine Rücksicht darauf genommen werde.

„Insgesamt muss ein größeres Bewusstsein geschaffen werden für den Zusammenhang zwischen dem Klima und der menschlichen Gesundheit“, betonte Ullmann.

„Gerade das Gesundheitswesen muss doch beim Klimaschutz vorweggehen und seiner Verpflichtung gegenüber den zukünftigen Generationen nachkommen“, forderte Jörg Schmid von Health for Future. „Ich fühle mich als Arzt dazu verpflichtet, den Klimawandel als medizinischen Notfall anzusehen.“ Die wich­tigste Intervention sei dabei, die Treibhausgasneutralität im Gesundheitswesen voranzutreiben.

Da könne sich das deutsche Gesundheitswesen einiges von Großbritannien abschauen, wo der National Health Service bis 2040 klimaneutral werden wolle. „Die Coronapandemie hat gezeigt, was politisch möglich ist, wenn wir es denn wollen“, sagte Schmid. © fos/aerzteblatt.de

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