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Politik

Thüringens Gesundheits­ministerin will „Drug-Checking“ verstetigen

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Heike Werner (Die Linke), Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie von Thüringen und Felix Blei vom Kooperationspartner „miraculix“ aus Jena sitzen im mobilen Labor für das Drug Checking-Projekt. /dpa, Martin Schutt

Erfurt – Geht es nach Gesundheitsministerin Heike Werner, wird es das sogenannte „Drug-Checking“-Pro­jekt in Thüringen auch 2022 geben. „Wir wollen das weiterführen“, sagte die Linken-Politikerin heute in Erfurt bei der Vorstellung erster Ergebnisse. Im neuen Haushalt seien daher wieder Gelder beantragt worden. „Wir wissen, dass wir mit Analyse, Aufklärung und gezielter Beratung von Konsumentinnen und Konsumenten viel erreichen können“, sagte Werner.

Erste Erfahrungen aus der Praxis zeigten das. Das Projekt nehme damit eine zentrale Rolle in der Sucht­mittelprävention ein. Beim „Drug-Checking“ sollen illegal erstandene Substanzen (Party-Drogen) auf Ver­unreinigungen analysiert werden.

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Es geht laut Ministerium darum, möglichst genaue und umfassende Informationen über Inhaltsstoffe und potenziell gesundheitsgefährdende Substanzen zu erhalten. Für den mobilen Drug-Check sind im Lan­des­haushalt dieses Jahr 100.000 Euro vorgesehen. Thüringen ist damit laut Werner das erste und einzige Bundesland bisher, dass ein entsprechendes Projekt anbieten kann und angeboten hat.

Laut dem Chef der Jenaer Firma Miraculix, die die neuartigen Testkits für Thüringen entwickelt und aus­wertet, waren rund zwei Drittel der in Thüringen getesteten Ecstasyproben überdurchschnittlich hoch dosiert und rund 30 Prozent der untersuchten Speed-Proben mit Crystal-Meth verunreinigt. Die Ergeb­nisse der ersten 69 Tests im Rahmen des Thüringer „Drug-Checking“-Projekts machten eine „konkrete Problemstellungen in Thüringen sichtbar“.

Auch Sebastian Franke von der Suchthilfe in Thüringen (SiT) nannte die Ergebnisse besorgniserregend. Die Tests hätten sich jedoch als wirksames Konzept zur Schadensminimierung bewiesen, sagte der Projektkoordinator. „Unser wichtigstes Ziel ist, junge Leute für einen bewussten Umgang mit legalen wie illegalisierten Drogen zu sensibilisieren“, sagte Franke.

„Niemand möchte sich mit seinem Drogenkonsum direkt schädigen“, so Franke. Viele der Konsumenten, die ihre Drogen testen ließen, hätten sich nach den Ergebnissen für eine niedrigere Dosis entschieden – oder ganz vom Konsum abgesehen. Potenzielle Notfälle hätten so im Vorfeld verhindert werden können.

Seit dem Jahr 2017 ist ein stetiger Anstieg der drogenbedingten Todesfälle in der Republik festzustellen. 2020 wurden rund 1.600 Rauschgifttote in Deutschland gezählt. In Thüringen starben laut Kriminal­statistik 2020 exakt 40 Menschen an den Folgen ihres illegalen Drogenkonsums.

Drug-Checking als Interventionsstrategie ist nicht neu. Die Suchthilfe Wien etwa bietet seit 23 Jahren das Angebot, Substanzen auf ihre Zusammensetzung und Konzentration analysieren zu lassen. In Deutschland gibt es seit den 1990er-Jahren immer wieder Initiativen, die sich bemühen, eigene Ange­bote zu etablieren. Jedoch wird in der Politik viel argumentiert – dafür wie auch dagegen. Kritiker sehen die Tests als Anreiz für weiteren Drogenkonsum, da sie eine vermeintliche Sicherheit suggerierten – auch in Thüringen.

Mit dem „Drogen-TÜV aus Steuergeldern“ drohe eine Verharmlosung, sagte etwa der Generalsekretär der Thüringer CDU, Christian Herrgott heute. Vor dem Hintergrund, dass Erfurt laut Abwasseruntersuch­ungen die Stadt mit dem höchsten Crystal-Meth-Konsum in ganz Deutschland ist, „geht von dem rot-rot-grünen Vorzeigeprojekt ein fatales Signal aus“, so Hergott.

Man sei in Thüringen den anderen deutschen Bundesländern ein ganzes Stück voraus und breche end­lich den bundesdeutschen „Drug-Checking-Stillstand“, lobte hingegen die gesundheitspolitische Spreche­rin der Thüringer Grünen-Landtagsfraktion, Babett Pfefferlein.

Die Einsätze im Thüringer Nachtleben seien ein „erfolgreicher Start“ gewesen. Ihre Fraktion setze sich dafür ein, dass das Angebot „effektiv und flächendeckend ausgestaltet und verbreitet“ werde. Nur mit dem Wissen, wie sich eine Droge zusammensetze, ließen sich gesundheitsbewusste Entscheidungen treffen.

Neben der Beratung und der Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsumverhalten biete der Drogen­check auch die Möglichkeit, den illegalen Markt zu beobachten, sagte Projektkoordinator Patrick Krauße. Langfristig brauche es ein regelmäßiges und flächendeckendes Drug-Checking-Angebot – auch in Zu­sammenarbeit mit der Justiz. © dpa/aerzteblatt.de

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