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Medizin

Geburtshilfe: Heuristische Entscheidungen führen zu einem Anstieg von Komplikationen

Montag, 22. November 2021

/dpa

Baltimore – Geburtshelfer entscheiden sich nach einer vaginalen Entbindung mit Komplikationen bei der nächsten Patientin häufiger für einen Kaiserschnitt und umgekehrt. Diese „Win-stay/lose-shift”-Heuristik war in einer Studie in Science (2021; DOI: 10.1126/science.abc9818) mit einem schlechteren Behandlungsergebnis verbunden.

Geburtshelfer müssen – wie andere Ärzte auch – mitunter ohne Kenntnis aller Umstände rasche Entscheidungen treffen. Häufig geht es darum, ob eine Entbindung vaginal möglich ist oder ein Kaiserschnitt durchgeführt werden sollte. Diese Notwendigkeit (manche bezeichnen sie als Kunst), mit unvollständigen Informationen unter Zeitnot zu einer Entscheidung zu kommen, wird auch als Heuristik bezeichnet. Sie beinhaltet die Gefahr von (Kunst)-Fehlern, die in der Medizin mit gesundheitlichen Nachteilen – in der Geburtshilfe für die Mutter und/oder ihr Kind – verbunden sein können.

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Die Gesundheitsökonomin Manasvini Singh von der Universität von Massachusetts in Amherst hat das Phänomen am Beispiel der Geburtshilfe untersucht. Dies war relativ einfach möglich, da der Geburtshel­fer und die Art der Entbindung und eventuelle Komplikationen in den Krankenakten notiert werden, die heute elektronisch verfügbar sind. Singh hat die Daten von 86.345 Geburten ausgewertet, die über 21 Jahre an einem großen städtischen Zentrum und einer kleineren vorstädtischen Klinik von 231 Ärzten durchgeführt wurden.

Singh fand heraus, dass eine Komplikation bei einem Kaiserschnitt die Wahrscheinlichkeit, dass der Arzt bei der nächsten Patientin auf eine vaginale Entbindung wechselt, um 3,6 % erhöht. Umgekehrt stieg die Wahrscheinlichkeit, auf einen Kaiserschnitt zu wechseln, um 3,4 %, wenn es bei einer vaginalen Enbin­dung zu Komplikationen kam.

Die Forscherin kann in ihrer Analyse auch zeigen, dass der Entscheidungswandel mit einem Anstieg der Komplikationen verbunden war. Es kam zu einer Zunahme der Mütter- und Neugeborenensterblichkeit um 0,04 Standardabweichungen (SD), zu einer Verzögerung der Entlassung um 0,03 SD und zu einem Anstieg der ambulanten 30-Tage-Besuche um 0,04 SD.

Der Anstieg der Komplikationsrate ist damit insgesamt gering und er dürfte nicht die Problematik erklären, die die Studie veranlasste: Die USA haben die zweithöchste Müttersterblichkeit aller 31 OECD-Länder. Die Mortalität und Morbidität ist in den letzten Jahren sogar noch angestiegen, während es laut einem WHO-Report in 157 von 183 Ländern zu einer Verbesserung gekommen war. © rme/aerzteblatt.de

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