NewsMedizinCoronavirus: Wie Immunglobuline beim MIS von Kindern wirken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Coronavirus: Wie Immunglobuline beim MIS von Kindern wirken

Montag, 18. Oktober 2021

/fotoliaxrender, stock.adobe.com

San Diego – Eine hochdosierte Behandlung mit intravenösen Immunglobulinen (IVIG), die beim Kawa­sa­ki-Syndrom seit langem der Therapiestandard ist, wird auch bei Kindern eingesetzt, die nach einer Infek­tion mit SARS-CoV-2 an einem multisystemischen Entzündungssyndrom (MIS-C) erkranken. Neue Studi­en­ergebnisse im Journal of Clinical Investigation (2021; DOI: 10.1172/JCI147076) zeigen, wie Immunglo­buline wirken, und liefern damit neue Einblicke in die Pathogenese der seltenen Komplikation.

Ein MIS-C („Multisystem Inflammatory Syndrome in Children“) ist eine seltene, aber gravierende Kompli­kation einer SARS-CoV-2-Infektion bei Kindern. Die Erkrankung folgt im zeitlichen Abstand von mehre­ren Wochen auf eine oft asymptomatische Infektion mit SARS-CoV-2.

Anzeige

Leitsymptom ist ein plötzlich einsetzendes Fieber, das von gastrointestinalen Symptomen (Bauch­schmer­zen, Durchfall, Erbrechen), einem Hautausschlag und einer Konjunktivitis begleitet wird. Eine Beteiligung innerer Organe macht häufig eine intensivmedizinische Behandlung notwendig. Gefürchtet werden vor allem Störungen der Herzfunktion, die zu einem Blutdruckabfall und Kreislaufschock führen können.

Die Symptome ähneln denen des Kawasaki-Syndroms, das in seltenen Fällen bei Kindern nach anderen Infektionen auftritt. Dort wurden gute Erfahrungen mit intravenösen Immunglobulinen (IVIG) gemacht, die deshalb auch beim MIC-S eingesetzt werden.

Die Wirkungsweise war bisher unklar, eine Beteiligung der neutrophilen Granulozyten war jedoch auf­grund der starken Immunreaktion vermutet worden. Ein Team um Ben Croker und Jane Burns von der San Diego School of Medicine hat die Immunreaktion von Patienten mit MIS-C, Kawasaki-Syndrom und Kindern verglichen, die aus anderen Gründen unter einem hohen Fieber litten. Die Forscher untersuch­ten Blutproben, die zu Behandlungsbeginn sowie 2 bis 6 Wochen nach der IVIG-Behandlung entnommen wurden.

Die Forscher fanden heraus, dass die Zahl der neutrophilen Granulozyten bei MIS-C und Kawasaki-Syn­drom stark erhöht ist. Diese setzen vermehrt Interleukin 1 beta frei, das für die starke Entzündungs­reak­tion verantwortlich ist.

Nach der IVIG-Behandlung kam es zu einem Rückgang der Zytokinproduk­tion, was die Forscher auf ein Absterben der neutrophilen Granulozyten zurückführen. Dies konnte in Laborexperimenten bestätigt werden, wo es nach Zugabe von IVIG zum Untergang der Abwehrzellen kam.

Die Ergebnisse passen zu den Erkenntnissen beim Kawasaki-Syndrom, bei dem die Entzündung auf den Herzmuskel übergreift und die neutrophilen Granulozyten auch die Wände der Koronararterien angrei­fen. Dies hat beim Kawasaki-Syndrom die Bildung von Aneurysmen in den Koronararterien zur Folge, die die Gesundheit der Kinder auf Dauer schädigen können.

Ob diese Langzeitfolgen auch beim MIC-S auftreten, ist bisher unklar. Die von Croker und Burns vorge­stellten Ergebnisse sprechen jedoch für den frühzeitigen und konsequenten Einsatz von IVIG, der die Pathogenese stoppen könnte. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER