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Medizin

Studie: „Pille“ könnte Diabetesrisiko von Frauen mit PCO-Syndrom senken

Dienstag, 16. November 2021

/Noey smiley, stock.adobe.com

Birmingham – Frauen mit einem polyzystischem Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom) haben laut einer Studie in Diabetes Care (2021; DOI: 10.2337/dc21-0437) ein fast 2-fach erhöhtes Risiko auf eine Dysglykämie, die sie möglicherweise durch Einnahme von kombinierten hormonellen Kontrazeptiva vermeiden können.

Ein Zehntel aller Frauen entwickelt im gebärfähigen Alter ein PCO-Syndrom. Die Zysten in den Eier­stöcken sind häufig Quelle einer übermäßigen Produktion von Androgenen, die zu Zyklusstörungen und einer Virilisierung mit Hirsutismus/Alopezie sowie einer Akne führen. Die betroffenen Frauen sind häufig übergewichtig, und sie haben ein erhöhtes Risiko auf einen Diabetes. Letzteres zeigte sich auch in einer Analyse der elektronischen Krankenakten von Allgemeinärzten, die „The Health Improvement Network“ (THIN) speichert und für Forschungszwecke zu Verfügung stellt.

Ein Team um Wiebke Arlt von der Universität Birmingham hat die Daten von 64.051 Frauen mit PCO-Syndrom und 123.545 Frauen ohne PCO-Syndrom gegenübergestellt. Ergebnis: Die Frauen mit PCO-Syndrom litten zu 87 % häufiger unter einer Dysglykämie (Prädiabetes oder Diabetes).

Die adjustierte Hazard Ratio von 1,87 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,78 bis 1,97 signif­ikant, wobei Unterschiede in Alter, sozialer Deprivation, Body-Mass-Index, ethnische Zugehörigkeit und Rauchen berücksichtigt wurden. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Auch frühere Studien hatten ein erhöh­tes Diabetesrisiko gefunden, das teilweise auf das Übergewicht zurückgeführt wurde. Die aktuelle Studie zeigt jedoch, dass das Risiko unabhängig von Gewichtsproblemen ist.

Arlt führt das Risiko eher auf die wechselseitige Verstärkung von Insulinresistenz und Androgenen zurück: Die Insulinresistenz führt zu erhöhten Blutzuckerwerten, die die Insulinproduktion steigern. Das Insulin stimuliert die Produktion von Androgenen in den Ovarien, was sich wiederum auf die Insulin­wirkung auswirkt.

Eine Möglichkeit, diesen Circulus vitiosus zu durchbrechen, könnte in der Behandlung mit Östrogenen bestehen, die in vielen hormonellen Kontrazeptiva enthalten sind. Die Hypothese ist, dass die Östrogene die Bildung des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG) stimulieren. SHBG bindet Androgene und macht sie dadurch inaktiv. Dies verringert die Menge der hormonell wirksamen Androgene. Dadurch könnte sich die Insulinwirkung verbessern und das Diabetesrisiko sinken.

Die Gegenüberstellung von 2.407 Patientinnen mit PCO-Syndrom und einer Dysglykämie und der glei­chen Anzahl von Patientinnen mit PCO-Syndrom aber ohne Dysglykämie ergab, dass die Patientin­nen ohne Dysglykämie häufiger kombinierte orale Kontrazeptiva eingenommen hatten. Arlt ermittelt eine adjustierte Odds Ratio von 0,72, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,59 bis 0,87 signi­fikant war.

Dies deutet darauf hin, dass die Einnahme der „Pille“ (mit einen Östrogenanteil) Frauen mit einem PCO-Syndrom vor einer Dysglykämie schützt. Ob dies tatsächlich der Fall ist, wollen die Forscher jetzt in einer randomisierten klinischen Studie prüfen. © rme/aerzteblatt.de

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