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Deutliche Einbrüche bei Krebsprävention und Operationen durch Coronapandemie

Mittwoch, 20. Oktober 2021

/Sven Weber, stock.adobe.com

Berlin – Bei den Krebsfrüherkennungsuntersuchungen für gesetzliche Krankenversicherte gab es vor allem in der ersten Coronapandemiewelle im Frühjahr 2020, aber auch in der zweiten Welle von Oktober 2020 bis Februar 2021, starke Einbrüche. Gleichzeitig war ein deutlicher Rückgang bei den Krebsopera­tionen zu verzeichnen. Das zeigt eine heute vorgestellte Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Laut einer Langzeitanalyse des WIdO konnte zudem bereits vor der Coronapandemie ein relevanter Teil der anspruchsberechtigten Menschen nicht von der Krebsfrüherkennung erreicht werden. Mit einer ent­sprechenden Kampagne will die AOK das Thema Krebsfrüherkennung deshalb noch stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken und so die Menschen motivieren, die gesetzlich vorgesehenen Untersuchungen wahrzunehmen. Die Kampagne soll unter anderem TV-Spots und Anzeigen umfassen.

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„Mit diesen Kommunikationsmaßnahmen wollen wir gerade jetzt, in der nach wie vor andauernden Pan­demie, einen Anstoß geben, einen Termin bei seinem Arzt oder bei der Ärztin zu vereinbaren und gege­benenfalls versäumte Untersuchungen nachzuholen“, erklärte Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Er betonte, die Arztpraxen seien auch unter Pandemiebedingungen sichere Orte – zudem stelle die Arzt-Patienten-Beziehung die vertrauensvolle Grundlage für Gespräche zur unter Um­ständen schwierigen Thematik dar.

Litsch verwies dazu auf die Ergebnisse einer aktuellen Forsa-Befragung im Auftrag des AOK-Bundesver­bandes, die zeige, dass es sich oft um schambesetzte Untersuchungen handelt. So gaben 42 Prozent der Befragten an, selten oder nie im persönlichen Umfeld über Gesundheitsvorsorge oder Vorsorgeunter­su­chungen zu sprechen.

Etwa jedem fünften Befragten (21 Prozent) ist es sehr beziehungsweise ein wenig unangenehm oder peinlich, im Bekannten-, Freundes- oder Kollegenkreis darüber zu sprechen. Bei Männern unter 45 Jahren trifft dies fast auf jeden Dritten zu (31 Prozent). 35 Prozent der Befragten erklärten, dass die Beschäfti­gung mit Früherkennung und Vorsorge nach ihrer Einschätzung durch Tabus beeinträchtigt wird.

Grundsätzlich steht jedoch ein überwiegender Teil der Menschen in Deutschland dem Thema Krebsvor­sorge laut den Ergebnissen der Forsa-Befragung jedoch sehr offen gegenüber. Zwei Drittel der Befragten stimmen der Aussage zu, dass sie regelmäßig zu Krebsvorsorgeuntersuchungen gehen. Auf der anderen Seite gibt fast jeder vierte Befragte an, dass er sich nicht für Krebsvorsorge interessiert. Die Ergebnisse zeigen auch, dass Frauen dem Thema grundsätzlich offener gegenüberstehen als Männer.

Besonders starke Rückgänge waren laut WIdO-Auswertung auf Basis der GKV-Frequenzstatistik im ersten Pandemiejahr 2020 bei der Früherkennung von Hautkrebs (minus 19,8 Prozent gegenüber 2019) zu verzeichnen.

Dieser Trend setzte sich auch im 1. Quartal 2021 mit minus 20,8 Prozent fort. Für 2020 sind auch beim Mammografiescreening sowie bei der Prostatakrebsfrüherkennung deutliche Rückgänge der Teilnahme­quo­­ten gegenüber dem Vorjahr von jeweils 8,1 Prozent zu verzeichnen. Bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs waren es minus 5,5 Prozent.

Die teilweise ausgebliebene Diagnostik dürfte nach Einschätzung der Experten gesundheitliche Folgen haben, wenn Tumore erst später erkannt werden. Darauf deutet auch eine aktuelle WIdO-Analyse zur Entwicklung der Darm- und Brustkrebsoperationen hin.

Die Auswertung der AOK-Abrechnungsdaten aus den Kliniken zeigt im gesamten Pandemiezeitraum von März 2020 bis Juli 2021 einen Rückgang der Darmkrebsoperationen von 13 Prozent gegenüber 2019. Bei den Brustkrebs-OPs ist ein Rückgang von 4,0 Prozent zu verzeichnen.

„Mittelfristig könnte sich dies in einem größeren Anteil höherer Schweregrade bei den Erkrankungen zeigen und auf die Sterblichkeit auswirken“, erläuterte WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber. Allerdings seien die Daten noch schwer zu bewerten, da vieles noch nicht seriös quantifizierbar sei. © aha/aerzteblatt.de

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