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Anfeindungen gegen die Wissenschaft: Ärzte sehen Politik und Medien gefragt

Mittwoch, 20. Oktober 2021

/momius, stock.adobe.com

Berlin – Hassbotschaften, Morddrohungen und seltener auch körperliche Angriffe. Eine ganze Reihe von Anfeindungen, die Wissenschaftlern in der Coronapandemie entgegenschlagen, wurden in der vergange­nen Woche durch das Fach­magazin Lancet bekannt. Ärzteorganisationen stärken den Forschern den Rücken.

„Der Umgang mit öffentlich geäußerten wissenschaftlichen Positionen erreicht ein erschreckendes Maß an Verrohung“, beklagte Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes (MB). Das dürfe der Gesell­schaft nicht gleichgültig sein. Die Wissenschaftler hätten „Solidarität verdient“, wenn sie ihre Erkennt­nisse mit der Öffentlichkeit teilten.

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„Wenn Wissenschaftsfeindlichkeit auf ungezügelte Aggression trifft, ist das nicht nur ein Angriff auf die Würde von Menschen – es hat auch gravierende Folgen für unsere Demokratie, die auf vernunftgeleitete Wissenschaftsdiskurse angewiesen ist“, mahnte Johna.

Das gelte für die Bewältigung von Krisen, seien es Pandemien oder Folgen des Klimawandels, genauso wie für Debatten zu einer verantwortungsvollen und humanen Gestaltung gesellschaftlichen Fort­schritts“, bekräftigte Johna. Sie rief Politik und Medien auf, sich verstärkt für ein wissenschafts­freundli­ches Diskursklima einzusetzen. Wissenschaft brauche einen öffentlichen Resonanzraum, der einen res­pekt­vollen Austausch auch unterschiedlicher Bewertungen neuer Erkenntnisse möglich mache.

Mit Blick auf die Nature-Umfrage betonte Johna: „Die Anfeindungen gegen öffentlich auftretende Wissenschaftler wiegen so schwer, dass wir eine systematische wissenschaftliche Untersuchung über das Ausmaß und ihre Bedingungen brauchen.“

Die Umfrage im Lancet unter mehr als 300 Wissenschaftlern aus mehre­ren Ländern hatte ein Schlaglicht auf die Bedrohungen geworfen, denen ein Teil von ihnen ausgesetzt ist. Nach Großbritannien mit 123 Betroffenen kommen die meisten bedrohten Wissenschaftler laut Um­frage aus Deutschland (62), noch vor den USA (53).

Die Reaktionen, denen sie insbesondere nach Medienauftritten ausgesetzt sind, reichen von Troll-Kom­mentaren in Sozialen Medien, Hassbotschaften in aggressiven Mails, gehackte Accounts oder Webseiten über tätliche Angriffe bis hin zu Morddrohungen. © hil/aerzteblatt.de

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