NewsMedizinForscher stellen bei Makaken Spermien aus Stammzellen her
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Forscher stellen bei Makaken Spermien aus Stammzellen her

Montag, 22. November 2021

Spermatiden unter dem Mikroskop/tonaquatic, stock.adobe.com

Atlanta/Georgia – US-Forschern ist es erstmals bei Primaten gelungen, Stammzellen in Spermatiden auszureifen, den Vorläufern der Spermien. Die Differenzierung gelang allerdings nur bis zum Stadium der Rundspermatiden, die sich in der Regel nicht für eine künstliche Befruchtung eignen. Dennoch könnten die in Fertility and Sterility (2021; DOI: 10.1016/j.xfss.2021.09.001) publizierten Ergebnisse ein Durchbruch in der Behandlung der menschlichen Fertilität sein, der allerdings noch Sicherheitsfragen aufwerfen dürfte.

Etwa 15 % aller Paare weltweit gelten als subfertil oder infertil. Vielen kann heute durch eine Behand­lung geholfen werden, bei der im schwierigsten Fall die Spermatiden per Biopsie aus dem Hoden gewon­nen werden, um sie dann im Labor in die aus dem Ovar entnommene Eizelle zu injizieren, was als intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) bezeichnet wird.

Anzeige

Viele infertile Männer haben jedoch nicht genügend Spermatide in den Hohen. Die Forschung versucht derzeit, diesen Mangel durch die Produktion von Spermien aus pluripotenten Stammzellen zu ersetzen. Bei kleineren Säugetieren wie Mäusen ist dies bereits möglich. Einem Team um Charles Easley von der University of Georgia in Atlanta ist es jetzt bei Makaken, die wie der Mensch zu den Primaten gehören, gelungen, Stammzellen bis in das Stadium der Rundspermatiden zu differenzieren.

Rundspermatiden besitzen wie die Spermien bereits einen haploiden Chromosomensatz, der Voraussetz­ung für eine Befruchtung ist. Sie haben allerdings den letzten Differenzierungsschritt zu den elongierten Spermatiden noch nicht abgeschlossen und sind deshalb nicht in der Lage, eine Eizelle zu befruchten. Auch wenn per ICSI nachgeholfen wird, ist die Schwangerschaftsrate gering. Die Entwicklung des Embryos stoppt in der Regel im 8 bis 16 Zell-Stadium.

Die US-Forscher konnten diesen Block bei den Makaken durch die gleichzeitige Injektion des Proteins TET3 („ten-eleven translocation 3“) in die Eizelle lösen. Ein Problem scheint jedoch eine Parthenogenese zu sein, bei der sich aus der Eizelle ein Embryo auch ohne Beteiligung des Spermiums entwickelt.

Neben diesen „technischen“ Problemen dürfte die Anwendung am Menschen auch auf bioethische Bedenken stoßen. Dabei geht es um die Frage, ob genetische Ursachen, die Männer unfruchtbar machen, mit Hilfe der künstlichen Befruchtung auf die nächste Generation übertragen werden. Denkbar ist auch, dass die Gene, die zur Unfruchtbarkeit führen, noch weitere Behinderungen auslösen, die dann auf die Nachfahren übertragen würden.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER