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Medizin

SARS-CoV-2: Behandlungsversuch mit Ivermectin kann toxisch sein

Donnerstag, 21. Oktober 2021

/HJBC, stock.adobe.com

Portland/Oregon – In den USA häufen sich bei den Giftnotrufzentralen die Anrufe von Patienten, die zur Prävention oder Behandlung von COVID-19 Ivermectin eingenommen haben. Mediziner warnen im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMc2114907) vor den toxischen Nebenwirkungen des Wirkstoffs, der zur Behandlung von Parasiten in der Human- und Tiermedizin zugelassen ist, bei SARS-CoV-2 nach derzeitigem Kenntnisstand jedoch ohne bewiesenem Nutzen ist.

Beim Oregon Poison Center sind im August 21 Anrufe zu Ivermectin eingegangen, nachdem es zuvor weniger als 1 Anruf pro Monat war. Die Anrufer waren zumeist älter (median 64 Jahre): 11 Anrufer hatten das Mittel zur Vorbeugung von COVID-19 und 10 zur Behandlung von COVID-19-Symptomen einge­nommen. 3 Personen hatten das Mittel von Ärzten oder Tierärzten (sic!) verschrieben bekommen, 17 hatten sich aus Eigeninitiative ein Tierarzneimittel besorgt, bei 1 Person war die Herkunft unklar.

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Wie Courtney Temple von der Oregon Health and Science University in Portland berichtet, war es bei den meisten Patienten innerhalb von 2 Stunden nach der Einnahme einer hohen Einzeldosis zu Symp­tomen gekommen. Bei 6 Personen hatten sich die Symptome über mehrere Tage bis Wochen mit der wiederholten Einnahme von Ivermectin allmählich entwickelt. Die Dosierungen reichten von 6,8 mg bis 125 mg bei Einnahme einer 1,87 %-igen Paste und von 20 bis 50 mg bei Einnahme einer 1 %-igen Lösung. Die Tablettendosis zur Vorbeugung von SARS-CoV-2 betrug 2 Mal wöchentlich 21 mg.

Insgesamt 6 der 21 Personen wurden wegen der toxischen Wirkungen im Krankenhaus behandelt. Alle 6 hatten Ivermectin zur Prävention von COVID-19 eingenommen, darunter waren die 3 Personen, die das Medikament auf Rezept erhalten hatten. Insgesamt 4 Patienten wurden auf einer Intensivstation versorgt, keiner starb.

Die Symptome bestanden bei 4 Personen aus Magen-Darm-Beschwerden, 3 litten unter Verwirrtheit, 2 unter Ataxie und Schwäche, bei 2 war es zu einem Blutdruckabfall und bei 1 zu Krampfanfällen gekommen. Die ambulant behandelten Patienten litten zumeist unter Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Verwirrtheit, Sehstörungen oder Hautausschlag.

Die Symptome gehören zu den bekannten toxischen Wirkungen von Ivermectin. Laut US-Fachinforma­tionen treten bei versehentlicher Intoxikation am häufigsten auf: Hautausschlag, Ödeme, Kopfschmer­zen, Schwindel, Asthenie, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Andere berichtete Nebenwirkungen sind: Krampfanfälle, Ataxie, Dyspnoe, Bauchschmerzen, Parästhesien, Urtikaria und Kontaktdermatitis.

Als Sofortmaßnahmen bei einer versehentlichen Vergiftung werden die Einleitung von Erbrechen und/oder eine Magenspülung empfohlen, gefolgt von Abführmitteln, um die Resorption aus den Darm zu verringern. Die unterstützende Therapie sollte in der Gabe von parenteralen Flüssigkeiten und Elektro­lyten bestehen sowie in einer Atemunterstützung (falls erforderlich Sauerstoff und mechanische Beatmung). Bei klinisch signifikanter Hypotonie sollte der Kreislauf durch Vasopressoren gestützt werden. © rme/aerzteblatt.de

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