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Medizin

Zelluläre Mechanismen für Coronazehen aufgeschlüsselt

Freitag, 22. Oktober 2021

/picture alliance, ASSOCIATED PRESS

Berlin – Hautveränderungen wie Chilblain-like lesions (CLL, Frostbeulenähnliche Läsionen) juckende Haut, Bläschen und schmerzhaft geschwollene Finger oder Zehen („COVID-Zeh“) werden im Zusammen­hang mit COVID-19-Infektionen beschrieben. Die zugrunde liegende Pathophysiologie von CLL ist jedoch noch weitgehend unklar.

Eine aktuelle Studie untersuchte die Transkriptionsmuster der endothelialen Dysfunktion, die mit gesteigerten zytotoxischen Immuninfiltraten sowie gesteigerter Interferon (IFN)-Gen-Expression assoziiert waren.

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Um die Mechanismen zu steigen, analysierten Forscher aus Paris (Frankreich) 50 Patienten mit COVID-19-bedingter CLL hinsichtlich Haut- und Endothel- und Immunsystem-Veränderungen im Vergleich zu gesunden Kontrollen und saisonal-bedingten Auftreten von Frostbeulen (SC, seasonal chilblains).

Bei 86 % und 24 % der CLL-Patienten waren Zehen und Finger betroffen. Weitere kutane Manifesta­tionen, die gleichzeitig zur CLL identifiziert wurden, waren Livedo (4%), Arthralgie (2%), erythematöse Papeln auf Narben (4%), makulopapulöses Exanthem (8%) und Urtikaria (2%). Eine CLL-Remission trat bei 32 % der Patienten innerhalb von 15 Tagen auf.

Pathophysiologie der CLL auf Gen-Expressions-Niveau verstanden Histologische Befunde biopsierter läsionaler Haut zeigten unter anderem ähnliche Transkriptionsmuster und Gensignaturen zwischen CLL- als auch SC beispielsweise hinsichtlich Typ I und Typ II Interferon (IFN)-stimulierender Gene (Aufre­gulation von CXCL9, CXCL10, CXCL11, IDO1, TLR1, TLR2, TLR7, TLR8, MYD88, IRF5, IFNAR2, IFI16, IRAK1, IRAK4 und NFKB1). CLL- und SC scheinen also eine gemeinsame Pathophysiologiekomponente zu haben, so das Zwischenfazit der Studienautoren.

Außerdem wurde eine starke kutane Hochregulierung von Genen, die mit zytotoxischen T-Zellen und natürlichen Killerzellen zusammenhängen, beobachtet. Zu diesen verschiedenen Zytotoxizitäts-Markern zählten eine Hochregulierung von Granzym A, Granzym B, Granzym K, Granulysin und Perforin sowie hochregulierte natürliche Killerzell-Signaturen (KLRC2, KLRC1, KLRD1, KLRC3, CD96, KLRC4, KLRF1, KLRB1 und KLRG1) und anderen regulatorische Immunmarker (LILRB1, LAG3, TIGIT, CTLA4, FOXP3, IL2RA, BTLA, HLA-DR-Gene und PDCD1LG2).

CLL-spezifische Muster

Im Unterschied zu SC wurden bei CLL allerdings höhere IgA-Gewebeablagerungen und eine signifikant stärkere Aktivierung von Angiogenesefaktoren festgestellt. Im Vergleich zu gesunden Kontrollen reagierte das Immunsystem bei Patienten mit CLL überwiegend (73%) mit der Bildung von Anti-Neutrophilen cytoplasmatischen Antikörpern (ANCA, Anti-neutrophil cytoplasmatic antibody) sowie mit einer eine erhöhten Typ-I-Interferon-Blutsignatur.

Unter Verwendung von blutbasierten Biomarkern wurden Angiogeneseaktivierung und endothelialer Vorläuferzellenmobilisierung nachgewiesen, die eine endotheliale Dysfunktion bei CLL bestätigten.

Die Studienautoren um Frumholtz L et al. (British Journal of Dermatology 2021; DOI: 10.1111/bjd.20707) schlussfolgern daraus, dass die Hautmanifestationen bei CLL durch Mechanismen der endothelialen Dysfunktion und zytotoxische Immuninfiltrate sowie Typ I IFN- stimulierender Gene getriggert wird.

Virale Trigger ebenfalls beteiligt

Die vaskulären und endothelialen Schäden der CLL werden zum Teil auch durch bekannte Mechanismen der SARS-CoV-2-Pathophysiologie erklärt. In dieser Studie wurde der Anstieg von bekannten kutanen histologischen und systemischen Markern, wie Angiopoietin-1, Angiopoietin-2 und VEGF-A bestätigt. Endothel-Schäden und mikrovaskuläre Verletzungen treten durch Immunsystem-induzierter Apoptose unter Beteilung von zytotoxischen T-Zellen und natürlichen Killerzellen auf. © cw/aerzteblatt.de

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