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Medizin

Studie findet kein erhöhtes allgemeines Demenzrisiko bei Hormontherapie in den Wechseljahren

Freitag, 26. November 2021

/RFBSIP, stock.adobe.com

Nottingham/Oxford – Der Zusammenhang zwischen einer Hormonersatztherapie in den Wechseljahren und dem Risiko für die Entwicklung einer Demenz ist komplex und offenbar auch von der spezifischen Hormontherapie abhängig. Das berichtet ein Wissenschaftlerteam aus Nottingham, Oxford und Southampton um Yana Vinogradova im British Medical Journal (BMJ 2021; DOI: 10.1136/bmj.n2182).

Die Hormontherapie wird bekanntlich eingesetzt, um Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Gedächtnisverlust und Depressionen zu lindern. Zu den Behandlungen gehören Tabletten, die nur Östrogene oder eine Kombination aus Östrogenen und Gestagenen enthalten, sowie Pflaster, Gele und Cremes.

Die Wissenschaftler nutzten 2 britische Primärversorgungsdatenbanken, um die Hormontherapie­verordnungen für 118.501 Frauen im Alter von 55 Jahren und älter zu analysieren, bei denen zwischen 1998 und 2020 eine Demenz diagnostiziert wurde (Fälle), sowie für 497.416 Frauen, die nach Alter und Hausarztpraxis übereinstimmten, bei denen jedoch keine Demenz festgestellt wurde (Kontrollen).

Faktoren wie Familienanamnese, Rauchen, Alkoholkonsum, Vorerkrankungen und andere verschriebene Medikamente konnten die Wissenschaftler in der Analyse berücksichtigen. Insgesamt hatten 16.291 (14 %) Fälle und 68.726 (14 %) Kontrollen in den letzten drei Jahren vor der Diagnose eine Hormontherapie in den Wechseljahren erhalten.

Nach Bereinigung aller potenziell beeinflussenden Faktoren fanden die Forscher nach eigenen Angaben keinen Zusammenhang zwischen der Anwendung einer Hormontherapie und dem Demenzrisiko, unabhängig von der Art des Hormons, der Anwendung, der Dosis oder der Dauer der Behandlung.

In der Untergruppe der über 80-Jährigen, die seit 10 Jahren oder länger eine reine Östrogentherapie einnahmen, fanden sie ein leicht verringertes Demenzrisiko.

Aber der Zusammenhang ist komplex. Das zeigt eine Analyse der Untergruppe mit einer spezifischen Alzheimerdiagnose. Hier ergab sich ein Anstieg des Risikos im Zusammenhang mit einer Östrogen-Gestagen-Therapie. Dieses stieg mit jedem Jahr der Exposition allmählich an und erreichte ein durchschnittlich um 11 % erhöhtes Risiko bei einer Anwendungsdauer von 5 bis 9 Jahren und ein durchschnittlich um 19 % erhöhtes Risiko bei einer Anwendungsdauer von 10 Jahren oder mehr.

„Ein Hauptergebnis war, dass sich das Demenzrisiko in Abhängigkeit von der Verwendung von Gesta­genen unterscheidet. Östrogen allein war bei Frauen unter 80 Jahren, die mindestens 10 Jahre lang behandelt wurden, mit einer um 15 % verringerten Wahrscheinlichkeit verbunden, an Demenz zu erkranken, wobei das Risiko mit jedem Jahr der Behandlung um 1,1 % abnahm.

Umgekehrt war die Kombination von Östrogen und Gestagen mit einem um 11 % erhöhten Risiko für eine Alzheimer-Demenz bei Frauen verbunden, die seit 5 Jahren eine Hormontherapie anwenden, und mit einem um 19 % erhöhten Risiko bei Frauen, die seit 10 Jahren oder länger behandelt werden“, fassen US-Wissenschaftler um Pauline Maki die Studienergebnisse in einem Editorial zusammen.

Die Arbeitsgruppe weist daraufhin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, welche keine Kausalität klärt. Sie meinen aber, dass die Studie dennoch „Klarheit in zuvor widersprüchliche Befunde bringt und Frauen, die eine Hormontherapie in den Wechseljahren benötigen, beruhigen sollte“.

Insgesamt änderten diese Beobachtungen aber nichts an der Empfehlung, dass eine Hormontherapie in den Wechseljahren nicht zur Vorbeugung von Demenz eingesetzt werden sollte, betonen die US-Wissenschaftler in ihrem Editorial zu der Studie. © hil/aerzteblatt.de

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