NewsÄrzteschaftKV Nordrhein kritisiert Rabattverträge
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

KV Nordrhein kritisiert Rabattverträge

Freitag, 22. Oktober 2021

/Soho A studio, stock.adobe.com

Düsseldorf – Vor dem Hintergrund der kürzlich bekannt gewordenen Datenpanne der AOK Baden-Würt­temberg hat die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) vor ausufernden Rabattschlachten ge­warnt. „Sie schaden Patienten und Praxen gleichermaßen“, erklärte der KVNO-Vorstandsvorsitzende Frank Bergmann.

Die AOK Baden-Württemberg hatte offenbar mit einem indischen Hersteller des Schmerzmittels „Bupre­norphin“ Rabatte in Höhe von rund 99 Prozent auf den Abgabepreis verhandelt und die Zuschläge ver­sehentlich auch an andere Bieter verschickt.

Anzeige

Laut KVNO sind ähnlich hohe Rabatte anscheinend auch noch für andere Medikamente verhandelt wor­den. „Das ernüchternde Beispiel aus Baden-Württemberg zeigt, dass die Kassen mit ihren Rabattverträ­gen jährlich mehrere hundert Millionen Euro einsparen“, betonte Bergmann. Er sei der festen Überzeu­gung, dass das Modell der Rabattverträge immer wieder zu Liefereng­pässen einiger Breitenmedikamente führe.

„Kommt ein Pharmahersteller bei einem ausgeschriebenen Rabattvertrag nicht zum Zug, fährt er seine Produktion für das entsprechende Präparat herunter.“ Falle der ursprüngliche Exklusivlieferant dann kurzfristig aus, könne in der Regel kein alternativer Hersteller den Ausfall auffangen und zeitnah in großen Mengen liefern. Die Leidtragenden seien vor allem die Patienten.

„Denn es geht bei diesem Rabattirrsinn nicht nur um einige spezielle Medikamente, sondern um solche, auf die viele Erkrankte dringend angewiesen sind – wie etwa Arzneimittel gegen Bluthochdruck, Parkinson und Antidepressiva“, so der der KVNO-Chef.

Angesichts der immens hohen Summen, die die Krankenkassen durch solche Rabattverträge einsparen, seien die Prüfverfahren, mit denen sich Niedergelassene auseinandersetzen müssen, eine besonders bittere Pille.

So müssten sich nordrheinische Ärzte in mitunter kleinteiligen Regressen – insbesondere im Bereich des Sprechstundenbedarfs – gegenüber den Krankenkassen verantworten, weil sie beispiels­weise zu viel Mullbinden verbraucht oder falsche Wundauflagen benutzt hätten. „Das halte ich für vollkommen unan­gemessen“, unterstrich der KVNO-Chef.

Die AOK Baden-Württemberg wies die Kritik, wegen der Rabattverträge mangele es immer wieder an Arzneimitteln. Die Krankenkasse prüft nach eigenen Angaben vor Auftragsvergabe die Lieferfähigkeit der Hersteller. Diese seien vertraglich verpflichtet, Präparate in ausreichender Menge zur Verfügung zu haben. © hil/sb/dpa/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER