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Medizin

Enzymbehandlung bei Meningitis in der Forschungspipeline

Donnerstag, 25. November 2021

/Ezume Images, stock.adobe.com

Berlin – Meningitis ist eine Infektionskrankheit, die mit hoher Mortalität und schwerwiegenden Verläu­fen sowie dauerhaften neurologischen Schäden, wie Hörverlust, neurologische Schäden oder und kognitiven Beeinträchtigungen einher gehen kann.

Nun wurde am Mausmodell untersucht, ob eine Enzymbehandlung mit DNasen schwerwiegende meningitisassoziierte Ödeme reduzieren kann. Häufige Erreger der Meningitis sind zum Beispiel Bakterienstämme wie Neisseria meningitidis (Meningokokken), Haemophilus influenzae und Streptococcus agalactiae (Streptokokken der Gruppe B) und Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken).

Komplikationen des zentralen Nervensystems (ZNS) wie diffuse Hirnschwellungen (Hirnödem) sind eine der Hauptursachen für Morbidität bei Pneumokokken-Meningitis. Eine Hypothese zur Entstehung von Hirnödemen ist, dass zur Abwehr von Pneumokokken Immunzellen ins ZNS dringen und dort unter anderem Netzwerke aus extrazellulären Fasern, die Pathogene binden und hauptsächlich aus der DNA neutrophiler Granulozyten bestehen (neutrophil extracellular traps (NETs)). NETs halten Bakterien zurück, blockieren aber auch den Austausch von Zerebrospinalflüssigkeit (CSF) durch das glymphatische System.

DNasen zerkleinern NETs

Vor diesem Hintergrund untersuchten Forscher aus Dänemark und Schweden am infizierten Mausmodell, ob die Zerstörung der NETs durch enzymatische Zerkleinerung der neutrophilen DNA durch DNasen, dazu beitragen kann, die glymphatische Funktion zu erhalten und ggf. die Bildung von Ödemen zu verhindern (Annals of Neurology 2021; DOI: 10.1002/ana.26186).

Die Untersuchung bestätigte zunächst, dass der Liquorzustrom in das Hirnparenchym sowie die Liquordrainage zu den zervikalen Lymphknoten im Mausmodell einer Pneumokokken-Meningitis signifikant reduziert war. Eine Reduktion der NETs durch DNase-Behandlung stellte den glymphatischen Austausch wieder her und verhinderte diffuse Hirnschwellungen.

Neue Kombination mit Antibiotika denkbar

Die Studienautoren um Doktorandin Chiara Pavan vom Zentrum für translationale Neuromedizin der Universität Kopenhagen (Dänemark), schlussfolgern daraus, dass Liquorakkumulation eine Ursache für die Ödembildung ist und dass die Beeinflussung des glymphatischen Systems und die Zerstörung von NETs als mögliche neue Targets für die Behandlung von Pneumokokken-Meningitis in Betracht kommen.

Diese Untersuchung liefert erste Hinweise darauf, dass meningitisassoziierte Ödeme durch DNasen reduziert werden können und gegebenenfalls in Kombination mit Antibiotika das Outcome verbessern könnten.

Es müssten jedoch noch weitere präklinische und klinische Studien angesetzt werden, um die Wirksam­keit und Sicherheit von DNase-Behandlungen im Zusammenhang mit Meningitis zu untersuchen. © cw/aerzteblatt.de

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