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Ärzteschaft

Psychische Versorgung von Menschen mit Diabetes und Übergewicht unzureichend

Montag, 25. Oktober 2021

/kwanchaichaiudom, stock.adobe.com

Berlin – Die psychische Versorgung von Menschen mit Diabetes und Übergewicht ist laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) häufig unzureichend. Aber psychische Erkrankungen wie Depressionen und Ess- oder Angststörungen behinderten die Selbstma­na­ge­mentfähigkeiten immens, warnen die Gesellschaften.

Zum Beispiel träten Depressionen bei Menschen mit Diabetes doppelt so häufig auf wie bei jenen, die nicht unter der Stoffwechselerkrankung litten. „Die beiden Erkrankungen stehen in einer Wechselwirkung zueinander, die dazu führt, dass sich bei fehlender Behandlung beide Erkrankungen im Krankheitsverlauf gegenseitig negativ beeinflussen oder sogar eine die andere bedingt“, erläutert die DDG-Expertin Susan Clever, Psychologin an der Diabetespraxis Hamburg-Blankenese.

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Menschen mit Diabetes ebenso wie Menschen mit starkem Übergewicht seien zudem Stigmatisierungen ausgesetzt, die sich negativ auf ihren Umgang mit Therapieempfehlungen auswirken könnten. Außerdem erschwerten Essstörungen häufig das notwendige, gesunde, regelmäßige und der jeweiligen Erkrankung angepasste Essen.

„Beim Insulinpurging verzichten die Patienten beispielsweise auf Insulin, um die Gewichtsabnahme an­zu­kurbeln. Patienten, die an einer Binge-Eating-Störung leiden, haben regelmäßig wiederkehrende Ess­anfälle“, gibt Clever Beispiele.

Solche Essstörungen beeinflussten die jeweilige Grunderkrankung negativ und könnten sogar ein le­bens­gefährliches Ausmaß annehmen. Auch die Adipositas ohne begleitenden Diabetes werde nur selten in seiner großen Komplexität und mit den häufig verbundenen psychischen Begleiterkrankungen wahr­genommen und behandelt, kritisierte sie.

Vermeintlich einfache Empfehlungen zur Verhaltensänderung und Disziplin wirken laut DDG und DAG eher kontraproduktiv und verstärkten die wiederholte Erfahrung eigenen Scheiterns bei den Betroffenen.

„Deswegen bedarf jede psychische Komorbidität bei Diabetes und Adipositas einer begleitenden psycho­therapeutischen Behandlung durch Fachpersonal, das mit den Spezifika von Stoffwechselerkrankungen vertraut ist“, so die Expertin.

Die entsprechenden Behandlungsangebote seien aber rar. „Das aktuelle Vergütungssystem sieht nicht vor, dass Diabetesschwerpunktpraxen zeitnah ein niederschwelliges Beratungsangebot durch zertifizierte Diabetesfachpsychologen anbieten können“, kritisierte Werner Kern, Tagungspräsident der DDG und Ärzt­licher Leiter des Endokrinologikum Ulm. © hil/aerzteblatt.de

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