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Ausland

Jeder zweite Afghane von Nahrungsmittel­knappheit betroffen

Dienstag, 26. Oktober 2021

/picture alliance, World Food Programm WFP, Marco Di Lauro

Kabul – Afghanistan steht nach Angaben der UNO am Rande einer humanitären Katastrophe: Mehr als die Hälfte des Landes sei von einer „akuten“ Nahrungsmittelknappheit betroffen, erklärte der Exekutiv­direktor des Welternährungsprogramms (WFP), David Beasley.

„In diesem Winter werden Millionen von Afghanen gezwungen sein, zwischen Migration und Hunger zu wählen, wenn wir unsere lebensrettende Hilfe nicht verstärken können.“ Russland rief den Westen zum Handeln auf.

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Beasley zufolge ist die Versorgung von 22 Millionen Menschen im kommenden Winter unsicher. Die Nahrungsmittelknappheit habe bereits ein größeres Ausmaß erreicht als die Lebensmittelengpässe im Jemen und in Syrien. „Afghanistan ist jetzt eine der schlimmsten humanitären Krisen der Welt – wenn nicht sogar die Schlimmste – die Versorgung mit Nahrungsmitteln ist fast zusammengebrochen“, fügte Beasley hinzu.

Nach Angaben des Welternährungsprogramms und der UN-Ernährungsorganisation FAO befindet sich jeder zweite Afghane in einer „Nahrungsmittelkrise“ der Stufe 3 oder sogar einer „Notlage“ der Stufe 4.

Die FAO klassifiziert Nahrungsmittelknappheit in fünf Kategorien, wobei 5 für eine Hungernot steht.
Die FAO bittet um 11,4 Millionen Dollar (zehn Millionen Euro) als Soforthilfe und weitere 200 Millionen Dollar für den Zeitraum bis 2022.

Die Taliban-Regierung in Afghanistan hatte kürzlich ein Beschäftigungsprogramm zur Reduzierung von Arbeitslosigkeit und Hunger angekündigt. Regierungssprecher Sabihullah Mudschahid erklärte, dass tausende Arbeitslose an Beschäftigungsmaßnahmen teilnehmen und im Gegenzug Weizen bekommen sollten.

Afghanistan ist in hohem Maße auf ausländische Hilfen angewiesen, die seit der Machtübernahme der radikalislamischen Miliz im August zunächst stark zurückgefahren wurden. Das Land kämpft zudem mit einer Dürre, einer Wirtschaftskrise sowie Stromausfällen.

Der russische Afghanistan-Gesandte Samir Kabulow forderte die Europäische Union auf, „nach Afghanis­tan zurückzukehren“. Er sagte vor Journalisten: „Wenn der Westen versucht, Afghanistan mit Hunger zu ersticken“, würden sich die Menschen dem „Drogenhandel“ und „terroristischen Organisationen zuwenden oder nach Europa flüchten“. Er riet dem Westen, mit den Taliban zusammenzuarbeiten, um ein Abgleiten Afghanistans ins Chaos zu verhindern.

Der Kreml-Diplomat bekräftige die russische Forderung, die eingefrorenen internationalen Finanzreser­ven der abgesetzten afghanischen Regierung freizugeben. Westliche Regierungen hatten Milliarden Euro an Guthaben eingefroren, damit es nicht den Islamisten in die Hände fällt.

„Das ist absolut ungeheuerlich“, sagte Kabulow. „Das Geld sollte an das afghanische Volk zurückgegeben werden.“ Kabulow zufolge bereitet sich Russland derzeit darauf vor, „in den kommenden Tagen“ mehr humanitäre Hilfe nach Afghanistan zu schicken. © afp/aerzteblatt.de

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