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Medizin

Post COVID: Viele Genesene haben Schwächen in kognitiven Tests

Montag, 25. Oktober 2021

/picture alliance, Alexander Limbach

New York – Eine Erkrankung mit COVID-19 kann auch bei relativ jungen Menschen kognitive Störungen hinterlassen, die über ein halbes Jahr oder länger andauern. Dies zeigen neuropsychiatrische Untersu­chungen an einer Kohorte von Genesenen, die jetzt in JAMA Network Open (2021: DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.30645) veröffentlicht wurden.

Kognitive Störungen, die auch als „Brain Fog“ bezeichnet werden, gehören sicherlich zu den unangeneh­men Folgen von COVID-19, vor allem, wenn sie bei jüngeren Patienten auftreten, die noch im Berufs­leben stehen und auf eine normale Funktion ihres Gehirns angewiesen sind.

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Jacqueline Becker und Mitarbeiter von der Icahn School of Medicine in New York haben jetzt genaue neuropsychiatrische Tests bei 740 Patienten im Alter von durchschnittlich 49 Jahren durchgeführt.

Im Mittel 7,6 Monate nach der Genesung wurde die Aufmerksamkeit mit dem „Number-Span-Forward“-Test (Personen müssen sich Zahlenreihen merken) und das Arbeitsgedächtnis mit dem „Number-Span-Backward“-Test (Personen müssen die Zahlen in umgekehrter Reihenfolge nennen) geprüft.

Verarbeitungsgeschwindigkeit und exekutive Funktionen wurden mit dem „Trail Making Test Part A and Part B“ untersucht. Im erstem Teil müssen die Probanden Zahlen auf einem Blatt Papier in aufsteigender Reihenfolge mit Linien verbinden, im Teil 2 wird dies durch die Mischung von Zahlen und Buchstaben erschwert.

Weitere Tests haben die phonematische Wortflüssigkeit (etwa das Nennen möglichst vieler Wörter, die mit S beginnen) und die kategoriale Wortflüssigkeit (das Nennen möglichst vieler Tierarten) geprüft. Der Hopkins Verbal Learning Test-Revised untersucht Gedächtnisbildung, Speicherabruf und Wiedererkenn­ung.

In allen Tests wurden Defizite beobachtet. Am häufigsten betrafen sie die Verarbeitungsgeschwindigkeit (18 %), die exekutiven Funktionen (16 %), die phonematische Wortflüssigkeit (15 %), die kategoriale Wortflüssigkeit (20 %), die Gedächtnisbildung (24 %) und den Gedächtnisabruf (23 %).

Die Studie hatte zwar keine Vergleichsgruppe von gesunden Personen ohne COVID-19 in der Vorge­schichte. In der Allgemeinbevölkerung werden kognitive Defizite in der Regel jedoch bei weniger als 10 % beobachtet, vor allem, wenn es sich um jüngere Menschen handelt. Für einen Zusammenhang spricht auch, dass die Störungen bei den Personen, die wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt wurden, also schwerer erkrankt waren, häufiger auftraten.

Becker ermittelt für Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit eine Odds Ratio (OR) von 2,8 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,3 bis 5,9. Die Exekutivfunktionen (OR 1,8; 1,0-3,4), die kategoriale Wortflüs­sig­keit (OR 3,0; 1,7-5,2), die Gedächtnisbildung (OR 2,3; 1,3-4,1) und der Gedächtnisabruf (OR 2,2; 1,3-3,8) waren ebenfalls häufiger gestört als bei den ambulanten Patienten.

Die Studie zeigt damit, dass zumindest nach einer Hospitalisierung häufiger mit einem „Brain Fog“ ge­rech­net werden muss, dessen Dauer sich noch nicht abschätzen lässt. Eine Einschränkung der Studie ist, dass die Kohorte keine Zufallsstichprobe von Genesenen ist, sondern Personen erfasst, die vermutlich wegen anderen Erkrankungen in Behandlung waren und deshalb einen schlechteren Gesundheitszustand hatten. © rme/aerzteblatt.de

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