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Medizin

Nierenversagen: Genvariante erschwert Peritonealdialyse

Montag, 29. November 2021

/stock.adobe.com

Zürich – Eine Variante im Gen AQP1, das die Bauanleitung für den Membrankanal Aquaporin-1 enthält, vermindert die Effektivität einer konventionellen Peritonealdialyse, was in einer internationalen Studie im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2034279) mit einem höheren Sterbe­risi­ko verbunden war. Ein Wechsel des Dialysats könnte das Problem beheben.

Die Bauchfell- oder Peritonealdialyse hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer Alternative der Hämo­dialyse entwickelt. Die Methode ist populär, weil die Patienten sie zu Hause mit einem Minimum an medizinischem und technischem Aufwand durchführen können. Für die Behandlung wird über einen Katheter ein Dialysat in die Bauchhöhle geleitet. Es „saugt“ aufgrund seiner hohen Osmolarität Flüssig­keit und Schadstoffe aus dem Blut, die dann mit dem Dialysat aus der Bauchhöhle entfernt werden.

Die Peritonealdialyse ist nicht bei allen Patienten gleich effektiv. Bei einigen Patienten gelingt es nicht, Flüssigkeit und Stoffwechselschlacken im nötigen Umfang aus dem Körper zu entfernen. Die Ursache hierfür war bislang unklar. Eine Genom-weite Assoziationsstudie deutete auf eine genetische Ursache hin.

Der Verdacht fiel auf das Gen für das Protein Aquaporin-1, das in den Endothelzellen für den Wasser­trans­port zuständig ist. Aquaporin-1 wird auch in den Blutgefäßen des Bauchfells gebildet, und Experi­mente an Knock-out Mäusen hatten gezeigt, dass die kleinen Membrankanälchen etwa die Hälfte der Flüssigkeitsextraktion erklären, die sich mit einer konventionellen Peritonealdialyse erzielen lassen.

Ein internationales Team um Olivier Devuyst vom Physiologischen Institut der Universität Zürich hat in einer Studie das Gen AQP1 typisiert und die Ergebnisse mit dem Ultrafiltrat verglichen. Das ist die Menge der Flüssigkeit, die dem Körper durch die Peritonealdialyse entzogen wird. An einer der 4 untersuchten Stellen des Gens wurde ein Unterschied entdeckt: Patienten mit einem TT-Genotyp in der Variante rs2075574 hatten ein signifikant geringeres Ultrafiltrat als der CC-Genotyp (506 ml versus 626 ml). Diese Ergebnisse konnten in einer 2. Gruppe von 985 Patienten aus anderen Ländern bestätigt werden. Auch hier war der TT-Genotyp mit einer signifikant schlechteren Ultrafiltration verbunden (368 ml versus 563 ml).

Die nähere molekulargenetische Analyse ergab, dass die Variante rs2075574 sich in der Promoterregion des Gens befindet. Das T-Allel senkte die Menge der Boten-RNA um 27 % und die Menge des Proteins Aquaporin-1 um 37 %, was die geringere Ultrafiltration plausibel erklärt.

Die Forscher konnten weiter zeigen, dass der Genotyp in der Variante rs2075574 auch den klinischen Erfolg der Peritonealdialyse beeinflusst. Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 944 Tagen war es bei 66 von 114 Patienten (58 %) mit einem TT-Genotyp zu einem technischen Versagen der Perito­neal­dialyse oder zum Tod gekommen gegenüber 162 von 384 Patienten (42 %) mit einen CC-Genotyp und 191 von 400 Patienten (48 %) mit einem CT-Genotyp. Devuyst ermittelt für die Träger des TT-Geno­typs eine adjustierte Hazard Ratio von 1,70, die mit einem 95 %-Konfidenzintervall von 1,24 bis 2,33 signifikant war. Auch das Gesamtsterberisiko dieser Patienten war mit 24 % versus 15 % erhöht.

Für den Editorialisten Daniel Bichet von der Universität Montréal stellt sich angesichts dieser Ergebnisse die Frage, ob Patienten vor einer Peritonealdialyse nicht genotypisiert werden sollten, um die etwa 10 % bis 16 % mit einem TT-Genotyp von dieser Form der Dialyse auszuschließen. Nach den Ergebnissen der Studie könnte es eine andere Lösung geben.

Die Peritonealdialyse wird in der Regel mit einer Glukoselösung durchgeführt. Eine Alternative könnte die Verwendung einer kolloidalen Lösung wie Icodextrin sein, die dem Körper unabhängig von Aqua­porinen Wasser entzieht. Erste Versuche an 144 Patienten ergaben, dass ein Dialysat mit 7,5 % Icodextrin nur mit einem minimalen Rückgang des Ultrafiltrats verbunden war. © rme/aerzteblatt.de

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