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Zeitumstellung belastet, Abschaffung nicht in Sicht

Freitag, 29. Oktober 2021

/VRD, stock.adobe.com

Hannover – Am 31. Oktober werden die Uhren wieder umgestellt – im Winter zurück von 3 Uhr auf 2 Uhr. Das führt nach wie vor zu gesundheitli­chen Problemen und Stress bei vielen Menschen. Das zeigen auch zwei neue Umfragen der Krankenkasse KKH und der DAK-Gesundheit aus dieser Woche.

So leidet zum Beispiel jeder Zweite einer Befragung der KKH zufolge nach der Zeitum­stellung unter Gereiztheit oder Schlafproblemen. 24 Prozent sind in den Tagen danach gereizt oder müde, 26 Prozent können schlecht ein- oder durchschlafen, wie die Kasse mitteilte.

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Zu ähnlichen Ergebnisse kommt die Umfrage der DAK-Gesundheit. Demnach hat etwa jedem dritten Be­fragten die Zeitumstellung schon einmal zu schaffen gemacht. 30 Prozent der Befragten gaben in einer Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Krankenkasse an, schon einmal körperliche oder psychische Probleme gehabt zu haben. 70 Prozent verneinten dies.

Besonders oft als Problem genannt wurden Müdigkeit oder Schlappheit (80 Prozent), Einschlafprobleme oder Schlafstörungen (67 Prozent) und eine schlechtere Konzentration (42 Prozent). Unbeliebt ist die Zeitumstellung laut KKH allgemein: 78 Prozent der Menschen in Deutschland finden sie überflüssig und wollen, dass sie abgeschafft wird. Nur 17 Prozent halten sie für sinnvoll. 2013 waren es noch 29 Prozent.

Doch warum gibt es die Zeitumstellung noch? Eigentlich sollte das Ritual in der Europäischen Union Geschichte sein. Ein Sprecher der EU-Kommission formulierte es jüngst so: „Diese Frage zur saisonalen Zeitumstellung ist auch eine saisonale Frage, die wir zweimal im Jahr jeweils vor der Zeitumstellung erhalten.“ Wie schon sechs Monate zuvor, könne er nur wiederholen, was er vor sechs Monaten wieder­holt habe: „Der Ball liegt nun im Feld der Mitgliedsstaaten.“

2018 befragte die EU-Kommission die Bürger zu dem Thema. 84 Prozent waren in der nicht repräsenta­tiven Konsultation für ein Ende des Wechsels zwischen Sommer- und Winterzeit. In Deutschland war die Zustimmung besonders groß.

Der ehemalige Kommissionschef Jean-Claude Juncker verkündete noch im gleichen Jahr im deutschen Frühstücksfernsehen ein Ende der Zeitumstellung: „Die Menschen wollen das, wir machen das“, sagte er. Das EU-Parlament stimmte dem daraufhin folgenden Vorschlag der EU-Kommission dann im März 2019 zu und sprach sich dafür aus, die Zeitumstellung 2021 abzuschaffen. Doch es gibt sie noch immer.

Denn es hakt bei den EU-Ländern: Sie müssten klären, ob sie dauerhaft Sommer- oder Winterzeit wollen. Bislang haben die Regierungen im Rat der EU jedoch keine gemeinsame Position gefunden. Und suchen sie offenbar auch nicht mehr: Derzeit hat Slowenien den Vorsitz der EU-Staaten inne, eine Sprecherin teilte mit, es gebe „nichts Neues“ bezüglich der Zeitumstellung. Unter slowenischer Ratspräsidentschaft habe es seit Juli keine Debatte dazu gegeben.

Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber kritisiert, dass die EU-Länder sich nicht ernsthaft bemühten, das Projekt weiter zu bringen. „Die Diskussion unter den Mitgliedstaaten wurde noch nicht einmal ge­star­tet.“ Zuletzt forderte auch Litauens Verkehrsminister Marius Skuodis, eine Lösung zu finden.

Auf die Frage, ob die EU-Kommission das Vorhaben ihres ehemaligen Chefs noch einmal so vorschlagen würde, betonte ein Sprecher, dass es wichtig sei, auf die Meinung der Bevölkerung zu hören. Auch wenn es - wie in diesem Fall - nicht immer einfach zu lösende Probleme seien. „Die Zeit vergeht in der Tat sehr langsam, wenn es um die Zeitumstellung geht“, so der Sprecher.

Ein Problem ist unter anderem, dass die Gefahr eines Flickenteppichs besteht: Wenn sich die Länder nicht einheitlich auf Sommer- oder Winterzeit einigen, könnte es dazu kommen. Wenn dies nicht gelingt, könnte es etwa zu Problemen bei Fahrplänen und in anderen Bereichen kommen.

Zudem sind die Auswirkungen für EU-Länder an den Rändern der Mitteleuropäischen Zeitzone nicht po­sitiv: Käme die dauerhafte Sommerzeit, hieße das für Spanien im Winter Dunkelheit bis kurz vor 10 Uhr. Einigen sich alle auf Winterzeit, würde es in Warschau im Sommer schon um 3 Uhr hell. Die Zeitum­stell­ung zweimal im Jahr dämpft diese Extreme. © afp/dpa/aerzteblatt.de

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