NewsÄrzteschaftUmfrage: Oberärzte haben wenig Interesse an Chefarztposition
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Umfrage: Oberärzte haben wenig Interesse an Chefarztposition

Dienstag, 26. Oktober 2021

/dpa

Berlin – Nur ein kleiner Teil der Oberärzte an deutschen Universitätskliniken strebt offenbar einen Chef­arztposten an. Das zeigt eine Onlinebefragung des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie im Auftrag der Personalberatung Rochus Mummert.

An der Befragung zwischen März und Mai dieses Jahres hatten 384 Oberärzte deutscher Universitätskli­ni­ken teilgenommen. Die Untersuchung schließt an eine gemeinsame Arbeit aus dem Jahr 2017 an. Der aktuellen Ergebung zufolge streben 14 Prozent der befragten Oberärzte die klassische Chefarztkar­ri­e­re an. In der Position der Oberärzte verbleiben wollen 22 Prozent.

Anzeige

Rund acht Prozent der Befragten zielen auf eine Karriere im traditionellen Ordinariat. 23 Prozent sehen die universitäre Sektionsleitung und mit aggregierten rund 22 Prozent die Universi­täts­professur (20 Pro­zent) sowie die Juniorprofessur (zwei Prozent) als Karrierepfa­de an.

Die Selbstständigkeit spielt für acht Prozent der Befragten als nächsten Karriereschritt eine Rolle. Drei Prozent können sich den Weg in die Industrie oder in die Beratung in naher Zukunft vor­stellen.

Die Gründe für den offenbar seltenen Wunsch, einen Chefarztposten anzustreben, sind unterschiedlich. Zwar füh­len sich viele Oberärztinnen und Oberärzte laut Befragung grundsätzlich für Managementtätig­keiten kompetent genug, aber das Interesse zur Übernahme solcher Aufgaben fehlt weitgehend.

Gefragt nach einer idealen Aufteilung ihres Arbeitsalltags sollen bestenfalls nur zwölf Prozent der Ar­beits­zeit auf Managementtätigkeiten entfallen. Die kurative Versorgung der Patienten steht mit 55 Pro­zent im Mittelpunkt des gewünschten Arbeitsspektrums. Dahinter folgen Forschung (19 Prozent) und Lehre (14 Prozent).

Innerhalb der Krankenhäuser zeichnet sich damit ein Karrierewandel ab, weg von Spitzenkarrieren, hin zu Sektionsleitungen oder Oberarztlaufbahnen, schreibt Rochus Mummert. Die Angaben zeigten, dass die Chefarztlaufbahn an Attraktivität verliere, Oberärzte weiter kurativ in der Medizin tätig sein wollten und eine zu starke Einbindung in Managementtätigkeiten meiden.

Die Ergebnisse legten zwei Entwicklungen nahe, die in Kombination auf „dramatische Weise die Nach­wuchsproblematik“ im deutschen Kliniksektor aufzeigten, sagte Florian Liberatore, Privatdozent am Win­terthurer Institut für Gesundheitsökonomie und wissenschaftlicher Studienleiter. Der Kampf um qualifi­zier­tes Fach- und Führungspersonal werde sich in der Fläche weiter verschärfen.

„In naher Zukunft wer­den zentrale Positionen nicht mehr besetzt werden können. Gerade kleinere Häuser werden diese Reali­tät stark spüren. Das wird den Markt nachhaltig verändern.“ Aus Sicht der Unterneh­mens­beratung fehlt es an einem gezielten Kompetenzaufbau im Bereich Führung und Leadership. © may/EB/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER