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Medizin

Appendizitis: Studie bestätigt langfristigen Erfolg der Antibiotika­behandlung

Dienstag, 30. November 2021

/gritsalak, stock.adobe.com

Seattle – Eine Antibiotikabehandlung kann bei einer unkomplizierten Appendizitis bei mehr als der Hälfte der Patienten langfristig eine Operation vermeiden. Dies zeigen die abschließenden Ergebnisse der CODA-Studie, die jetzt auf einem Kongress des American College of Surgeons vorgestellt und im New England Journal of Medicine (NEJM 2021; DOI: 10.1056/NEJMc2116018) publiziert wurden. Die US-Fachgesellschaft betrachtet die Antibiotikabehandlung mittlerweile als „eine akzeptable Erstlinienbe­hand­lung“.

Die Appendektomie war über mehr als 1 Jahrhundert die einzige Standardbehandlung von Blinddarm­ent­­zün­dungen und die häufigste Notfalloperation im Bauchraum. Die Operation wird mittlerweile minimalinvasiv durchgeführt und die Entfernung der Appendix beseitigt in der Regel die Ursache der Erkrankung und verhindert spätere Komplikationen.

Obwohl seit einigen Jahrzehnten effektive Antibiotika zur Verfügung stehen, wurde eine medikamentöse Behandlung lange nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Dies änderte sich erst in den Jahren 1995 bis 2005 als in Skandinavien mehrere kleinere randomisierte Studien zu dem Ergebnis kamen, dass eine initiale Antibiotikabehandlung eine Operation häufig vermeiden kann.

Es vergingen weitere 11 Jahre, bis die Idee in einer größeren randomisierten Studie untersucht wurde. Die vom „Patient-Centered Outcomes Research Institute“, einem Ableger von Obama-Care, gesponserte Studie randomisierte zwischen Mai 2016 und Februar 2020 an 25 US-Kliniken insgesamt 1.552 Erwach­sene mit akuter Appendizitis auf eine sofortige Operation oder auf eine initiale Antibiotikabehandlung.

Die im letzten Jahr veröffentlichten ersten Ergebnisse zeigten, dass die Antibiotikabehandlung nicht mit einem Anstieg der Komplikationen verbunden war und die Lebensqualität nach 30 Tagen gleich gut war wie nach einer sofortigen Operation. In der Antibiotikagruppe mussten sich in den ersten 90 Tagen nur 29 % einer Blinddarmoperation unterziehen. Bei den Patienten ohne Kotstein (Appendikolith) waren es sogar nur 25 %.

Die Studie wurde 1 Jahr nach der Rekrutierung des letzten Patienten beendet. Da die Studie sich über mehrere Jahre hinzog, lag die Behandlung bei 82 % der Patienten länger als 2 Jahre, 44 % mehr als 3 Jahre und 15 % mehr als 4 Jahre zurück. In dieser Zeit stieg der Anteil der Patienten, die doch noch operiert werden mussten, nur leicht an.

Wie ein Team um David Flum vom „Surgical Outcomes Research Center“ in Seattle berichtet, musste im 1. Jahr bei 40 % der Patienten aus der Antibiotikagruppe eine Appendektomie durchgeführt werden (95-%-Konfidenzintervall 36 % bis 44 %). Nach 2 Jahren stieg der Anteil auf 46 % (42 % bis 49 %). Nach 3 und 4 Jahren waren es 49 % (44 % bis 53 %), also knapp die Hälfte der Patienten.

Interessanterweise nahm die relative Bedeutung eines Appendikolithen mit der Zeit ab. Ein Kotstein hatte in den ersten 48 Stunden das Risiko auf eine Appendektomie verdreifacht (Hazard Ratio 2,9; 1,9 bis 4,4). Im 1. Monat sank die Hazard Ratio auf 1,4 (0,8 bis 2,4) und in den ersten beiden Jahren auf 1,1 (0,8 bis 1,6).

Die Studie bestätigt die Einstellung des American College of Surgeons, das die Antibiotika in seiner jüngsten Leitlinie als „eine akzeptable Erstlinienbehandlung“ einstuft. Ob die Chirurgen im Land dieser Maxime folgen und den Patienten die Wahl überlassen, ist nicht bekannt. Die Zahl der Appendektomien ist in den letzten Jahren – auch in Deutschland – leicht zurückgegangen.

Viele Patienten würden eine Antibiotikabehandlung vorziehen. In einer jüngst im British Journal of Surgery (BJS 2021; DOI: 10.1093/bjs/znab280) veröffentlichten Umfrage unter US-Patienten gaben 83,1 % der Erwachsenen an, dass sie eine Antibiotikabehandlung versuchen würden. Immerhin 57,3 % waren bereit, dafür Risiken in Kauf zu nehmen. In der Studie kam auch heraus, dass nur 9,1 % wussten, dass es eine Alternative zur Operation gibt. © rme/aerzteblatt.de

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