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Medizin

Neues Medikamentenduo erzielt bei akuter myeloischer Leukämie gutes Ergebnis

Dienstag, 30. November 2021

/Pichitchai, stock.adobe.com

Houston/Ulm – Eine der häufigsten Mutationen bei einer akuten myeloischen Leukämie (AML) betrifft die Isocitradehydrogenase (IDH)-Gene IDH1 und IDH2. Bei älteren Patientinnen und Patienten mit einer IDH2-mutieren AML könnte eine Kombinationstherapie zu einem signifikant besserem Therapiean­sprechen als der derzeitige Standard führen. Die Ergebnisse wurden in Lancet Oncology veröffentlicht (2021, DOI: 10.1016/S1470-2045(21)00494-0).

In einer Phase-1b/2-Studie verglichen Forschende um Erstautor Courtney D DiNardo vom MD Anderson Cancer Center in Houston den derzeitigen Standard Azacitidin (n=33) mit einer Kombination aus dem IDH2-Hemmstoff Enasidenib und Azacitidin (n=68). Die Teilnehmenden waren zwischen 71 und 78 Jahren alt und hatten einer IDH2-mutiere AML. Ein Gesamtansprechen erreichten 50 (74%; 95% CI 61-84) Patienten in der Kombinationsgruppe und 12 (36%; 20-55) Patienten in der Azacitidin-Mono­thera­piegruppe (Odds Ratio 4-9 [95% CI 2-0-11-9]; p=0-0003).

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist die häufigste akut verlaufende Leukämieform in Deutschland und tritt meist bei älteren Patientinnen und Patienten auf. Aufgrund von Begleiterkrankungen können diese jedoch meist nicht mit einer intensiven Chemotherapie behandelt werden. Standardmedikament für die Behandlung bei älteren AML-Betroffenen sind die Substanzen Azacitidin und Decitabin.

Die vor wenigen Jahren neu entwickelten Hemmstoffe Ivosidenib und Enasidenib wirken spezifisch gegen mutiertes IDH1 beziehungsweise IDH2. Die amerikanische Behörde FDA (Food and Drug Adminis­tration) hat Enasidenib bereits 2017 und Ivosidenib 2018 zugelassen.

IDH1 und IDH2 bilden Proteine, welche im Zellstoffwechsel eine wichtige Rolle spielen. Durch die Mutationen wird im Stoffwechsel ein neues Protein gebildet, das zur Leukämieentstehung beiträgt. IDH1-Mutationen lassen sich bei circa 6-8 % und IDH2 Mutationen bei etwa 12-15 % der AML-Betroffenen nachweisen.

„Das Konzept der Präzisions- oder personalisierten Medizin bei der AML entwickelt sich derzeit rasant. Wir sind froh, dass wir unseren Patientinnen und Patienten die neuen Medikamente im Rahmen von klinischen Studien anbieten können“, erläuterte einer der federführenden Autoren Hartmut Döhner, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum Ulm.

Ergebnisse für den IDH1-Hemmstoff Ivosidenib würden beim kommenden Kongress der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie im Dezember vorgestellt werden, kündigte Döhner an. „Wir hoffen, dass beide Substanzen auch bald durch die Europäische Zulassungsbehörde EMA (European Medicines Agency) zugelassen werden.“

2 weitere Substanzen werden nicht anstelle, sondern in Kombination mit Standardchemotherapie einge­setzt: der konjugierte monoklonale CD33-Antikörper Gemtuzumab Ozogamicin und der Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) Midostaurin, der für alle FLT3-mutierten AMLs in der intensiven Primärtherapie zuge­lassen wurde.

Akute myeloische Leukämie: Therapie im Wandel

Auf dem Weg zur individualisierten Therapie: Initiale Typisierung, spezifische neue Substanzen und ein verbessertes Therapie-Monitoring verbessern die Prognose. Hinter einer Zytopenie im höheren Alter kann sich eine akute myeloische Leukämie (AML) verbergen – auch ohne das Vorliegen einer Leukozytose. Die AML ist die häufigste akute Leukämie, und obgleich ihre allgemeine Inzidenz mit etwa 3–4/100

Die Erforschung der zellulären und molekularen Grundlagen der Leukämieentstehung sowie die Entwick­lung neuer Medikamente für eine personalisierte Behandlung der Leukämien ist seit vielen Jahren ein Schwerpunkt der Ulmer Universitätsmedizin. Sie waren beteiligt an der Entwicklung des FLT3-Hemm­stoffs Midostaurin und des BCL-2 Hemmstoffs Venetoclax.

Erst im September 2021 hatte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) Venetoclax in Kombination mit Azacitidinin einer frühen Nutzenbewertung einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie bescheinigt. © gie/aerzteblatt.de

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