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Medizin

USA: Physiotherapie kann Opioidabhängigkeit nach Knieendoprothese vermeiden

Donnerstag, 2. Dezember 2021

/BillionPhotos.com, stock.adobe.com

Boston – Knieendoprothesen sind in den USA offenbar ein häufiger Auslöser einer Opioidabhängigkeit. Patienten, die vor oder nach der Operation an einer Physiotherapie teilnahmen, sind einer Studie in JAMA Network Open (2021; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.31271) zufolge weniger anfällig, vermutlich weil die Physiotherapie die Erholung fördert und damit die Schmerzen auch ohne Medikamente lindert.

Gonarthrosen gehören in den USA zu den häufigsten Indikationen für die Verordnung von Opioiden. Fast die Hälfte der Patienten, deren Daten der Physiotherapeut Kosaku Aoyagi von der Boston University
auswertete, hatte vor der Implantation einer Knieendoprothese opioidhaltige Schmerzmittel erhalten, von denen bekannt ist, dass sie zur Abhängigkeit führen können.

Dies mag dazu beigetragen haben, dass 35,0 % dieser Patienten auch nach der Operation noch über mindestens 90 Tage Opioidrezepte erhielten, obwohl der Gelenkersatz ihre Schmerzen eigentlich beseitigt haben sollte. Unter den Patienten, die vor der Operation keine Opioide erhielten, wurden nur 2,4 % nach der Operation opioidabhängig.

Eine Physiotherapie könnte nach den Ergebnissen der Studie, die auf insgesamt 67.322 Patienten beruht, das Risiko einer Abhängigkeit vermutlich senken. Aoyagi fand heraus, dass Patienten, die vor der Opera­tion eine Physiotherapie erhalten hatten, zu 25 % seltener nach der Operation langfristig Opioide benötigten. Die adjustierten Odds Ratios (aOR) waren für Patienten ohne frühere Opioideinnahme (aOR 0,75; 95-%-Konfidenzintervall 0,60 bis 0,95) und bei früherer Opioideinnahme gleich (aOR 0,75; 0,70-0,80).

Den gleichen Effekt hatte eine Physiotherapie nach der Operation: (die in den USA keine Selbstverständ­lich­keit ist): Patienten, die an der Physiotherapie teilnahmen, wurden zu 25 % seltener opioidabhängig (aOR 0,75; 0,70-0,79). Die protektive Wirkung stieg mit der Zahl der Anwendungen: Verglichen mit 1 bis 5 Terminen wurden Patienten mit 6 bis 12 Sitzungen zu 18 % seltener abhängig (aOR 0,82; 0,75-0,90).

Bei 13 oder mehr Terminen nahm das Risiko zum 29 % ab (aOR 0,71; 0,65-0,77). Diese Zahlen beziehen sich auf Patienten, die bereits vor der Operation Opioide erhalten hatten. Auch der Zeitpunkt der Physio­therapie hatte einen Einfluss. Je früher nach der Operation damit begonnen wurde, desto seltener benö­tigten die Patienten langfristig Opioide.

Die Dosis-Wirkungsbeziehung, die sich aus den Analysen zur Zahl der Anwendungen und aus dem Zeitpunkt ergeben, sind in epidemiologischen Studien immer ein Hinweis auf eine Kausalität. Beweisen kann die Studie die protektive Wirkung nicht. Es ist möglich, dass Patienten, die eine gute Krankenver­sicherung hatten oder über die finanziellen Mittel verfügten, sie selbst zu bezahlen, einen günstigen sozioökonomischen Hintergrund oder auch die Bildung hatten, um eine Opioidabhängigkeit zu vermei­den.

Die Art der Physiotherapie hatte keinen Einfluss auf die spätere Abhängigkeit. Aoyagi unterscheidet zwischen einer aktiven Physiotherapie mit Bewegungsübungen und einer passiver Physiotherapie, die aus der Anwendung von Wärme oder Kälte besteht. © rme/aerzteblatt.de

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