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Ärzteschaft

Ärztliche Weiterbildung leidet unter Personal- und Zeitmangel

Donnerstag, 28. Oktober 2021

/thodonal, stock.adobe.com

Berlin – Junge Ärzte wünschen sich ausreichend Zeit für ihre Weiterbildung zum Facharzt, mehr Struktu­rierung und eine bessere Möglichkeit zur Rotation. Die Realität sieht häufig anders aus, zeigt nun eine Umfrage des Marburger Bundes (MB), an der im September und Oktober dieses Jahres 3.238 Ärztinnen und Ärzte teilgenommen haben, die sich in ihrer Weiterbildung zum Facharzt befinden.

Demnach werden durch den gravierenden Personalmangel in vielen Kliniken Pläne häufig nicht einge­hal­ten, die geforderten Weiterbildungsinhalte werden während der alltäglichen klinischen Arbeit nicht ausreichend vermittelt.

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Konkret nennen 84 Prozent der Befragten den Personalmangel an erster Stelle, der einer guten Weiter­bildung im Wege steht. An zweiter Stelle stehen starre Einsatz- und Rotationspläne (38 Prozent) und an dritter Stelle unzureichende Kinderbetreuung (19 Prozent).

Die Arbeitgeber sind nach Ansicht der jungen Ärzte zu wenig bemüht, den Wünschen nach familien­freundlichen Arbeitsbedingungen Rechnung zu tragen. Nur 20 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Arbeitgeber die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördere.

Knapp 21 Prozent erklären: „Wir haben einen Kompromiss für meine persönliche Situation gefunden.“ 39 Prozent wünschen sich mehr Flexibilität ihres Arbeitgebers und weitere 20 Prozent bekommen in dieser Hinsicht gar keine Unterstützung durch den Arbeitgeber.

Nur 15 Prozent der Ärzte teilten mit, dass ihnen ein strukturierter Weiterbildungsplan ausgehändigt wor­den ist. Ein regelmäßiges Feedback durch den Weiterbilder erhält nur jeder Zehnte, 45 Prozent wenigs­tens einmal im Jahr, weitere 45 Prozent aber gar nicht.

„Sehr zufrieden“ mit ihrer Weiterbildung sind fünf Prozent der Befragten, „zufrieden“ sind ein Drittel (33 Prozent. Die große Mehrheit ist „weniger zufrieden“ (43 Prozent) oder „nicht zufrieden“ (19 Prozent).

„Wenn nicht ausreichend Personal vorhanden ist, gerät die Weiterbildung ins Abseits. Das ist ein eklatan­ter Befund dieser Umfrage und muss endlich auch die Politik auf den Plan rufen“, betonte Susanne Johna, 1. Vorsitzende des MB. Es brauche verlässliche Rahmenbedingungen, die ausreichend Zeit für Anleitung, Supervision und Gespräche lassen.

Die Vorsitzende des Sprecherrates der sich weiterbildenden Ärztinnen und Ärzte im Marburger Bund, Annette Luther, bezeichnete es als schockierend, dass nahezu 60 Prozent der Befragten angeben, in ihrer Weiterbildung nicht ausreichend gefördert zu werden.

„Wir brauchen in Deutschland dringend eine gelebte Weiterbildungskultur. Die Facharztweiterbildung darf nicht nur als lästiges Pflichtprogramm gesehen werden, sondern es muss Raum und Zeit für Anlei­tung sowie Feedback geben“, sagte sie. Weiterbilder sollten durch Train-the-Trainer-Seminare geschult werden.

Die Befragung macht auch deutlich, dass der Trend zur Anstellung in ambulanten Einrichtungen kein vo­rübergehendes Phänomen ist: 41 Prozent der Ärzte wollen nach ihrer Facharztprüfung in den ambulan­ten Bereich wechseln. Gut die Hälfte (51 Prozent) will weiterhin im Krankenhaus bleiben. Nur vier Prozent denken darüber nach, im nicht kurativen Bereich tätig zu werden. © may/EB/aerzteblatt.de

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