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Ärzteschaft

Wege für interdisziplinäre und teamorientierte Patientenversorgung gesucht

Dienstag, 2. November 2021

Erik Bodendiek, Vorsitzender der LÄK Sachsen sowie der Arbeitsgruppe „Zukünftiges Rollenver­ständ­nis der Ärzteschaft in einer teamorientierten Patientenversorgung“ der BÄK. /Jürgen Gebhardt

Berlin – Einer interprofessionellen Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich stehe die deutsche Ärzte­schaft grundsätzlich positiv gegenüber. Tätigkeiten, für die spezifische ärztliche Fachkenntnisse und Er­fahrungen erforderlich sind, müssten im Interesse der Patientensicherheit jedoch weiterhin den Ärzt­innen und Ärzten vorbehalten bleiben.

Das hat gestern Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer und Vorsitzender der Bundesärztekammer-Arbeitsgruppe „Zukünftiges Rollenver­ständ­nis der Ärzteschaft in einer teamorien­tierten Patientenversorgung“, betont.

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Er stellte auf dem 125. Deutschen Ärztetag die Ergebnisse der Arbeitsgruppe vor. Diese konnten jedoch aus Zeitgründen nicht mehr mit allen Delegierten diskutiert und abgestimmt werden. Dies soll nun im Nachgang im Umlage­verfahren geschehen.

Viele Ärztinnen und Ärzte erwarten, dass die Patientenversorgung in den kommenden Jahren verstärkt durch das interdisziplinäre und teamorientierte Zusammenwirken der an der medizinischen Versorgung beteiligten Berufsgruppen geprägt sein wird. Die zunehmende Digitalisierung im Gesundheitswesen unterstützt und befördert dabei die interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit.

„Im Fokus aller an der Patientenversorgung beteiligten Berufsgruppen müssen evidenzbasiertes und qualitätsgesichertes Handeln zur Gewährleistung einer hohen Patientensicherheit stehen“, erläuterte Bodendieck gestern bei seiner Präsentation zum Thema.

Bei der Weiterentwicklung der Arbeitsteilung und Kooperation im Gesundheitswesen sei zu berücksich­tigen, dass die Angehörigen der Gesundheitsfachberufe zunehmend eine eigene Berufsidentifikation auf hohem Qualifikationsniveau entwickelten, sagte er und nannte als Beispiele für die Entstehung neuer Berufs­bilder im Gesundheitswesen den Operationstechnischen Assistenten (OTA), den Chirurgisch-Tech­nischen Assistenten (CTA) und den Phy­si­ci­an As­sis­tant (PA).

Durch Aktualisierungen der Berufsgesetze sowie der Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen (Pflege, Medizinische Technologinnen und Technologen) käme es derzeit zu Veränderungen und Erweiterungen der Kompetenzen bestehender Beruf.

Beispielsweise sei mit Beginn des Jahres 2020 die Hebammenaus­bil­dung vollständig akademisiert wor­den. Besonders im Fokus stünde auch die Pflege. So würden zuneh­mend Forderungen nach erweiterten Kompetenzen für Pflegende laut (Community Health Nurses, School Nurses und Advanced Practise Nurses, Wundmanagement).

„Es ist viel in der Welt und wir als Ärzte müssen die Frage klären, wie wir uns auf diese Entwicklungen einstellen“, sagte Bodendieck. Bereits im August 2020 habe die Bundesärztekammer deshalb Thesen zur Kooperation zwischen Ärzteschaft und Gesundheitsfachberufen aufgestellt und im November 2020 die Arbeitsgruppe „Zukünftiges Rollenverständnis der Ärzteschaft in einer teamorientierten Patientenversor­gung“ eingerichtet.

Die Arbeitsgruppe habe dann im März dieses Jahres drei Werkstattgespräche durchgeführt, berichtete Bodendieck, der der Arbeitsgruppe vorsitzt. So habe es Gespräche mit wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften, mit Vertreterinnen und Vertretern von Gesundheitsfachberufen sowie mit der Politik und den gesetzlichen und privaten Krankenkassen gegeben. „Auf Basis der Werkstattgespräche haben wir dann im August die Positionen der Bundesärztekammer zu einer interdisziplinären und teamorientierten Patientenversorgung verfasst“, so Bodendieck.

Kern dieser Positionen sei die Feststellung, dass die besondere ärztliche Kompetenz in der Einordnung des Patientenanliegens unter Berücksichtigung alle patientenindividuellen somatischen, psychischen sowie sozialen Aspekte liegt und Ärztinnen und Ärzte auch komplexe und schwierige Sachverhalte beherrschen können.

„Grundlage dafür ist die langjährige wissenschaftlich fundierte Aus-, Weiter- und Fortbildung“, betonte der Präsident des Sächsischen Landesärztekammer. Gleichzeitig bedeute dies aber auch, dass Tätigkeiten mit geringem Gefährdungspotenzial und gleichzeitiger hoher Routineentwicklung auch von weiteren Gesundheitsfachberufen übernommen werden können.

„Eine ganzheitliche und qualitativ hochwertige Patientenversorgung erfordert ein differenziertes Zusam­menwirken aller Berufe im Gesundheitswesen“, sagte Bodendieck in diesem Zusammenhang. Messlatte für die Beurteilung neuer Berufe und Spezialisierungsmöglichkeiten bis hin zur Akademisierung müsse die Orientierung an Versorgungserfordernissen sein. Dabei dürfe die Akademisierung nicht ausschließlich weg von der unmittelbaren Patientenversorgung führen.

Einig sei man sich nach den Werkstattgesprächen gewesen: „Die Ärzteschaft erkennt die sich zunehmend entwickelnde Berufsidentifikation der anderen Gesundheitsfachberufe an sowie auch das hohe Qualifika­tionsniveau, auf dem diese Berufe tätig sind.“

Einer Übertragung von bisher von Ärzten wahrgenommenen Aufgaben auf andere Gesund­heitsfachberufe stehe die Ärzteschaft grundsätzlich offen gegenüber, verdeutlichte Bodendieck. Aller­dings dürfe dies nicht zu Qualitätsverlusten bei der Versorgung der Patienten führen.

„Die Übernahme weiterer Aufgaben setzt zudem voraus, dass ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stehen“, ergänzte der niedergelassene Arzt. Notwendig sei zudem ein Handlungsrahmen. Dann könne die Übernahme weiterer Aufgaben ohne negative Auswirkungen auf die Patientensicherheit gelingen. „Voraussetzung für eine Aufgabenübertragung ist, dass die weiteren Gesundheitsfachberufe über die erforderlichen Kompetenzen verfügen“, stellte Bodendieck klar.

Innerhalb eines vorgegebenen Handlungsrahmens sowie mit entsprechenden Kompetenzen sei dann auch ein Direktzugang möglich. „Erforderlich sind dafür die Übernahme des Haftungsrisikos, der Budget­verantwortung und die Weiterentwicklung von staatlichen, mindestens jedoch berufsrechtlichen Regulations- und Sanktionsmöglichkeiten“, erläuterte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe. © ER/aerzteblatt.de

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