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Medizin

Wie zwei Patienten das HI-Virus längere Zeit ohne Medikamente in Schach hielten

Freitag, 29. Oktober 2021

/Sebastian Kaulitzki, stockadobecom

Bethesda/Maryland – Zwei HIV-Infizierte, die für eine Impfstoffstudie ihre antiretroviralen Medikamente abgesetzt hatten, blieben über 3,5 und 4 Jahre ohne dauerhafte Virusreplikation, obwohl sie sich in der Placebogruppe befanden. US-Forscher stellen die beiden Langzeit-Controller in Nature Medicine (2021; DOI: 10.1038/s41591-021-01503-6) vor.

Eine HIV-Infektion ist derzeit nicht heilbar, auch spontane Remissionen wurden lange Zeit für unmöglich gehalten. Nach dem Absetzen der antiretroviralen Medikamente kommt es rasch zu einem „Rebound“ mit einem deutlichen Anstieg der Viruslast. Bei zwei Teilnehmern einer Impfstoffstudie war dies über­raschen­derweise nicht der Fall.

Beide waren auch nach dem Ende der 6-monatigen Studiendauer noch ohne nachweisbare Virusre­plikation, bei einem Patienten war es zwischenzeitig mehrmals kurzzeitig zu einem Anstieg der Viruslast gekommen.

Die beiden Patienten befanden sich in der Placebogruppe einer therapeutischen Impfstoffstudie. Dort wurde untersucht, ob ein Impfstoff das Immunsystem von HIV-Infizierten so weit aktivieren kann, dass die Virusreplikation auch ohne Medikamente supprimiert wird. Dass dies ausgerechnet bei zwei Teilneh­mern der Placebogruppe gelang, veranlasste ein Team um Tae-Wook Chun vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Bethesda/Maryland, die Patienten über das Ende der Studie hinaus regelmäßig zu untersuchen, um herauszufinden, wie es dem Immunsystem gelang, die Virusreplikation zu kontrollieren.

Bei dem „Teilnehmer 04“ wurde die Infektion laut Chun vermutlich durch CD8-T-Zellen kontrolliert. Diese Abwehrzellen vernichten Zellen, die mit Viren infiziert sind. Gelingt dies vor dem Abschluss der Produk­tion neuer Viren, kann die Infektionskette gestoppt werden. Dies war bei dem Patienten über maximal 1.250 Tage der Fall. Dann kam es zum Rebound. Bei den Labortests entdeckten die Ärzte, dass „Teilnehmer 04“ warum auch immer antiretrovirale Medikamente eingenommen hatte, allerdings in einer suboptimalen Dosis.

Eine genetische Analyse des Gens env, das das Hüllprotein gp160 kodiert, zeigte, dass sich das Virus in seinem Reservoir mit der Zeit verändert hatte. Es ist möglich, dass es irgendwann zu Mutationen kam, mit denen sich das Virus dem Zugriff der CD8-T-Zellen entziehen konnte.

Bei dem „Teilnehmer 30“ war laut Chun nur eine schwache Reaktion der CD8-T-Zellen nachweisbar. Dass das Immunsystem die Replikation über insgesamt 1.434 Tage unterdrücken konnte, führt der Immun­virologe Chun auf eine starke Antikörperreaktion zurück. Die neutralisierende Wirkung war auch zum Zeitpunkt des viralen „Rebound“ noch vorhanden. Der Rückfall war vermutlich auf die „Superinfektion“ mit einem 2. HIV-Virus zurückzuführen.

Wie häufig ein Langzeit-Controlling bei HIV-Infizierten ist, ist derzeit nicht bekannt. Experten raten dringend vor Selbstversuchen ab, da eine unkontrollierte Virusreplikation die Entwicklung von Virus­varianten begünstigt, die dann nach Wiederaufnahme der Behandlung resistent gegen die eingesetzten Medikamente sein können. © rme/aerzteblatt.de

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