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Klimaschutz macht sich schon kurzfristig bezahlt

Dienstag, 2. November 2021

/Fokussiert, stock.adobe.com

Durham – Klimaschutzmaßnahmen können schon in den kommenden Jahren einen Nutzen für die Volks­wirtschaft haben – durch eine Verringerung der Luftverschmutzung. Das zeigen Forschende am Beispiel der USA.

Durch Maßnahmen, die zur Einhaltung des 2-Grad-Ziels führen, könnten allein die USA 163 Billionen US-Dollar bis zum Jahr 2050 einsparen, unter anderem durch gesündere Menschen und höhere Ernteerträge, berichtet die Gruppe um Drew Shindell von der Duke University in Durham (North Carolina, USA) im Fach­journal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS, November 16, 2021 118 (46) e2104061118).

„Studien haben gezeigt, dass die langfristigen Schäden durch den ungebremsten Klimawandel die welt­weiten Klimaschutzkosten übersteigen, aber dass die Kosten den kurzfristigen Nutzen für das Klima bei Weitem übersteigen, was sofortige Maßnahmen untergräbt“, schreiben die Forscher.

Wenn für den Klimaschutz Verbrennungsmotoren durch Elektromotoren ersetzt und zur Energie­gewinn­ung zunehmend weniger fossile Brennstoffe verwendet würden, dann gebe es auch weniger Ab­gase und die Luft werde sauberer. Shindell und Kollegen plädieren dafür, diese Vorteile unbedingt in die Kosten-Nutzen-Bilanz einzukalkulieren.

Für ihre Berechnungen nutzten die Wissenschaftler die neuesten Szenarien aus dem 6. Sachstands­be­richt des IPCC (Weltklimarat), dessen erster Teil am 9. August 2021 veröffentlicht worden war: die gemein­sam genutzten sozioökonomischen Pfade (Shared Socioeconomic Pathways, SSP).

Sie zeigen verschie­dene soziale und wirtschaftliche Entwicklungswege bis zum Jahr 2100 auf und wer­den im Coupled Model Intercomparison Project Phase 6 (CMIP6) genutzt, für das die wichtigsten Klima­modelle weltweit ausgewertet wurden. Auf dieser Basis berechneten die Forscher die Veränderungen bis 2070 für die Nation und die einzelnen US-Bundesstaaten.

Auf nationaler Ebene vergleicht das Team um Shindell das Szenario mit dem zweitehrgeizigsten Ziel (die Erderwärmung auf 2 Grad Celsius zu begrenzen) mit dem zweiungünstigsten Szenario (Erwärmung um 3,6 Grad bis 2100).

Obwohl demnach nicht die Entwicklungswege, die am weitesten auseinanderliegen, miteinander in Be­ziehung gesetzt wurden, sind die Unterschiede enorm: Durch die Maßnahmen für das 2-Grad-Ziel wür­den in den USA 4,5 Millionen vorzeitige Todesfälle verhindert, außerdem 1,4 Millionen Kranken­haus­auf­enthalte, 300 Millionen Tage Arbeitsausfall, 1,7 Millionen Fälle von Demenz und der Verlust von 440 Millionen Tonnen Feldfrüchten.

„Der in Geld übersetzte Gesamtnutzen in diesem Jahrhundert wird von der Gesundheit dominiert und ist aufgrund des besseren Verständnisses der Auswirkungen von Hitze und Luftverschmutzung auf die menschliche Gesundheit viel größer als in früheren Analysen“, betonen die Forscher. Bereits bis 2030 könnte der volkswirtschaftliche Gewinn der sauberen Luft das 5- bis 25-Fache der Klimaschutzkosten betragen.

Die vermiedenen Schäden durch Hitze übersteigen den Berechnungen zufolge zwischen 2040 und 2055 die Kosten für den Klimaschutz. Schäden durch einen höheren Meeresspiegel, durch Starkwet­ter­ereig­nisse, Dürren und Waldbrände sind da noch gar nicht eingerechnet.

Für Sebastian Helgenberger vom Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam ist es sehr wichtig, dass solche wirtschaftlichen Berechnungen durchgeführt werden: „Sie machen deutlich, dass sich Klimaschutzmaßnahmen auch kurzfristig lohnen“. Indem die Dringlichkeit zu handeln durch Chancen untermauert würden, könnten mehr Menschen zum aktiven Klimaschutz motiviert werden.

Helgenberger verweist auf ähnliche Studien des Umweltbundesamtes (UBA). Schon 2014 ermittelte eine UBA-Studie, dass allein durch einen ambitionierten Klimaschutz das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands im Jahr 2030 um rund 30 Milliarden Euro höher liegen könnte.

Auch Karsten Haustein vom Helmholtz-Zentrum Hereon in Geesthacht findet die Studie sehr gut und sehr bedeutsam. Er sieht als ihren Hauptaspekt an, dass die hohen Anfangskosten der Klimaschutzmaß­nahmen mehr als kompensiert werden, wenn die vermiedenen Gesundheitskosten infolge der verrin­gerten Luftverschmutzung eingerechnet werden.

„Dadurch fällt das immer wieder vorgebrachte Argument einer unzumutbaren Kostenbelastung in sich zusammen“, erklärt Haustein. Nach seinen Kenntnissen dürfte dies für Europa und Deutschland nicht anders aussehen als für die USA in der Studie aufgezeigt. © dpa/aerzteblatt.de

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