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Medizin

Hirnvenenthrombosen auch nach Impfung mit Janssen-Vakzine möglich

Dienstag, 2. November 2021

/peterschreiber.media, stock.adobe.com

Rochester/Minnesota – Die wenigen Fälle einer zerebralen Sinusvenenthrombose, die den US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) seit dem Beginn der Impfungen mit dem Janssen-Impfstoff gemeldet werden, stellen einen Anstieg gegenüber der langjährigen Hintergrundinzidenz dar. Dies geht aus einer Analyse des Rochester Epidemiology Project in JAMA Internal Medicine (2021; DOI: 10.1001/jamainternmed.2021.6352) hervor.

Die zerebralen Venen- und Sinusthrombosen, die im Frühjahr zunächst nach Impfungen mit der Vakzine von Astrazeneca beobachtet wurden, sind später auch im Zusammenhang mit der COVID-19 Vaccine Janssen aufgetreten, die ebenfalls zu den vektorbasierten Impfstoffen gehört.

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Die Komplikationen sind auch nach der Gabe des Einmalimpfstoffs von Janssen sehr selten. Dem Register VAERS („Vaccine Adverse Event Reporting System“) der CDC sind bis zum 7. Mai nur 46 Fälle einer zerebralen Venen- und Sinusthrombose gemeldet worden, von denen 38 bestätigt wurden. Von diesen sind 31 in den ersten 15 Tagen nach der Impfung aufgetreten, was am ehesten auf einen kausalen Zusammenhang hindeutet.

Ob diese wenigen Fälle einen Anstieg bedeuten gegenüber den zerebralen Venen- und Sinusthrombo­sen, die aus anderen Gründen auch vor der beobachtet wurden, lässt sich nur schwer nachweisen.

Zu den verlässlichen Quellen zur Abschätzung der Häufigkeit seltener Erkrankungen gehört das „Rochester Epidemiology Project“, das seit Jahrzehnten alle Erkrankungen in Stadt Rochester, dem Sitz der Mayo Clinic, und dem umgebenden Olmsted County erfasst (inzwischen sind weitere Countys hinzugekommen).

In den Jahren 2001 bis 2015 sind 39 Einwohner des Olmsted County an einer zerebralen Venen- und Sinusthrombose erkrankt. Bei den meisten konnten Infektionen, Krebserkrankungen oder die Einnahme von oralen Kontrazeptiva als Risikofaktoren ermittelt werden. Aneel Ashrani von der Mayo Clinic in Rochester/Minnesota ermittelt eine altersadjustierte Inzidenz von 2,46 pro 100.000 Personenjahre für Frauen und von 2,34 pro 100.000 Personenjahre bei Männern.

Diese Zahlen bilden die Vergleichsbasis für die 31 in den ersten Wochen der Impfkampagne im Anschluss an die Impfung mit der COVID-19 Vaccine Janssen aufgetretenen Fälle. Ashrani ermittelt eine Inzidenz von 13,01 pro 100.000 Personenjahre für Frauen und von 4,41 pro 100.000 Personenjahre für Männer. Beides stellt einen Anstieg gegenüber der Hintergrundhäufigkeit dar. Ashrani errechnet eine Inzidenzrate (IRR) von 5,41 für Frauen und 1,98 für Männer (bei den Männern wurde das Signifikanz­niveau verpasst).

Bei den Frauen waren vor allem die Altersgruppe von 30 bis 39 Jahren und von 40 bis 49 Jahren betroffen. Die IRR betragen hier 10,38 und 23,21 (wegen der wenigen Fälle allerdings mit weiten 95-%-Konfidenzintervallen). Bei Männern war eine solche Altersabhängigkeit nicht sicher erkennbar.

Die Studie bestätigt damit, dass auch nach der Gabe der COVID-19 Vaccine Janssen mit einem allerdings minimalen Anstieg der Impfkomplikationen gerechnet werden muss. Warum Frauen anfälliger sind als Männer, ist unklar. Die höhere Neigung für Autoimmunerkrankungen beim weiblichen Geschlecht könnte eine Rolle spielen. © rme/aerzteblatt.de

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