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Ausland

Klimakonferenz: Allianzen zu weniger Methanausstoß

Mittwoch, 3. November 2021

Ursula von der Leyen (CDU,l-r), Präsidentin der Europäischen Kommission, Joe Biden, Präsident der USA, und Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, sprechen bei einer Veranstaltung während der UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow. /picture alliance, Pool Daily Express, AP, Steve Reigate

Berlin – Im Kampf gegen die Erderhitzung haben Dutzende Staaten auf der UN-Klimakonferenz in Glas­gow neue Allianzen zum Schutz von Wäldern und zur Drosselung des klimaschädlichen Methanausstoßes geschmiedet. Gestern verpflichteten sich mehr als 100 Staaten, spätestens bis 2030 die Zerstörung von Wäldern und anderen wertvollen Ökosystemen zu stoppen.

Die beteiligten Länder verfügen über 85 Prozent der weltweiten Waldfläche, also etwa 34 Millionen Quadratkilometer, wie die britische COP26-Präsidentschaft bekanntgab. Ebenfalls mehr als 100 Staaten kündigten an, ihre Methanemissionen deutlich zurückzufahren.

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Bei der COP26, die am 12. November enden soll, ringen rund 200 Staaten darum, wie das in Paris be­schlossene Ziel, die Erderhitzung auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen, noch erreicht werden kann. Die bisher vorgelegten Pläne der Staaten reichen dazu noch bei weitem nicht aus.

Nach den ersten drei Tagen des Klimagipfels lobte der britische Premierminister Boris Johnson erste Erfolge, warnte aber vor voreiligem Optimismus. „Es liegt noch ein sehr langer Weg vor uns“, sagte er. Angesichts der schon getroffenen Vereinbarungen sei er jedoch „vorsichtig optimistisch“.

Johnson bemühte einen Fußballvergleich: Auf dem Weg zum G20-Gipfel in Rom – unmittelbar vor der Klimakonferenz – habe er noch gesagt, wäre dies ein Fußballspiel mit dem Klimawandel, läge die Mensch­heit 1:5 hinten. Nach den ersten Verhandlungstagen könne man sagen, dass die Menschheit ein oder vielleicht sogar zwei Tore aufgeholt habe. Und es gebe Chancen, „diese Sache in die Verlängerung zu bringen“.

Pakt zum Schutz der Wälder

An den Pakt zum Schutz der Wälder angeschlossen haben sich Deutschland und die gesamte EU, aber vor allem auch die Staaten mit den größten Wäldern überhaupt – also Kanada, Russland, Brasilien, Kolum­bien, Indonesien sowie China, Norwegen und die Demokratische Republik Kongo.

Für das Vorhaben sollen bis 2025 etwa 12 Milliarden US-Dollar (rund 10,3 Milliarden Euro) an öffentli­chen Geldern mobili­siert werden. Hinzu kommen 7,2 Milliarden US-Dollar an privaten Investitionen. Der britische Premierminister Boris Johnson nannte Wälder „Kathedralen der Natur“, die unverzichtbar für das Überleben der Menschheit seien.

Wälder gelten als die Lunge der Erde, sie nehmen etwa ein Drittel der jährlich vom Menschen ausge­stoßenen CO2-Emissionen auf. Doch sie schrumpfen bedenklich, wie es in einer Mitteilung hieß: Jede Minute gehe eine Fläche von etwa 27 Fußballfeldern verloren.

Experten kommentierten die Pläne teilweise mit Skepsis. Eine ähnliche Erklärung aus dem Jahr 2014 habe sich als vollkommen wirkungslos erwiesen, sagte etwa der Klima- und Waldexperte Simon Lewis vom University College London der BBC. Silvia Holten von World Vision sprach von einer „halb garen Mogelpackung“.

Die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer nannte die Erklärung zum Schutz der Wälder „absurd“ und völlig unzureichend. „Wir haben nicht weitere neun Jahre Zeit, um zu entwalden als gäbe es kein Morgen“, sagte sie bei „Welt Fernsehen“.

Ausstoß von Methan

Die schon im September von den USA und der EU ins Leben gerufene Initiative hat zum Ziel, Methan­emissionen bis 2030 um mindestens 30 Prozent im Vergleich zu 2020 zu senken. Wenn sie erfolgreich umgesetzt wird, könnte die Klimaerwärmung bis 2050 der EU-Kommission zufolge um rund 0,2 Grad reduziert werden.

„Den Ausstoß von Methan zu reduzieren, ist eines der effizientesten Dinge, die wir tun können“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die den Pakt gemeinsam mit US-Präsident Joe Biden vor­stellte.

Methan ist das zweitschädlichste Treibhausgas und verantwortlich für Klimaerwärmung und Luftver­schmutzung. Biden sprach von einem „wegweisenden Engagement“. Er sagte, das 30-Prozent-Ziel könne wahrscheinlich sogar übertroffen werden. Das Problem bei dem neuen Pakt: Große Klimasünder wie Indien, China und Russland sind nicht dabei.

Ökostrom über Grenzen hinweg verteilen

Mehr als 80 Staaten wollen zudem weltweit ihre Stromnetze besser miteinander verknüpfen, um klima- und umweltfreundliche Energie zum Nutzen aller besser zu verteilen. Die sogenannte „Green Grids“-Initiative wurde von den Regierungen Indiens und Großbritanniens in Glasgow vorgestellt.

Die Idee: Ökostrom aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft soll über Grenzen und Zeitzonen hinweg weiter­geleitet werden. Der Initiative angeschlossen haben sich auch Deutschland, die USA, Frankreich und Australien.

Deutschland will 700 Millionen Euro investieren, um den Ausstieg aus der Kohleverstromung in Südafri­ka zu unterstützen. Das teilten Bundesumwelt- und Bundesentwicklungsministerium in Glasgow mit.

Die Mittel sind Teil einer neuen Energiepartnerschaft mit Südafrika, der sich auch Großbritannien, die USA, Frankreich und die EU angeschlossen haben. Insgesamt sind in den kommenden fünf Jahren 8,5 Milliarden US-Dollar an Unterstützung vorgesehen, zumeist Kredite.

Die britische Regierung als Ausrichter des Weltklimagipfels ist von den Umweltschützern des Climate Action Networks (CAN) zum „Fossil des Tages“ gekürt worden – unter anderem wegen Organisations­mängeln bei dem Mammuttreffen mit 28.000 Teilnehmern.

CAN rügte zudem, dass Vertretern der Zivilgesellschaft, die weit angereist seien, gesagt werde, es gebe keinen Platz in den Veranstaltungen und sie sollten online zuschauen. „Da hätten wir gleich zu Hause bleiben können – obwohl: Dann hätten wir das Wetter verpasst“, bilanzierten sie mit Blick auf den trüben schottischen Herbst. © dpa/aerzteblatt.de

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