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Medizin

Essen für ein gesundes Herz: 10 Ernährungstipps von US-Kardiologen

Montag, 3. Januar 2022

/Chinnapong, stock.adobe.com

Boston – Die American Heart Association hat neue Empfehlungen zur Ernährung veröffentlicht. Die in Circulation (2021; DOI: 10.1161/CIR.0000000000001031) aufgeführten 10 Ernährungstipps sollen nicht nur kardiometabolische Risikofaktoren wie Übergewicht und Diabetes vermeiden. Die US-Kardiologen legen erstmals Wert auf Nachhaltigkeit, und sie kritisieren die gesellschaftlichen Faktoren, die bei vielen Menschen eine gesunde Ernährung verhindern.

Frühere Ernährungsempfehlungen hatten sich auf einzelne Nahrungsbestandteile konzentriert, die als günstig (Omega-3-Fettsäuren, fettarme Produkte) oder ungünstig (Cholesterin, raffinierter Zucker) eingestuft wurden. Gesundheitsbewusste Verbraucher griffen dann nach Fertigprodukten mit „low fat“ oder „low cholesterol“, die gleichzeitig hochverarbeitete Nahrungsmittel waren.

Die jetzt von einem Team um Alice Lichtenstein vom Jean Mayer USDA Human Nutrition Research Center on Aging in Boston für die American Heart Association herausgegebenen Ernährungsregeln machen keine konkreten Vorgaben für bestimmte Inhaltsprodukte. Vielmehr werden 10 Merkmale („Features“) definiert, die eine gesunde Ernährung kennzeichnen, mit der sich Menschen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen können.

Feature 1 fordert zu einer Anpassung der Nahrungs- und Kalorienaufnahme an die körperliche Aktivität, sprich den Energieverbrauch, auf. Hier geht es darum, Übergewicht und Fettleibigkeit zu vermeiden, die zu den wichtigen kardiovaskulären Risikofaktoren zählen.

Im Prinzip läuft es darauf hinaus, das Körpergewicht zu kontrollieren, was nicht allein durch körperliche Aktivität erreicht wird. Die Kardiologen weisen darauf hin, dass der Tagesbedarf im Alter pro Dekade um 70 bis 100 kcal sinkt und ältere Menschen weniger Nahrung benötigen.

Feature 2 empfiehlt einen hohen Verzehr von Obst und Gemüsen (außer Kartoffeln), der vor Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen schützt. Eine Regel lautet dabei, Obst und Gemüse mit einer dunklen Farbe vorzu­ziehen, da diese nährstoffreicher sind als helleres oder weißes Gemüse und auch mehr Ballaststof­fe enthalten. Obst und Gemüse sollten als ganzes verzehrt werden anstatt in Säften. Tiefgefrorene Produkte hätten den Vorteil einer längeren Haltbarkeit.

Feature 3 rät zu Vollkornprodukten anstelle von Brot und anderen Speisen aus raffinierten Mehlen, denen Ballaststoffe und andere Inhaltsstoffe des Keimlings und der Schale fehlen. Die Vorteile einer ballaststoffreichen Ernährung sind laut der American Heart Association auch durch randomisierte Studien belegt.

Feature 4 fordert Proteine aus gesunden Quellen zu sich zu nehmen. Gemeint sind hier pflanzliche Eiweiße aus Leguminosen und Nüssen, der regelmäßige Verzehr von Fisch und Seefrüchten sowie fettarme oder fettfreie Milchprodukte. Das Milchfett sollte durch pflanzliche Fette ersetzt werden, wobei sich die Autoren hier nicht ganz sicher sind.

Es gebe Hinweise, dass fermentierte Milchprodukte wie Jogurt einen günstigen Einfluss auf Herz- und Kreislauf haben. Von dem Verzehr von rotem Fleisch wird abgeraten. Wer nicht auf Fleisch verzichten will, sollte Geflügel vorziehen oder zumindest mageres Fleisch verzehren. Auf verarbeitete Fleischwaren sollte nach Möglichkeit verzichtet werden.

Feature 5 betrifft die Wahl der Fettsäuren. Die American Heart Association rät zu Pflanzenölen wie Oliven- oder Sonnenblumenöl. Tropische Öle (Kokos- und Palmöl), tierische Fette (Butter und Schmalz) und gehärtete Fette (Margarine) sollten vermieden werden wie auch die Trans-Fette, denen ungünstige Auswirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben werden.

Im Feature 6 wird zum Meiden hochverarbeiteter Lebensmitteln geraten. Dabei handelt es sich zumeist um Fertigprodukte, die zu einem raschen Verzehr größerer Mengen verleiten, was zuletzt in Studien mit Übergewicht und Fettleibigkeit, kardiometabolischen Erkrankungen (Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen) und einem Anstieg der Gesamtmortalität verbunden war.

Auch der im Feature 7 thematisierte Verzehr von Getränken und Lebensmitteln mit Zuckerzusatz erschwert es vielen Menschen, eine ausgeglichene Energiebilanz einzuhalten. Die Folge sind Fettleibig­keit und kardiometabolische Erkrankungen. Ob Süßstoffe eine Alternative sind, erscheint dem Experten­team fraglich, da sie als Teil von hochverarbeiteten Lebensmitteln den Appetit und die Aufnahme zu großer Mahlzeiten fördern.

Im Feature 8 wird vor der Einnahme von zu viel Salz gewarnt. Salzarme Diäten, die den Blutdruck sen­ken und so vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, sind indes im Alltag nur schwer einzuhalten, da das meiste Salz versteckt in hochverarbeiteten und außer Haus zubereiteten Lebensmitteln enthalten ist. Auch Lebensmittel, die als „100 % Vollkorn“ oder „Bio“ gekennzeichnet sind, hätten häufig einen hohen Natriumgehalt, warnen die Experten.

Das Feature 9 betrifft den Alkoholkonsum. Ein geringer Alkoholkonsum war in Studien immer wieder mit einem niedrigen Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert. Dies sollte allerdings kein Grund sein, mit dem Konsum von Alkohol zu beginnen. Wer bereits regelmäßig Alkohol trinkt, sollte gewisse Grenzen einhalten. Diese liegen bei Frauen bei 1 Getränk pro Tag und bei Männern bei 2 Getränken pro Tag.

Im Feature 10 wird darauf hingewiesen, dass die Empfehlungen nicht nur für das Kochen am eigenen Herd gelten, sondern unabhängig davon, wo das Essen hergestellt und verzehrt wird. Da immer mehr Menschen außer Haus essen, wird es für viele schwer, sich bewusst gesund zu ernähren.

Die Empfehlungen der American Heart Association heben erstmals hervor, dass eine gesunde Ernährung etwa durch den Verzicht auf rotes Fleisch und hochverarbeitete Lebensmittel die Umwelt schont. Die günstigen Auswirkungen auf die Gesundheit könnten jedoch rasch verloren gehen, wenn eine pflanz­liche Ernährung beispielsweise viele raffinierte Kohlenhydrate und zugesetzten Zucker enthalten, was das Risiko auf einen Typ-2-Diabetes oder Herzerkrankungen wieder erhöht.

Die neuen Ernährungsleitlinien beschäftigen sich erstmals auch mit den Hindernissen, die die Annahme und Beibehaltung einer herzgesunden Ernährung erschweren können. Dazu gehören weit verbreitete Fehlinformationen über die Ernährung aus dem Internet, die fehlende Vermittlung von Kenntnissen im Erziehungswesen (von Grundschulen bis zur Ärzteausbildung) und die zunehmende Nahrungsmittelun­sicherheit.

In den USA gibt es mittlerweile 37 Millionen Amerikaner, die sich täglich Sorgen darüber machen, ob sie überhaupt genügend zu essen bekommen. Gedanken über eine gesunde Ernährung könnten sich diese Menschen in der Regel nicht machen.

Ein weiteres Problem in den USA ist der strukturelle Rassismus. Vor allem Minderheiten leben in Stadtteilen, in denen es kaum noch Lebensmittelgeschäfte, dafür aber viele Fastfood-Restaurants gibt. Diese Menschen sind zudem anfällig für die gezielte Vermarktung ungesunder Lebensmittel und Getränke. Die American Heart Association sieht hier die Politik gefordert, um für die notwendigen Rahmenbedingungen für eine gesunde Ernährung zu sorgen. © rme/aerzteblatt.de

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