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Medizin

Neue Klassifikation von Meningeomen verbessert Diagnostik und Therapie

Montag, 22. November 2021

/SOPONE, stock.adobe.com

Heidelberg – Meningeome sind die häufigsten Hirntumore bei Erwachsenen. Sie variieren im Krankheits­verlauf von gutartig bis hochaggressiv. Eine internationale prospektive Studie mit rund 3.000 Patienten bestätigt jetzt die Aussagekraft eines neuen Klassifizierungssystems für Meningeome.

Ein Wissenschaftlerteam des Universitätsklinikums Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungs­zentrums (DKFZ) hat sie zusammen mit internationalen Kollegen im Journal of Clinical Oncology publiziert (JCO 2021; DOI: 10.1200/JCO.21.00784).

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Meningeome werden derzeit histologisch in Grad 1 (gutartig) bis Grad 3 (bösartig) eingestuft. 90 Prozent der Fälle gelten als gutartig und können in der Regel vollständig operativ entfernt werden. Ob der Patient damit geheilt ist oder ob der Tumor schnell nachwächst, ist mit der klassischen histologischen Untersuchung von Gewebeproben aber oft nur schwer zu entscheiden.

„Eine präzise Risikoeinschätzung ist für die Therapie und deren Anpassung im Krankheitsverlauf äußerst wichtig. Mit der bisherigen Einteilung rein nach histologischen Kriterien können aggressiv wachsende Meningeome aber nicht zuverlässig von gutartigen Fällen unterschieden werden“, erläutert Felix Sahm, geschäftsführender Oberarzt der Neuropathologie des Universitätsklinikums Heidelberg und Wissen­schaftler am DKFZ.

Die Wissenschaftler haben daher ein neues Klassifizierungssystem auf Basis von histologischen und molekularen Charakteristika entwickelt, mit dem sich Meningeome wesentlich genauer klassifizieren lassen.

Das neue Klassifizierungssystem basiert auf 3 Säulen: dem bisherigen Einteilungsgrad der Weltgesund­heitsorganisation (WHO) anhand von Gewebemerkmalen, dem Methylierungsstatus des Erbguts und der sogenannten Kopienzahl-Variationen. Der Methylierungsstatus beschreibt, an welchen Abschnitten der DNA kleine biochemische Gruppen angeheftet sind, und die Kopienzahl-Variationen (CNV, Copy Number Variations) zeigen das unterschiedlich häufige Auftreten verschiedener DNA-Abschnitte im Genom.

Die Zusammenschau von klassischen Gewebecharakteristika und dem molekularen Fingerabdruck des Tumors wird algorithmusunterstützt in eine Bewertung verrechnet und gibt Hinweise darauf, wie sich das einzelne Meningeom im Verlauf weiter entwickeln wird.

In ihrer aktuellen Studie verbindet die Arbeitsgruppe die Vorteile der molekularen Analyse mit den mikroskopischen Befunden. „Sowohl die CNV- als auch die Methylierungsfamilien-basierte Subgruppen­bildung führte unabhängig voneinander zu einer höheren Vorhersagegenauigkeit des Rezidivrisikos im Vergleich zur WHO-Klassifikation (c-Index WHO 2016, CNV und Methylierungsfamilien 0,699, 0,706 beziehungsweise 0,721). Die Zusammenführung aller Risikostratifizierungsansätze zu einem integrierten molekular-morphologischen Score führte zu einer weiteren erheblichen Verbesserung der Genauigkeit (c-Index 0,744). Dieser integrierte Score lieferte in allen 3 Kohorten durchweg eine höhere Genauigkeit als die WHO-Einstufung“, berichtet die Arbeitsgruppe. © hil/aerzteblatt.de

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