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Medizin

Alkoholische Händedesinfektion: FDA warnt vor schweren Augenschäden

Donnerstag, 4. November 2021

/marinatynik, stock.adobe.com

Silver Spring/Maryland – Die Spender zur Händedesinfektion, die derzeit vielerorts auch für Kinder zugänglich angebracht sind, können schwere Hornhautschäden verursachen, wenn die alkoholischen Händedesinfektionsmittel in die Augen gelangen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA nimmt Berichte aus Indien und Frankreich sowie eine eigene Analyse von Meldungen an Giftnotrufzentren zum Anlass, um vor den Gefahren zu warnen.

Augenärzte am „Hôpital Fondation Adolphe de Rothschild“ in Paris mussten in diesem Jahr innerhalb weniger Monate 16 Kinder im mittleren Alter von 3,5 Jahren behandeln, die die alkoholischen Hände­desi­­­n­fektionsmittel ins Auge bekommen hatten.

Wie Gilles Martin und Mitarbeiter in JAMA Ophthalmology (2021; DOI: 10.1001/jamaophthalmol.2020.6346) berichteten, erlitten 8 Kinder ein Hornhaut- und/oder Bindehaut­ulkus, das bei 6 von ihnen mehr als 50 % der Hornhautober­fläche betraf.

2 Kinder (12 %) wurden wegen einer verzögerten Re-Epithelialisierung mit einer Amnionmembrantrans­plan­tation behandelt. Das Transplantat, das aus der innersten Schicht der Plazenta besteht, wird auf dem verletzten Auge befestigt. Es bleibt dort etwa 1 bis 2 Wochen, bis es von selbst abfällt. In dieser Zeit soll es die Hornhaut schützen und die spontane Erneuerung des Hornhautepithels fördern. Bei einem Kind musste die Behandlung nach 10 Tagen ein 2. Mal durchgeführt werden. In der gesamten Gruppe ver­gingen median 13 Tage bis zur vollständigen Abheilung der Ulzera.

Eine Recherche bei den französischen Giftnotrufzentralen ergab, dass die Anfragen wegen einer Augenschädigung durch alkoholische Desinfektionsmittel gegenüber dem Vorjahr um das 7-fache gestiegen waren.

In einem Leserbrief berichteten Augenärzte aus Indien über 2 ähnliche Fälle (JAMA Ophthalmology, 2021; DOI: 10.1001/jamaophthalmol.2020.6351). Die beiden Kinder im Alter von 4 und 5 Jahren hatten selbständig versucht, die Spender zu bedienen, die sich bei ihrer Körpergröße in Kopfhöhe befanden. Beide Kinder erlitten Hornhautläsionen, die unter einer konservativen Behandlung nach wenigen Tagen abheilten.

Die Recherchen der FDA bei der „American Association of Poison Control Centers“ ergaben, dass in den USA zuletzt 58 Fälle im Zusammenhang mit alkoholischen Händedesinfektionsmitteln gemeldet wurden, die Hälfte davon bei Kindern. Die Unfälle waren zuhause oder in der Schule aufgetreten.

Die FDA rät den Eltern, junge Kinder bei der Händedesinfektion nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Wenn die alkoholischen Desinfektionsmittel ins Auge gelangt sind, sollten diese sofort und gründlich unter leicht fließendem Wasser, etwa aus einem Wasserhahn, einer Wasserflasche oder einer Notdusche, über min­des­tens 15 bis 20 Minuten gespült werden.

Wenn die Augen danach gerötet sind oder die Kinder über Schmerzen, Reizungen, Sehbehinderung, ver­schwommenes Sehen oder Lichtempfindlichkeit klagen, sollten die Eltern sofort einen Augenarzt auf­suchen. © rme/aerzteblatt.de

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