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Modell soll Risiko für Herz-Kreislauf-­Erkrankungen vorhersagen

Montag, 8. November 2021

/Dragana Gordic, stock.adobe.com

Potsdam – Ein neues Vorhersagemodell soll auch ohne Arztbesuch einfach und präzise ermitteln, wie hoch das Risiko eines Menschen ist, innerhalb der nächsten zehn Jahre einen Herzinfarkt oder Schlag­anfall zu erleiden.

Entwickelt hat es eine Arbeitsgruppe des Deutschen Instituts für Ernährungsfor­schung Potsdam-Reh­brü­cke (DIfE) zusammen mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Das Wissen­schaftlerteam berichtet im Fachmagazin Scientific Reports (2021; DOI: 10.1038/s41598-021-99103-4).

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„Die wenigen Vorhersagemodelle, die sich unabhängig von einer medizinischen Untersuchung nutzen lassen, haben methodische Einschränkungen und ihre Anwendung erfordert beispielsweise Informa­tionen zur Aufnahme einzelner Nährstoffe wie Ballaststoffe. Dadurch sind sie ohne eine umfassende Datenerhebung zur Ernährung kaum anwendbar“, erklärte Catarina Schiborn, wissenschaftliche Mitar­beiterin der Abteilung Molekulare Epidemiologie am DIfE.

Für die Entwicklung des Vorhersagemodells hat das Forscherteam auf die Gesundheits- und Lebensstil-Daten von rund 27.500 Teilnehmenden der EPIC-Potsdam-Studie zurückgegriffen. In die statistischen Mo­dellierungen flossen Parameter ein, die für die Vorhersage von Herz-Kreislauf-Erkrankungen relevant sind. Dazu zählen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Hüftumfang, Rauchverhalten, Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes sowie Erkrankungsfälle in der Familie.

Außerdem erfasst das Modell Ernährungsge­wohnheiten, wie beispielsweise den Verzehr von Vollkorn­produkten, rotem Fleisch und Pflanzenölen. Um zu bewerten, wie gut das Modell das Eintreten von Herz-Kreislauf-Ereignissen Endpunkte vorhersagt, nutzten die Forscher Daten der vom DKFZ koordi­nierten Heidelberger EPIC-Studie.

Zudem verglichen sie ihre Berechnungen mit etablierten Vorhersagemodellen, die klinische Parameter einschließen. Das Ergebnis: Das entwickelte nicht-klinische Vorhersagemodell sagt die Wahrscheinlich­keit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung für die nächsten zehn Jahre ebenso präzise voraus wie klinische Modelle, die eine medizinische Untersuchung erfordern. Eine ebenfalls entwickelte Erweiterung, die klinische Parameter berücksichtigt, verbesserte die Vorhersagegüte nur wenig.

„Dass unser Vorhersagemodell sich im Vergleich zu klinischen Tests stärker auf Verhaltensparameter stützt, ist ein großer Vorteil. So tritt die Bedeutung eines präventiven Lebensstils für die Herz- und Ge­fäßgesundheit in den Vordergrund, statt den Fokus auf die medikamentöse Behandlung als Konsequenz eines unvorteilhaften Lebensstils zu richten“, sagte Matthias Schulze, Leiter der Abteilung Molekulare Epidemiologie am DIfE.

Die European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC)-Studie ist ein europäisches Verbundprojekt von prospektiven Kohortenstudien in zehn europäischen Ländern mit insgesamt rund 521.000 Studienteilnehmenden. In Deutschland gibt es zwei Studienzentren: Das DKFZ betreut die EPIC-Heidelberg-Kohorte und das DIfE die EPIC-Potsdam-Kohorte. © hil/aerzteblatt.de

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