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Politik

Coronalage in Krankenhäusern spitzt sich zu, eingeschränkter Betrieb erwartet

Montag, 8. November 2021

/dpa, Danny Gohlke

Berlin – Angesichts der rasant steigenden Coronainfektionszahlen bereiten sich die Krankenhäuser er­neut darauf vor, ihren Betrieb deutlich einzuschränken. Wenn es nicht gelinge, die neuerliche Welle zu brechen, gebe es „sehr bald“ wieder mehr als 4.000 inten­sivpflichtige COVID-19-Patienten, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Dies führt Gaß zufolge zwangsläufig dazu, dass nach regionaler Betroffenheit aufschiebbare Leistungen später erbracht werden müssten. Es würden also wieder Patienten auf ihre geplanten Operationen war­ten müssen. Das betreffe, vor allem diejenigen, bei denen nach der Operation eine Überwachung auf der Intensivsta­tion erforderlich ist, führte Gaß aus. „Wir müssen dringend die vierte Welle brechen“, mahnt er.

Der Leiter des von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) geführten Registers der Intensivkapazitäten, Christian Karagiannidis, sagte im WDR-Fernsehen, die Inten­sivstationen seien bundesweit zu knapp 90 Prozent ausgelastet. In Bayern, Sachsen und Thüringen sei die Situation besonders angespannt.

Deutschland sei bei der Zahl der Intensivbetten „relativ gut“ aufgestellt. Karagiannidis sagte, man müsse diesmal „viel mehr regional gucken“. Es könne sein, dass man deutschlandweit 5.000 Patienten schaffe. Trotzdem könnte es dazu kommen, dass das Gesundheitssystem bei 3.000 Patienten in Bayern „absolut größte Schwierigkeiten“ habe werde, einen COVID-19-Patienten unterzubekommen.

Karagiannidis hatte bereits am Wochenende auf die Lage hingewiesen. „Trauriger Tagesrekord der COVID-19-Herbstwelle: Erstmals mehr als 100 gemeldete Todesfälle auf Intensivstationen bei 179 Erstaufnah­men. Macht nachdenklich“, schrieb er vorgestern auf Twitter.

Ampel in Bayern springt auf Rot

Die Krankenhausampel des bayerischen Gesundheitsministeriums ist heute wegen der hohen Zahl von mehr als 600 Coronapatienten auf den Intensivstationen auf Rot gesprungen. Damit gelten ab morgen Verschärfungen der Zutritts- und Testregeln. Unter anderem ist dann laut Gesund­heits­ministerium an vielen Arbeitsplätzen die 3G-Regel verpflichtend: Zutritt haben nur noch Mitarbeiter, die geimpft, gene­sen oder getestet sind.

Wie heute aus dem DIVI-Intensivregister hervorging, lagen aktuell am Mittag 609 Menschen mit COVID-19 auf den Intensivstationen im Freistaat, mehr als die Hälfte davon müssen beatmet werden. Landes­weit sind demnach nur noch 446 Intensivbetten frei, davon 155 COVID-spezifische Betten mit Beat­mungs­möglichkeit.

Um einen Kollaps des Gesundheitssystems zu vermeiden, treten bei Belegung von mehr als 450 bezie­hungsweise 600 COVID-Betten mit jeweils einem Tag Verzögerung schärfere Regeln in Kraft. Bei 450 belegten COVID-Betten sprang die Krankenhaus-Ampel auf Gelb.

Auch die Lage in sächsischen Krankenhäusern spitzt sich immer mehr zu. Am Wochenende verhängte das Klinikum Chemnitz ein Besuchsverbot wie schon zuvor das Uniklinikum Dresden und andere Kranken­häu­ser im Freistaat. In der derzeitigen Lage gelte es, Patienten und Mitarbeiter so gut wie möglich zu schützen, um die medizi­nische Versorgung für die Region aufrechterhalten zu können, erklärte der Ärztliche Direktor Ralf Steinmeier.

Die größte Herausforderung liege aktuell beim Pflegepersonal, hieß es. Da die Versorgung von COVID-19-Patienten einen höheren Personaleinsatz erfordere, müssten mehr Mitarbeiter für diesen Bereich zur Verfügung gestellt werden. „Dies ist nur mit Einschränkungen bei einem Teil der elektiven, also plan­ba­ren, Patientenbehandlungen verbunden. Erste Stationen wurden auf die Versorgung von COVID-19-Patienten umgestellt. Das OP-Programm wurde auf 80 Prozent reduziert.“

Sachsen hatte in der dritten Coronawelle ein Frühwarnsystem eingeführt, das sich an der Zahl der be­leg­ten Betten orientiert. Es soll helfen, bei steigenden Infektionszahlen rechtzeitig mit strengeren Schutz­maßnahmen zu reagieren. Wenn 650 Betten auf Normalstationen und 180 Betten auf Intensiv­stationen mit Coronapatienten belegt sind, gilt die Vorwarnstufe. Sie ist bereits erreicht.

Am Wochenende waren 973 Normalbetten und 256 Intensivbetten belegt. Sachsens Gesundheitsministe­rin Petra Köpping (SPD) rechnet nach eigenen Angaben damit, dass schon in dieser Woche die Überlas­tungsstufe erreicht wird. Sie ist fällig bei 1.300 beziehungsweise 420 Betten mit COVID-Fällen.

Um auf die Situation zu reagieren, gilt seite heute in Sachsen für Teile des öffentlichen Lebens die 2G-Regel. Demnach haben nur noch Geimpfte und Genesene Zugang etwas zu Gaststätten, Bars, Disko­theken und Kultureinrichtungen. Köpping hatte eingeräumt, dass es nicht gelungen sei, einen Schutz­wall an Geimpften aufzubauen. Sachsen hat bundesweit die schlechteste Impfquote. Im Freistaat sind nur 59,1 Prozent der Menschen einmal und 57,1 Prozent doppelt geimpft. © dpa/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #830245
Hortensie
am Dienstag, 9. November 2021, 17:12

Das war absehbar und daher wohl gewollt ....

Wenn man die kostenlosen Tests abschafft, wenn man die Geimpften nicht mehr testet, noch nicht einmal werden geimpfte Pfleger in Krankenhäusern getestet, wie sollen dann die Inzidenzen bzw. Infekitonen sinken können?
2G u. 3G waren "nette" Wahlgeschenke. Die Wahlen sind um und 2G(/3G führte nur dazu, dass sich die Geimpften gegenseitig anstecken.
Will man das nicht endlich ändern?
1G (= getestet) ist derzeit das einzig Sinnvolle. Und zwar sollten Testungen von ALLEN ca. 2 bis 3 Mal pro Woche erfolgen.
Wie im Frühjahr könnten dann die Inzidenzen sinken, wenn man damit nicht noch zu lange wartet.
LNS
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