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Medizin

SARS-CoV-2: Mu-Variante aus Südamerika hat Potenzial für Impfdurchbrüche

Montag, 8. November 2021

/peterschreiber.media, stock.adobe.com

Tokio – Die Mu-Variante, die in den meisten Ländern bisher nur selten aufgetreten ist, hat in Kolumbien in diesem Sommer in einer Erkrankungswelle andere Varianten verdrängt. Japanische Forscher führen dies im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMc2114706) auf eine hohe Resistenz gegen die Antikörper von Geimpften und Genesenen zurück.

Mu oder B.1.621 ist die jüngste Variante von SARS-CoV-2, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im September auf die Liste der unter Beobachtung stehenden Varianten (VOI) gesetzt wurde. Als VOI werden Viren bezeichnet, die aus verschiedenen Gründen das Potenzial zu einer globalen Vermeh­rung haben, aber bisher nur regional begrenzt aufgetreten sind.

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Die Mu-Variante wurde in 39 Ländern nachgewiesen, so vereinzelt auch in Deutschland. Stark ausgebrei­tet hat sie sich jedoch bisher nur in Kolumbien. Dort war sie weltweit zuerst am 11. Januar diesen Jahres aufgetreten.

Zwischen März und August hat sie das Infektionsgeschehen in dem lateinamerikanischen Staat mit einem Anteil von bis zu 100 % (bei einer allerdings geringen Zahl von Genomsequenzierungen) beherrscht. Inzwischen ist die Epidemie weitgehend abgeflaut.

Die Gründe für die starke Ausbreitung sieht ein Team um Kei Sato vom „Genotype to Phenotype Japan“-Konsortium (G2P-Japan) in einer Reihe von Mutationen in der N-terminalen Domäne (T95I und YY144-145TSN) und der Rezeptorbindungsdomäne (R346K, E484K und N501Y). Hinzu kommen noch einige Mutationen in anderen Regionen des Spikeproteins (D614G, P681H und D950N).

Warum sich die Mu-Variante bisher nur in Kolumbien ausbreiten konnte, ist nicht bekannt. Die von Sato vorgestellten Daten lassen jedoch erahnen, warum die Mu-Variante die sonst in Südamerika dominie­rende Gamma-Variante (P.1.) und die in Peru verbreitete Lambda-Variante (C.37) in Kolumbien verdrän­gen konnte.

In einem Neutralisationstest war die Mu-Variante 10,6-fach resistenter gegen die Antikörper von Genese­nen als der Wildstamm (mit der D614G-Mutation). Die Gamma- und die Lambda-Variante waren nur 2,9 und 3,4 Mal resistenter.

Auch das Serum von Personen, die mit dem mRNA-Impfstoff BNT162b2 geimpft waren, konnte die Mu-Variante nur schwach neutralisieren. Die Mu-Variante war 9,1-fach resistenter als als der Wildstamm.

Gegen Gamma und Lambda war die neutralisierende Wirkung 2,9- und 1,9-fach schwächer. Sato sieht ein hohes Risiko von Durchbruchinfektionen, die eine weitere Charakterisierung und Überwachung der Mu-Variante gerechtfertigt erscheinen lassen.

© rme/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #826530
v.raskatov
am Dienstag, 9. November 2021, 12:39

Sollte es nicht My heißen?

Griechische "µ" ist im Englischen "Mu", im Deutschen "My".
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