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Medizin

Welche Fehler in der Urologie am häufigsten gemeldet werden

Montag, 15. November 2021

/picture alliance, dpa Themendienst, Inga Kjer

Bad Breisig – In der Urologie scheint die Diagnose einer Hodentorsion oder des Prostata- und des Harnblasenkarzinoms besonders fehleranfällig zu sein. In der Therapie passierten Fehler vor allem bei der Zirkumzision. Das zeigt eine systematische Analyse von fast 360 Begutachtungsfällen zwischen 1999 und 2019, die im Urologen publiziert wurde (2021; DOI: 10.1007/s00120-021-01516-6).

Der Urologe Volkmar Lent hatte 359 konsekutive Begutachtungsfälle der Gutachterkommission Nord­rhein mit insgesamt 236 Fehlervorwürfe und Fehlerfeststellungen im Fachgebiet der Urologie ausge­wertet. Etwa jeder 5. Fehler (n = 51) erreignete sich demnach bei der Diagnose und Therapie des Prostatakarzinoms – wobei 34 der gemeldeten Fehler bei der Diagnose in der Praxis und 10 Fehler bei der Therapie in der Klinik stattfanden.

Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte hatten bei ihren Patienten trotz erhöhter oder ansteigender PSA-Werte keine oder nur verzögert eine Prostatabiopsie durchgeführt. In vielen Fällen wurden bei erhöhten PSA-Werten Antibiotika verordnet, obwohl der Nachweis einer Entzündung oder Prostatitis nicht vorlag.

Ähnliche Fehler traten beim Harnblasenkarzinom auf – langfristige Antibiotikaverordnung ohne Indi­kation und eine unterlassene oder unzulänglich durchgeführte Urethrozystoskopie trotz verdächtiger Befunde. Fast 10 % (n = 23) der Fehler in den Begutachtungsfällen traten bei diesem Karzinom auf und hier vermehrt bei der Diagnose in der Praxis (n = 12).

Ebenfalls 10 % der Fehler ereigneten sich bei der Prostatahyperplasie mit einem deutlichen Schwer­punkt auf Therapiefehlern in der Klinik (n = 19). Die Hodentorsion war mit gut 8 % Fehlern vertreten.

Unzureichende Befunderhebung verursachte fast jeden 2. Fehler

Bei der Art der Fehler stellte der ehemalige Chefarzt der Abteilung für Urologie im St. Nikolaus- Stiftshospital Andernach fest, dass eine unterlassene oder unzureichende Befunderhebung mit Abstand am Häufigsten vorkam.

Fast 50 % der Fehler standen damit in Zusammenhang. Eine unterlassene oder unzureichende Bewer­tung des Befunds kam bei gut 36 % (n = 86) der Begutachtungsfälle vor. Bei jedem 4. Fall kam es zu einer fehlerhaften oder unzureichenden Eingriffstechnik oder -sicherung.

Die Schäden, die dadurch entstanden, waren in erster Linie eine erlängerte Leidensdauer beziehungs­weise eine reduzierte Lebensqualität (73,3 %) sowie ein verlängerter Behandlungsbedarf (70,8 %). Fehlerbedingte Komplikationen traten bei 54,7% auf, Clavien vom Grad 3 und 4 bei 50,8%, eine unnötige Operation oder Medikation beklagten 16,5 % beziehungsweise 16,9 %, operative Revisionen mussten bei 35,2% durchgeführt werden. In fast 7 % der Begutachtungsfälle starb der Patient. © gie/aerzteblatt.de

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