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Medizin

Studie: Sport lindert Ängste und Depressionen

Dienstag, 28. Dezember 2021

Brian Jackson - stock.adobe.com

Göteborg – Ein 12-wöchiges Sportprogramm hat in einer randomisierten Studie Ängste und Depres­sionen bei Patienten mit einer generalisierten Angststörung oder Panikstörung vermindert. Ergebnisse wurden im Journal of Affective Disorders (2021; DOI: 10.1016/j.jad.2021.10.006) veröffentlicht.

Angststörungen werden heute mit einer kognitiven Verhaltenstherapie oder medikamentös mit Anti­depressiva oder Anxiolytika behandelt. Die Behandlungsplätze für eine Psychotherapie sind jedoch vie­ler­orts begrenzt und „Psychopharmaka“ werden von vielen Patienten abgelehnt. Hausärzte benötigen deshalb eine Behandlung, die nicht als stigmatisierend empfunden wird, nebenwirkungsarm und einfach durchführbar ist.

Eine solche Behandlung könnte eine Sporttherapie sein, deren Wirksamkeit ein Team um Maria Åberg von der Sahlgrenska Académie in Göteborg jetzt in einer randomisierten Studie untersucht hat.

An der Studie beteiligten sich 223 Patienten, von denen die Hälfte seit mindestens 10 Jahren unter Angst­zuständen litt. Das Durchschnittsalter betrug 39 Jahre, 70 % waren Frauen, und die meisten waren unsportlich und übergewichtig.

Die Teilnehmer wurden per Los auf 3 Gruppen verteilt. Die ersten beiden Gruppen nahmen an einem 12-wöchigen Sportprogramm teil. 3 Mal in der Woche trainierten sie unter Anleitung für 1 Stunde in einem Fitnesscenter. Das Übungsprogramm umfasste ein Ausdauer- und Krafttraining,

In einer Gruppe wurde eine Steigerung des Energieverbrauchs auf 1,5 bis 2,9 metabolische Äquivalente (MET), eine subjektive Belastung von 10 bis 14 Punkten auf der Borg-Skala und ein Anstieg des Pulses auf 40 % bis 59 % der maximalen Herzfrequenz angestrebt. In der 2. Gruppe wurde die Intensität auf 3,0 bis 8,9 MET, 12 bis 17 Punkte auf der Borg-Skala und 60 % bis 94 % der maximalen Herzfrequenz gesteigert.

Die Auswirkungen auf die Psyche wurden mit dem Beck-Angst-Inventar (BAI) und der Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale (MADRS) gemessen. Das Ziel war eine Verbesserung der BAI um 5 Punkte und der MADRS um 3 Punkte. Dies gelang den Teilnehmern in beiden Sportgruppen besser als in der Kontrollgruppe, die nur allgemeine Tipps zur gesunden Lebensführung erhalten hatten.

Åberg ermittelt eine Odds Ratio für eine Verbesserung im BAI von 3,62 (95-%-Konfidenzintervall 1,34 bis 9,76) für das Training mit niedriger Intensität und von 4,88 (1,66 bis 14,39) für das Training mit mitt­lerer/hoher Intensität. Die Odds Ratios für die Verbesserung im MADRS waren 4,96 (1,81 bis 13,6) und 4,36 (1,57 bis 12,08).

Obwohl die meisten Teilnehmer unsportlich waren, nahmen sie im Durchschnitt an 25 der 36 Übungs­stunden teil. Ein günstiger Nebeneffekt war, dass das Training die kardiovaskuläre Fitness und die Mus­kel­­kraft verbesserte. Beide Parameter korrelierten jedoch nicht mit der Linderung von Angst und Depres­sionen.

Es ist deshalb offen, wie der Effekt zustande kam. Åberg vermutet, dass neben neurobiologischen Phäno­me­nen auch die sozialen Qualitäten durch das Training und die Unterstützung durch den Physiothera­peuten eine Rolle gespielt haben könnten. © rme/aerzteblatt.de

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