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Politik

Krankenhäuser blicken positiv auf Reformabsichten der Ampel-Koalition

Dienstag, 16. November 2021

/spotmatikphoto, stock.adobe.com

Düsseldorf – Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, zeigte sich zuversichtlich, dass die kommende Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP Reformen in drei Bereichen der stationären Versorgung auf den Weg bringen wird.

Zum einen gehe es dabei um eine Reform der Krankenhausfinanzierung, bei der ein Teil der Erlöse nicht mehr leistungsbezogen an die Krankenhäuser geht, sondern im Rahmen einer Grundfinanzierung, sagte Gaß gestern anlässlich der Eröffnung des Deutschen Krankenhaustages in Düsseldorf.

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Zudem gebe es Signale der Ampel-Koalitionäre, dass die Bundesregierung die Krankenhäuser stärker in die Lage versetzen will, Patienten im Krankenhaus ambulant zu versorgen. „Drittens nehmen wir wahr, dass möglicherweise die Initiative von Verdi, dem Deutschen Pflegerat und der DKG aufgegriffen wird, mit der ein Instrument zur Bemessung des Personalbedarfs in der Pflege im Krankenhaus eingeführt werden soll“, sagte Gaß.

Darüber hinaus formulierten Vertreter von Krankenhäusern, Ärzteschaft und Pflege weitere Forderungen an die kommende Bundesregierung.

Der Präsident des Verbandes der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK), Michael A. Weber, kritisierte die Ausgestaltung die Pflegebudgets, in dem die Pflegepersonalkosten seit dem Jahr 2020 zusammengeführt sind und das Krankenhäuser und Krankenkassen jedes Jahr auf Basis der Ist-Kosten verhandeln.

Das Pflegebudget erweise sich als enorm problematisch, sagte Weber, denn vielen Krankenhäusern seien die entsprechenden Kosten von den Krankenkassen noch nicht erstattet worden. „Es ist gut, dass das Pflegebudget die Pflegenden begünstigt“, so Weber weiter. Die Ausgliederung der Pflegepersonalkosten aus den DRGs führe aber dazu, dass nun bei anderem Personal gespart werde, zum Beispiel bei den Ärzten.

Bund und Länder sollen Finanzierung der Investitionskosten reformieren

Der Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), Josef Düllings, meinte, dass mehr als 60 Prozent der Krankenhäuser noch kein Pflegebudget für das Jahr 2020 abgeschlossen hätten.„Die Krankenhäuser sind in Vorleistung gegangen und haben Pflegekräfte eingestellt“, sagte Düllings.

Dass bei vielen Krankenhäusern noch kein Budget feststehe, bringe diese Häuser in die Nähe einer Insol­venzgefährdung. „Der Gesetzgeber sollte prüfen, ob er die Krankenkassen nicht zur Finanzierung des nach­gewiesenen Bedarfs an Pflegekräften verpflichtet“, sagte der VKD-Präsident.

Zudem forderte Düllings Bund und Länder dazu auf, sich bei der Frage der Investitionskostenfinanzie­rung zu einigen. Derzeit erhielten die Krankenhäuser insgesamt drei Milliarden Euro weniger Investiti­ons­mittel von den Ländern, als sie benötigten. In den vergangenen zehn Jahre sei so eine Investitions­lücke von 30 bis 40 Milliarden Euro entstanden.

Pflege fordert mehr Kompetenzen

Die Vorsitzende des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) Südost, Sabine Berninger, forderte, dass die Aufgabenverteilung zwischen den Gesundheitsfachberufen überdacht werden müsse. „Wir benötigen eine Gestaltung der Versorgung, die sich an den Kompetenzen der handelnden Personen orientiert“, sagte sie. „Pflegefachpersonen haben mehr Kompetenzen, als sie heute einsetzen dürfen. Sie sind bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen.“

Zudem bräuchten die Pflegefachpersonen einen Schutz vor körperlicher und seelischer Überlastung. Da­für bedürfe es der Einhaltung von Pausen, verlässlicher Dienstpläne und auch einer Beteiligung in den Entscheidungsgremien. Darüber hinaus müsse in die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Pflegenden inves­tiert werden, unter anderem auch in die hochschulische Ausbildung.

Derzeit gebe es in den Krankenhäusern zu wenige Personen in der Pflege. „Und die, die da sind, können nicht mehr“, sagte Berninger. „Sie müssen zu viele Patienten versorgen. Und sie haben keine Zeit mehr für eine fachlich gute Anleitung.“ Die bisher von der scheidenden Bundesregierung getroffenen Maßnahmen seien für die Pflegefachpersonen in den Krankenhäusern bislang nicht spürbar. © fos/aerzteblatt.de

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