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Medizin

Salzverzehr: Studie bestätigt kardiovaskuläre Risiken mit mehrfachen Messungen des 24-Stunden-Urins

Dienstag, 4. Januar 2022

/Daniel Vincek, stock.adobe.com

Boston – Eine vermehrte Ausscheidung von Natrium über die Nieren, die ein Marker für einen über den Bedarf hinausgehenden Salzkonsum ist, war in einer Metaanalyse erneut mit einem Anstieg von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Folgejahren verbunden. Eine vermehrte Kaliumausscheidung war dage­gen mit einem niedrigeren Erkrankungsrisiko assoziiert. Die auf der Jahrestagung der American Heart Association vorgestellte und im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2109794) publizierte Studie berücksichtigt mehrere Messungen des 24-Stunden-Urins.

Kardiologen beklagen seit längerem den hohen Salzverzehr in der Bevölkerung. Das im Kochsalz enthal­tene Natrium entfaltet im Blut eine osmotische Wirkung. Es entzieht laut der American Heart Association dem Gewebe Wasser und erhöht dadurch das Blutvolumen und den Blutdruck.

Zu den Folgen gehört ein erhöhtes Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlag­anfall. Diese vereinfachte Darstellung wird bisweilen in Frage gestellt, da ja gesunde Nieren in der Lage sind, überschüssiges Salz auszuscheiden.

Die schädlichen Auswirkungen eines hohen Salzkonsums konnten jedoch in der Vergangenheit in meh­reren epidemiologischen Studien dokumentiert werden. In den letzten Jahren konnte zudem in rando­misierten Interventionsstudien gezeigt werden, dass eine salzreduzierte Ernährung, etwa im Rahmen der DASH-Diät, den Blutdruck senkt und damit einen wichtigen Risikofaktor für atherosklerotische Erkrankungen mildert.

Unklar war bisher, ob der Anstieg des Risikos linear erfolgt oder ob es eine J-Kurve gibt, nach der das Risiko in einem unteren Bereich wieder ansteigt. Eine J-Kurve war beispielsweise in der PURE-Studie beobachtet worden, die 100.000 Menschen aus 17 Ländern begleitet. Dort war eine Aufnahme von 3 bis 6 Gramm Natrium (entspricht 7,5 bis 15 Gramm Kochsalz) mit dem niedrigsten Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Tod assoziiert. Weniger oder mehr Salz am Tag erhöhten das Risiko.

Der Salzkonsum in der Bevölkerung ist zwar in der Regel zu hoch. In Deutschland nehmen derzeit Frauen im Durchschnitt 8,4 Gramm Salz und Männer 10 Gramm Salz pro Tag mit der Nahrung auf. Es besteht jedoch die berechtigte Frage, ob eine salzarme Kost auch schaden kann. Immerhin ist Salz ein lebenswichtiges Spurenelement.

In der PURE-Studie und vielen anderen epidemiologischen Studien wurde die Salzzufuhr über die täg­liche Ausscheidung von Natrium über die Nieren im 24-Stunden-Urin ermittelt. Dies ist möglich, da der Verlust über den Schweiß oder andere Körperausscheidungen relativ gering ist.

Da die Sammlung des 24-Stunden-Urins aber aufwendig ist, erfolgt sie in der Regel nur einmal, so auch in der PURE-Studie. Dies kann leicht zu Fehleinschätzungen führen, da sich die Ernährungsgewohn­heiten und damit die Salzzufuhr der Menschen mit der Zeit verändern.

Ein Team um Frank Hu von der T.H. Chan School of Public Health der Harvard Universität in Boston hat seine aktuelle Analyse deshalb auf 10.709 Personen beschränkt, deren 24-Stunden-Urin im Verlauf der Zeit mehrfach untersucht wurde. Die Teilnehmer stammten aus sechs verschiedenen Studien, die in den USA und in Europa durchgeführt wurden. Den Forschern standen jedoch die Daten der individuellen Teilnehmer zur Verfügung, was eine einheitliche Auswertung ermöglichte. Die Berücksichtigung unterschiedlicher Bevölkerungen erhöht zudem die Allgemeingültigkeit der Ergebnisse.

Die Forscher fanden keinen Hinweis auf eine J-Kurve. Das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nahm über die gesamte Bandbreite der Messwerte annähernd linear zu: Gegenüber dem 1. Quartil mit einer medianen 24-Stunden Ausscheidung von 2.212 mg Natrium, stieg das Risiko im 2. Quartil (Ausscheidung median 2.942 mg) um 25 %, im 3. Quartil (Ausscheidung median 3.588 mg) um 44 % und im 4. Quartil (Ausscheidung median 4.692 mg) um 60 % an. Hu ermittelt für jeden Anstieg der Natriumausscheidung um 1 Gramm eine Zunahme um 18 %. Die Hazard Ratio von 1,18 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,08 bis 1,29 signifikant.

Mit zunehmender Natriumaussscheidung sinkt der Kaliumverlust über die Nieren. Auch hier bestand eine lineare Assoziation: Jedes Gramm mehr Kalium im 24-Stunden-Urin senkte das Risiko auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung um 18 %; Hazard Ratio 0,82 (0,72-0,94). Im Quartil mit der höchsten Kaliumaus­scheidung (median 3.501 mg im 24-Stunden-Urin) war das Risiko auf kardiovaskuläre Ereignisse um 31 % niedriger als bei im Quartil mit den niedrigsten Kaliumausscheidung (median 1.755 mg).

Dieser Zusammenhang hat zu der Überlegung geführt, das Natriumchlorid in der Nahrung durch Kalium­chlorid zu ersetzen. In einer kürzlich vorgestellten randomisierten Studie aus China konnte tatsächlich die Zahl der Schlaganfälle bei Risikopatienten gesenkt werden. © rme/aerzteblatt.de

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