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Tod nach Po-Vergrößerung: Arzt zu Haftstrafe verurteilt

Mittwoch, 17. November 2021

/picture alliance, ASSOCIATED PRESS, KIKE CALVO

Düsseldorf – Für den Tod zweier Frauen nach Po-Vergrößerungen hat das Düsseldorfer Landgericht drei Jahre und vier Monate Haft gegen den Operateur verhängt. Das Gericht verurteilte den Arzt gestern we­gen Körperverletzung mit Todesfolge in zwei Fällen sowie wegen Titelmissbrauchs.

Zusätzlich verhängte das Gericht vier Jahre Berufsverbot und ordnete die Einziehung der OP-Honorare in Höhe von 26.000 Euro an.

Die Patientinnen müssten über die Risiken solcher Operationen „schonungslos aufgeklärt“ werden, sagte Richter Rainer Drees. Eine solche Aufklärung habe aber nach Überzeugung des Gerichts nicht stattge­fun­den. „Wir schließen aus, dass die Patientinnen sich dem Risiko ausgesetzt hätten, wenn sie die Alternative von zwei Operationen gekannt hätten“, so der Richter.

Zwei von ihnen, 20 und 42 Jahre alt, starben 2018 und 2019 jeweils kurz nach dem Eingriff. Der Opera­teur habe den Frauen jeweils weit mehr als die empfohlene Menge Flüssigkeit und Körperfett ent­nom­men und das Fett wieder eingespritzt. Damit sei das Risiko von Komplikationen enorm erhöht gewesen, im Vergleich zur Alternative, die Po-Vergrößerung auf zwei schonendere Operationen zu verteilen.

Die Verteidiger des Arztes hatten einen Freispruch gefordert. Sie kündigten umgehend Revision an. Der Staatsanwalt hatte vier Jahre und neun Monate Haft beantragt. Der Mediziner hatte bis zum Schluss seine Unschuld beteuert: Er habe bei den beiden Patientinnen nur gemacht, was er bei vielen anderen auch gemacht habe.

Auch den Vorwurf des Titelmissbrauchs sah das Gericht als erwiesen an: Der Mediziner habe seinen Doktortitel ohne den notwendigen Landeszusatz „(ir)“ für Iran verwendet, obwohl er ihn dort erworben hatte.

Beim „Brazilian Butt Lift“ wird körpereigenes Fett etwa von Bauch oder Oberschenkeln abgesaugt und ins Gesäß gespritzt. Die Methode wird von vielen plastischen Chirurgen wegen ihres Risikos aber als kritisch gesehen. Die Sterberate wird auf 1:3.000 beziffert: Gelangen die winzigen Fettbrocken in die Blutbahn, droht eine tödliche Embolie.

Die Internationale Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) hatte Ende vergangenen Jahres berichtet, dass die Gesäßchirurgie bei allen chirurgischen Eingriffen weltweit das höchste Wachstum aufwies: Die Zahl der Gesäßvergrößerungen nahm 2019 um 38,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. © dpa/aerzteblatt.de

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