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Zahl der Opfer von Cybermobbing deutlich gestiegen

Donnerstag, 18. November 2021

Vor allem unter jungen Erwachsenen ist Mobbing und Cybermobbing ein zunehmendes Problem. / picture alliance, Christin Klose

Karlsruhe – Immer mehr Menschen im deutschsprachigen Raum werden im Internet bedroht, beleidigt oder drangsaliert. Das zeigt eine Umfrage des Bündnis gegen Cybermobbing, die heute in Karlsruhe vorgestellt wurde. Allein in Deutschland sei die Zahl der Opfer im Vergleich zu einer Vorgängerstudie 2018 um 25 Prozent gestiegen, so die Autoren der Untersuchung. Vor allem junge Erwachsene sind be­troffen.

Seit seiner Gründung im Jahr 2011 erhebt das Bündnis in regelmäßigen Abständen Betroffenenzahlen sowie Ursachen und Folgen. Für die aktuelle Umfrage konzentrierten sich die Autoren auf Erwachsene, die unter Mobbing und Cybermobbing leiden und befragten dafür 200 Menschen in Deutschland sowie je 1000 in der Schweiz und in Österreich.

„2011 waren Mobbing und Cybermobbing noch ein wenig untersuchtes Phänomen, mittlerweile sind es ernst zu nehmende Probleme“, sagte Autor Uwe Leest. So wurden den Angaben zufolge auch abseits des Internets mehr Erwachsene Opfer von Mobbing. In Deutschland waren es knapp 33 Prozent. „Das ent­spricht in absoluten Zahlen 17 Millionen Menschen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren“, betonte Leest.

Auch die Zahl der Täterinnen und Täter habe entsprechend zugenommen. Interessant sei dabei die Er­kenntnis, dass offenbar ein Großteil der Gewaltausübenden zuvor selbst schon Opfer von Mobbing oder Cybermobbing gewesen war, so Leest. Bei Cybermobbing traf dies der Erhebung zufolge auf 68 Prozent der Befragten zu, bei Mobbing abseits des Internets sogar auf 77 Prozent.

Beide Mobbingformen seien zudem eng miteinander verbunden. So gaben 82 Prozent der Opfer von Cy­bermobbing an auch außerhalb des Internets gemobbt worden zu sein. Frauen sind der Umfrage zufolge häufiger von Mobbing betroffen, während bei den Opfern von Cybermobbing beide Geschlechter nahezu gleichstark vertreten sind.

Besonders häufig ist Mobbing offenbar in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen. Jeder zweite Befragte gab an, bereits von Mobbing betroffen gewesen zu sein, knapp jeder Fünfte litt unter Cybermobbing. Auch bei den 25- bis 34-Jährigen erklärten 46 Prozent der Befragten, schon gemobbt worden zu sein. In höheren Altersgruppen nimmt die Tendenz hingegen deutlich ab.

„Das ist auch gesellschaftlich ein Problem, denn diese Altersgruppen gehen jetzt ins Berufsleben oder haben bereits begonnen zu arbeiten und nehmen dieses Verhalten mit in die Unternehmen“, so Leest.

„Wenn wir es nicht schaffen, die Gesellschaft und auch Arbeitgeber stärker für dieses Thema zu sensibi­lisieren, wird sich der Balken immer weiter in höhere Altersgruppen verschieben“. So findet mehr als je­der zweite Mobbingfall im Arbeitsumfeld statt. Bei Cybermobbing sind es den Angaben zufolge 38 Pro­zent.

Mehr als jedes siebte Opfer suizidgefährdet

So gebe es zwar im Vergleich zu Vorgängeruntersuchungen mittlerweile in mehr Unternehmen Anlauf­stellen für Mobbingopfer, in der Gesamtschau sei das Angebot an Präventions- und Hilfsangeboten je­doch immer noch zu klein, so Leest.

So gab der Umfrage zufolge nur jeder fünfte Befragte an, dass es in seinem oder ihrem Betrieb Füh­rungs­kräfte geschult werden, um auf Mobbing oder Cybermobbing reagieren zu können. In der Hälfte der Fälle seien Vorgesetzte sogar selbst an den Mobbingattacken beteiligt. 32 Prozent der Befragten erklär­ten, dass es eine Anlaufstelle für Mobbingvorfälle gibt.

Untätigkeit könne den Unternehmen langfristig schaden, so Leest. So sei jedes fünfte Mobbingopfer in Deutschland bereit, zu kündigen, um sich der Belastung zu entziehen. Zudem hätten Mobbingopfer fast doppelt so viele Krankheitstage wie Mitarbeiter, die nicht unter Mobbing litten.

Aber auch gesellschaftlich verursachten Mobbing und Cybermobbing hohe Kosten. Der Umfrage zufolge ist mehr als jedes siebte Opfer suizidgefährdet. 45 Prozent der Befragten gaben an, nach Mobbingatta­cken unter Depressionen zu leiden. Bei Cybermobbing waren es 30 Prozent. Auch der Konsum von Alko­hol und Drogen sowie die allgemeine Suchtgefahr stieg bei Betroffenen von Mobbing an.

Dennoch nahmen nach eigenen Angaben nur 24 Prozent der Opfer von Mobbing und Cybermobbing ärztliche, psychologische oder therapeutische Hilfe in Anspruch. Weitere elf Prozent hatten dies den Angaben zufolge vor, erhielten jedoch keine Termin oder kein Hilfsangebot.

In diesem Punkt zeigten sich Unterschiede zwischen den beiden Mobbingformen. Demnach erhielten acht Prozent der reinen Mobbingopfer kein Hilfsangebot während es bei den Opfern von Cybermobbing mit 17 Prozent mehr als doppelt so viele waren.

Hier könne sich ein Problem der Anerkennung von Cybermobbing auf therapeutischer und medizinischer Seite verbergen, vermuten die Autoren der Studie. „Dem sollte durch gezielte Aufklärung begegnet werden“, so der Bericht weiter. Denn in einem Großteil der Fälle gaben die Betroffenen an, dass Arzt- und Therapiebesuche, ihre Situation verbessern konnten. Über 60 Prozent der Opfer beider Mobbingarten beschrieben eine Therapie als Erfolg. © alir/aerzteblatt.de

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