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Medizin

Antikörpercocktail schützt Risikopersonen und verhindert nach Infektionen eine Erkrankung

Freitag, 19. November 2021

/Matthieu, stock.adobe.com

Cambridge/England – Die einmalige intramuskuläre Injektion der beiden Antikörper Tixagevimab/Cilgavimab (AZD7442), deren Pharmakokinetik und Verträglichkeit durch chemische Modifikationen optimiert wurden, hat in 2 Phase-3-Studien zur Prävention und Therapie von COVID-19 eine gute Schutzwirkung erzielt. Der Hersteller Astrazeneca hat aufgrund der noch nicht publizierten Ergebnisse der beiden Studien bereits in Europa und den USA eine Zulassung beantragt.

Monoklonale Antikörper können bei einer Infektion die Zeit bis zur Aktivierung der körpereigenen Immunabwehr überbrücken oder ihre Funktion bei abwehrgeschwächten Personen übernehmen. Sie können Menschen durch eine passive Immunisierung auch vor einer Infektion schützen und damit eine ähnliche Wirkung erzielen wie ein Impfstoff.

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Die Besonderheit der beiden Antikörper Tixagevimab und Cilgavimab besteht darin, dass ihre Halbwert­zeit durch eine chemische Modifikation verdreifacht wurde. Nach Angaben des Herstellers könnte die Schutzwirkung bis zu 12 Monate anhalten. Eine 2. Modifikation soll verhindern, dass es bei einer Infektion zu einer antikörperabhängigen Verstärkung der Erkrankung kommt.

Die präventive Wirkung von AZD7442 wird derzeit in der PROVENT-Studie an 5.197 Personen überprüft, die noch keinen Kontakt zum Virus hatten aber aufgrund von Vorerkrankungen oder Abwehrschwächen ein erhöhtes Risiko auf einen schweren Verlauf von COVID-19 haben.

Die Teilnehmer erhielten im 2:1-Verhältnis eine einzelne intramuskuläre Injektion von AZD7442 (300 mg) oder Placebo. Erste Ergebnisse hatte der Hersteller im August mitgeteilt. Die Schutzwirkung wurde mit 77 % angegeben. Die Auswertung beruhte damals auf wenigen Erkrankungen, so dass das 95-%-Konfidenzintervall mit 46 % bis 90 % noch weit war.

Bei einer aktuellen Auswertung 6 Monate nach der Behandlung sind im Placeboarm 2 zusätzliche schwere COVID-19-Erkrankungen aufgetreten, so dass jetzt 5 Personen erkrankt sind, von denen 2 an COVID-19 gestorben sind. Die Schutzwirkung steigt damit auf 83 %. Der Hersteller macht in der Presse­mitteilung allerdings keine Angaben zum 95-%-Konfidenzintervall, so dass sich nicht abschätzen lässt, wie sicher die Angabe ist. Eine Publikation wurde angekündigt.

In der TACKLE-Studie erhielten 903 Patienten, die bereits mit COVID-19 infiziert waren, eine intramus­kuläre Injektion von 600mg AZD7442 oder Placebo. Die Behandlung erfolgte innerhalb von 7 Tagen nach Symptombeginn und von 3 Tagen nach einem Virusnachweis. Primärer Endpunkt war eine schwere COVID-19-Erkrankung oder ein Tod bis zum 29. Tag. Etwa 90 % der Teilnehmer hatten Begleiterkran­kungen oder andere Risikofaktoren für einen schweren Verlauf, 13 % waren 65 Jahre oder älter.

Erste Ergebnisse hatte der Hersteller Anfang Oktober mitgeteilt. Danach kam es in der Behandlungs­grup­pe zu 50 % weniger schweren Erkrankungen als in der Placebogruppe. Bei einer Behandlung innerhalb von 5 Tagen nach Symptombeginn stieg die Schutzwirkung auf 67 %. Laut der aktuellen Pressemitteilung können bei 88 % der Patienten schwere Erkrankungen vermieden werden, wenn die Behandlung innerhalb von 3 Tagen erfolgt.

Die Studie bestätigt demnach die Erfahrungen, die mit anderen Antikörperpräparaten gemacht wurden. Die Effektivität ist am höchsten, wenn sie frühzeitig verabreicht werden. Ähnliches gilt auch für die Serumtherapie, bei der die Patienten die Antikörper von Genesenen erhalten.

Der Hersteller hat bereits in den USA und in Europa eine Zulassung von AZD7442 (Evusheld) beantragt. Andere Hersteller haben ebenfalls Antikörpermedikamente entwickelt. In der letzten Woche hat Roche eine Zulassung für die Antikörperkombination Casirivimab/Imdevimab (Ronapreve) erhalten. © rme/aerzteblatt.de

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