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Medizin

mRNA-Impfstoff gegen Zecken soll vor Borreliose schützen

Freitag, 19. November 2021

/picture alliance, agrarmotive, Klaus-Dieter Esser

New Haven/Connecticut – Ein mRNA-Impfstoff, der Antikörper gegen 19 Proteine aus dem Speichel von Zecken erzeugt, hat in präklinischen Studien bei Meerschweinchen die Dauer der Zeckenbisse verkürzt und die Tiere vor einer Infektion mit Borrelien geschützt – wenn die Zecken nach dem Auftreten von Rötung und (vermutlich auch) Juckreiz entfernt wurden. Die Forscher stellen ihr Konzept einer „Zeckenimmunität“ in Science Translational Medicine (2021; DOI: 10.1126/scitranslmed.abj9827) vor.

Die Idee eines Impfstoffes geht auf die Beobachtung zurück, nach der einige Tierarten wie Meer­schwein­chen, Hasen und Kühe im Verlauf ihres Lebens eine Zeckenresistenz entwickeln: Jungtiere werden häufig von Zecken befallen, bei älteren Tieren verlieren die Zecken offenbar den Appetit. Bei anderen Tierarten wie Mäusen ist dies nicht der Fall.

Veterinärmediziner vermuten die Grundlagen der Zeckenresistenz in einer dermalen Hypersensitivität, die bei wiederholten Bissen zu einer lokalen Abwehrreaktion führt. Die entzündliche Schwellung der Haut könnte zum einen den Zecken die Blutmahlzeit erschweren, weil sie nicht mehr an die Blutgefäße gelangen. Zum anderen könnte ein Juckreiz die Tiere dazu bewegen, sich der Zecken durch Reiben an Gegenständen zu entledigen.

Forscher der Yale University School of Medicine in New Haven/Connecticut wollen auch Menschen, die durch ihre Tätigkeit in der Natur häufiger von Zecken gebissen werden, eine ähnliche Abwehrmöglich­keit verschaffen. Ihr Impfstoff gegen einen Zeckenbefall besteht aus der mRNA von 19 Proteinen, die die Hirschzecke Ixodes scapularis, die in den USA Überträger der Lyme-Borreliose ist, in die Haut injiziert, um an das Blut ihrer Opfer zu gelangen.

Die ersten Tests an Meerschweinchen zeigten, dass der Impfstoff eine Antikörperreaktion erzeugt. Wenn den geimpften Tieren erneut Zecken auf die Haut gesetzt wurden, kam es nach dem Biss innerhalb von 18 Stunden zu einer Rötung, die den Zecken offenbar die Blutmahlzeit so sehr erschwerte, dass sie sie früher beendeten: Nach 96 Stunden hatten 80 % der Zecken die Tiere verlassen gegenüber 20 % bei ungeimpften Tieren. Sie hatten durch die Blutmahlzeit nur 1,02 mg an Gewicht zugenommen statt 2,42 mg in der Kontrollgruppe.

Bei Mäusen funktionierte die Impfung dagegen nicht. Das Team um Erol Fikrig vermutet, dass sich die Zecken im Verlauf der Evolution so weit an ihren Hauptwirt angepasst haben, dass eine Immunität vermieden wird. Beim Meerschweinchen und vermutlich auch beim Menschen sei dies nicht der Fall, weil sie nicht zu bevorzugten Nahrungsquellen gehören.

In einem weiteren Experiment haben die Forscher untersucht, ob die kürzeren Mahlzeiten eine Über­tragung von Borrelia burgdorferi verhindern. Sie ließen die Meerschweinchen gleich von 3 infizierten Zecken beißen (was in der Natur und beim Menschen eher seltener der Fall sein dürfte). Die Zecken wurden entfernt, sobald es zu einer Rötung der Haut gekommen war. Die Rötung und der begleitende Juckreiz könnten später auch geimpfte Menschen auf den Zeckenbiss aufmerksam machen, die dann die Zecken rechtzeitig entfernen.

Bei den Meerschweinchen hat die Strategie funktioniert. Keines der 16 Tiere infizierte sich mit B. burgdorferi, was durch PCR-Test und kulturelles Anzüchten der Erreger aus Hautbiopsien überprüft wurde. Dagegen kam es in der Kontrollgruppe bei 6 von 13 Meerschweinchen zu einer Infektion.

Die Forscher rechnen sich gute Chancen für einen Impfstoff gegen Zeckenbisse aus. Zum einen ist die Zahl der Borreliosen in den letzten Jahren gestiegen. In den USA wurden zuletzt mehr als 40.000 Fälle gemeldet. Die Dunkelziffer ist hoch. Die Centers for Disease Control and Prevention schätzen, dass die Zahl der Erkrankungen in Wirklichkeit zehnmal höher ist. Zum anderen sind bisher alle Versuche, einen Impfstoff gegen Borrelia burgdorferi zu entwickeln, gescheitert. © rme/aerzteblatt.de

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