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Ärzteschaft

Bayerische Ärzte am Anschlag

Freitag, 19. November 2021

/ArtmannWitte, stock.adobe.com

München – Aufgrund der explodierenden Coronainfektionszahlen spitzt sich die Lage in den bayerischen Krankenhäusern weiter zu. Das hat eine Mitgliederbefragung des Marburger Bundes (MB) Bayern un­ter Krankenhausärzten im Freistaat ergeben.

Demnach befürchtet mehr als ein Drittel der befragten Mediziner, dass in vier Wochen die Kapazitäts­grenzen erreicht sind, viele sehen schon jetzt die Patientenversorgung akut in Gefahr. Viele bayerische Klinikärzte sind zudem am Rand ihrer persönlichen Belastungsgrenzen.

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Nur 40 Prozent glauben unter den aktuellen Bedingungen noch vier Wochen weiterarbeiten zu können, 27 Prozent wissen es nicht oder erklären, dass sie keine andere Wahl haben, als weiterzuarbeiten. Vor einem Jahr, zu Beginn der zweiten Welle, waren noch 56 Prozent davon überzeugt, dass sie weitere vier Wochen und darüber hinaus durchhalten.

Der Umfrage zufolge zwingt der eklatante Personalmangel in den bayerischen Kliniken Ärzte in der aktu­ellen Coronalage schon jetzt zur Priorisierung. Dreiviertel der befragten Krankenhausärzte gaben an, in­nerhalb der letzten zehn Tage die Behandlung von Nichtcoronapatienten eingeschränkt zu haben, weil Coronapatienten verstärkt Kapazitäten gebunden hätten.

Zudem führt die unzureichende personelle Besetzung in den Krankenhäusern der Umfrage zufolge zur Einschränkung des Elektivprogramms. Geplante Operationen, die nicht als Notfall qualifiziert werden, finden demnach offenbar nicht oder nur eingeschränkt statt. Vor allem auf den Intensivstationen man­gele es an Aufnahmekapazitäten, immer häufiger müssten Betten aufgrund fehlenden Personals gesperrt werden.

„Die Landesregierung ist auf dem richtigen Weg, elektive Eingriffe zu unterbinden“, sagte der Landesvor­sitzende des MB Bayern, Andreas Botzlar. Dennoch bleibe die Lage nicht nur wegen der Ansteckungsge­fahr durch die Deltavariante äußerst kritisch. „Sondern auch, weil bereits seit Jahren ein Kapazitätsabbau in den Kliniken zu beobachten ist“, so Botzlar. Der Personalmangel in der Pflege und im ärztlichen Be­reich sei ein strukturelles Problem, das längst vor der Pandemie bestand.

Die notorische Unterbesetzung der Abteilungen und aktuell zusätzlich der verstärke Einsatz von Assis­tenzärzten auf COVID-19-Stationen, gefährdet der Umfrage zufolge aber nicht nur die Patientenver­sorgung. Offenbar findet auch die ärztliche Weiterbildung in den Kliniken aufgrund des Zeit- und Perso­nal­mangels nicht mehr adäquat statt. Nahezu zwei Drittel der jungen Ärzte in Bayern sind mit ihrer derzeitigen Weiterbildung zum Facharzt nicht oder kaum zufrieden.

Über 45 Prozent der Klinikärzte in Weiterbildung wollen aufgrund der Arbeitsbedingungen die Kranken­häuser verlassen. „Bestenfalls wandern sie in den ambulanten Bereich ab, schlimmstenfalls kehren sie nach ihrer Facharztprüfung dem kurativen Bereich ganz den Rücken“, warnte der MB Bayern. © hil/sb/aerzteblatt.de

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