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Medizin

Forscher entwickeln doppelten Antikörper gegen das Krim-Kongo-Fieber

Montag, 22. November 2021

Zecke, Hyalomma marginatum. /picture alliance, Marijan Murat

Austin und Paris – Gegen das Krim-Kongo-Fieber, eine tödliche Viruserkrankung, die durch die inzwischen auch in Deutschland beobachtete Hyalommazecke übertragen wird, gibt es derzeit weder eine Impfung noch eine wirksame Behandlung.

Ein internationales Forscherteam stellt jetzt in Science (2021; DOI 10.1126/science.abl6502) einen bi­spezifischen Antikörper vor, der laut einem Bericht in Cell (2021; DOI: 10.1016/j.cell.2021.05.001) Mäuse vor einer tödlichen Erkrankung geschützt hat.

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Das hämorrhagische Krim-Kongo-Fieber ist hierzulande kaum bekannt. Auch reisemedizinische Fälle wur­den bisher nur vereinzelt beobachtet, da die Erkrankung in abgelegenen Steppenregionen Zentral­asiens und Afrikas auftrat. Dies könnte sich allerdings ändern, da sein Überträger, die Hyalommazecke, mit Zugvögeln jederzeit nach Europa eingeschleppt werden kann. Dies dürfte in der Vergangenheit be­reits mehrfach geschehen sein. Doch die Zecke konnte sich bisher in Mitteluropa nicht etablieren, da sie die kalten Winter nicht übersteht.

Zuletzt hatten Forscher der Universität Hohenheim die Zecken jedoch auf einem Pferdehof in Nordrhein-Westfalen und bei einem Pferd in Niedersachsen gefunden, wo sie vermutlich überwintert hatten – aller­dings ohne Hinweis auf Krankheitserreger. Im August 2019 wurde dann bei einem Pferdehalter in Baden-Württemberg erstmals eine Fleckfiebererkrankung entdeckt. Gegen die durch Rickettsia prowazekii ausgelöste Erkrankung half eine Antibiotikabehandlung.

Beim Krim-Kongo-Fieber wären Antibiotika wirkungslos, weil der Erreger ein Virus ist. Gegen das Krim-Kongo-Fieber-Virus (CCFH) helfen weder Medikamente, noch gibt es derzeit einen Impfstoff. Während die meisten Wirbeltiere nach einer Infektion asymptomatisch bleiben, kann es beim Menschen zu einem schwe­ren hämorrhagischen Fieber kommen, das bei 30 % bis 40 % der Patienten tödlich verläuft.

Das Krim-Kongo-Fieber hat sich in den letzten Jahrzehnten, vermutlich infolge des Klimawandels aus­gebreitet. Erkrankungen treten mittlerweile in Europa in Griechenland und auf dem Balkan auf. Eine wei­tere Ausbreitung nach Mitteleuropa wird von Experten nicht ausgeschlossen. Die Weltgesundheits­organisation (WHO) betrachtet die Erforschung des Krim-Kongo-Fiebers als dringlich.

Ein internationales Forscherteam („Prometheus“) sucht derzeit nach Wirkstoffen. In einem ersten Schritt konnten das Team um Jason McLellan von der Universität von Texas in Austin und Felix Rey vom Institut Pasteur in Paris die Struktur des Glykoprotein Gc des Virus aufklären.

Gc befindet sich auf der Oberfläche des Virus und ist wie das S-Protein von SARS-CoV-2 für die Bindung an den menschlichen Zellen zuständig. Über die Kenntnisse von Gc haben die Forscher im Blut von Pa­tienten 2 Antikörper nachgewiesen, die die Fusion des Virus mit den Zellen verhindern. Die Forscher haben die beiden Antikörper zu einem bispezifischen Antikörper kombiniert und an Mäusen getestet.

Während unbehandelte Tiere nach einer Infektion nach wenigen Tagen am Krim-Kongo-Fieber starben, konnte der bispezifische Antikörper die meisten Tiere retten. Die Firma MappBio aus San Diego, die be­reits Antikörper zur Behandlung des Ebola- und des Marburgfiebers hergestellt hat, soll jetzt auch ein entsprechendes Mittel gegen das Krim-Kongo-Fieber entwickeln. Es könnte wie die Antikörperpräparate gegen SARS-CoV-2 sowohl vorbeugend als auch therapeutisch im Frühstadium der Erkrankung einge­setzt werden – falls die geplanten klinischen Studien durchgeführt und erfolgreich beendet werden.

Ein weiteres internationales Forscherteam hat einen DNA-Impfstoff entwickelt, der bereits erfolgreich an Makaken getestet wurde. Die Tiere entwickelten laut nach einer im letzten Jahr in Nature Microbiology (2020; DOI: 10.1038/s41564-020-00815-6) publizierten Studie eine robuste Immunabwehr und waren nach einer Infektion vor einer schweren Erkrankung geschützt. © rme/aerzteblatt.de

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