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Ärzteschaft

Psychotherapeuten wollen Nachbesserungen bei ambulanter Komplexbehandlung

Montag, 22. November 2021

/StockPhotoPro, stock.adobe.com

Berlin – Der 39. Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) hat sich dafür ausgesprochen, die Hindernisse in der Versorgung schwer psychisch kranker Menschen mit komplexen psychischen Störungen, die sich durch die Richtlinie zur ambulanten Komplexbehandlung (KSVPsych-RL) ergeben, zu beseitigen.

Grundsätzlich zeigte sich der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Dietrich Munz, mit der Richtlinie, die der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am 2. September beschlossen hat, zufrieden.

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„Die Richtlinie ist ein wichtiger Erfolg für eine bessere Versorgung schwer psychisch kranke Menschen, aber auch für uns Psychotherapeuten.“ Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten verantworteten ebenso wie Ärztinnen und Ärzte den Gesamtbehandlungsplan für die vorgesehene strukturierte Versorgung der Patien­ten. „Die Richtlinie öffnet damit die Tür für eine sich verändernde Kooperation im Sinne einer Verant­wortung auf Augenhöhe“, sagte Munz.

„Nadelöhr in der Versorgung“

Gleichzeitig beinhalte die Richtlinie aber problematische Punkte, wie die Verpflichtung, dass Patienten nach der Eingangssprechstunde bei ihrer Bezugsperson innerhalb von sieben Tage eine differenzialdiag­nostische Abklärung von einem Facharzt für Psychiatrie oder Psychosomatik vornehmen lassen müssten.

„Diese doppelte Abklärung wird ein Nadelöhr in der Versorgung, weil es viel zu wenige Psychiater und Psychosomatiker gibt“, kritisierte Munz. Diese Vorgabe sei völlig wirklichkeitsfremd und dient seiner An­sicht nach nur dazu, die Versorgung zu erschweren, um Geld zu sparen. „Das ist jedoch ein Trug­schluss: keine Versorgung spart kein Geld, sondern ganz im Gegenteil“, sagte er.

Ausschluss von Psychotherapeuten mit halbem Versorgungsauftrag

Ein weiterer Schwachpunkt der Richtlinie zur ambulanten Komplexbehandlung sei der Ausschluss von Psychotherapeuten mit halbem Versorgungsauftrag von der Teilnahme. Zurzeit arbeiteten 52,5 Prozent aller Psychotherapeuten mit einer halben Zulassung; die allermeisten, um Beruf und Familie miteinan­der zu vereinbaren.

Denn 80 Prozent der Psychologischen Psychotherapeuten (ärztliche Psychotherapeuten 66 Prozent) sind nach BPtK-Angaben weiblich und die Familienarbeit wird immer noch zum größten Teil von den Müttern übernom­men. „Die ambulante Komplexbehandlung ist eine gute Idee, doch leider nur auf dem Papier“, schlussfolgerte der BPtK-Präsident.

In der anschließenden Aussprache auf dem 39. DPT zeigten sich viele Delegierte empört über die Ausge­staltung der Richtlinie. „Ich möchte mich gegen diese unsäglichen Doppelunter­such­ungen aussprechen“, sagte beispielsweise Barbara Lubisch, Delegierte aus Nordrhein-Westfalen und Mitglied in der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Sie wies darauf hin, dass bei dem Vorläufermodell, dem NPPV (Neurologisch-psychiatrisch-psychothera­peu­tische Versorgung)-Vertrag in Nordrhein 42 Prozent der Bezugsbehandler Psychotherapeutinnen oder Psychotherapeuten seien, das Engagement also sehr hoch sei.

Für die ambulante Komplexbehandlung auf Bundesebene rechnet Benedikt Waldherr, Delegierter aus Bayern und Vorsitzender des Bundesverbandes der Vertragspsychotherapeuten (bvvp), hingegen mit weniger Engagement.

„Die Komplexbehandlung ist unattraktiv für die Kolleginnen und Kollegen. Ärzt­liche und Psychologische Psychotherapeuten werden in ein Korsett gepresst. Ein zeitnahes Assessment durch Psychiater oder Psychosomatiker wird nicht durchführbar sein.“

In einer Resolution fordert der 39. Deutsche Psychotherapeutentag deshalb, die Hindernisse der Ambu­lanten Komplexbehandlung für schwer psychisch Kranke zu beseitigen. Das Bundesgesundheitsminis­terium (BMG) solle als Rechtsaufsicht die KSVPsych-RL beanstanden und eine entsprechende Überar­beitung durch den G-BA veranlassen. © PB/aerzteblatt.de

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