NewsMedizinCOVID-19: Welche Public Health-Maßnahmen wirken am besten?
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

COVID-19: Welche Public Health-Maßnahmen wirken am besten?

Montag, 22. November 2021

psdesign1 stock.adobe.com

Melbourne – Die Wirksamkeit der einzelnen Public Health-Maßnahmen, ohne die die erste Welle von COVID-19 nicht gestoppt werden konnte und die derzeit erneut notwendig werden, ist in Studien wenig untersucht. Eine Meta-Analyse fasst die Ergebnisse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2021; 375: e068302) zusammen. Danach könnte eine unterschätzte Maßnahme mit die beste Wirkung erzielen.

SARS-CoV-2 wird durch Aerosole übertragen, die von Infizierten mit der Atmung ausgestoßen werden. Die meisten nicht-pharmakologischen Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch zu verhindern. Dies beginnt bei Masken, die Mund und Nase bedecken, setzt sich bei den Abstandsregeln fort und bildet die Grundlage für die gravierendsten Einschränkungen wie Home-Office, Schulschließungen, Quarantäne und den allgemeinen Lockdown des öffentlichen Lebens.

Anzeige

Da niemand die Pandemie vorausgesehen hat, wurde die Wirksamkeit der Maßnahmen niemals in randomisierten Studien geprüft, mit der Ausnahme einer Studie aus Dänemark. Dort wurde zu Beginn der Pandemie untersucht, ob sich Menschen durch das Tragen von Masken vor einer Infektion schützen können. Bei den übrigen 34 Studien, deren Ergebnisse Stella Talic von der Monash Universität in Melbourne und Mitarbeiter zusammengefasst haben, handelt es sich um Beobachtungsstudien, deren Ergebnisse immer anfällig für Verzerrungen sind.

Dies gilt auch für die Maßnahme, die überraschenderweise mit die beste Schutzwirkung erzielt hat. Die regelmäßige Händedesinfektion könnte nach den Berechnungen von Talic die Inzidenz um 53 % senken. Das relative Risiko von 0,47 war allerdings mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,29 bis 1,12 nicht signifikant. Die Berechnung beruht zudem auf den Ergebnissen von 3 Studien, deren „Risk of bias“ mit dem ROBINS I-Tool als moderat bis schwerwiegend/kritisch eingestuft wurden. In einer Studie aus China hat der tägliche Gebrauch von Desinfektionsmitteln in Haushalten die Inzidenz um 77 % gesenkt (Odds Ratio von 0,23; 0,07 bis 0,84).

Das Tragen von Masken könnte nach den Ergebnissen aus 6 Studien (ebenfalls mit moderatem bis schwerwiegend/kritischem Risiko einer Verzerrung) die Inzidenz um 53 % senken (relatives Risiko 0,47; 0,29-0,75). Nach einer Studie ist es in Ländern mit einer Maskenpflicht zu 45,7 % weniger Todesfällen gekommen. In einer US-Studie war das Übertragungsrisiko in Staaten mit Maskenpflicht um 27 % geringer. Ergebnisse aus solchen „natürlichen Experimenten“ sind besonders anschaulich und scheinen deshalb einleuchtend zu sein, von Epidemiologen werden sie jedoch eher kritisch betrachtet. Die jüngst veröffentlichten Ergebnisse einer randomisierten Studie aus Bangladesh, die einen spürbaren Rückgang der Diagnosen von COVID-19 durch das Tragen von Masken ermittelte, wurden in der Meta-Analyse noch nicht berücksichtigt.

Die Abstandsregeln wurden in 5 Studien untersucht. Der Einfluss auf die Inzidenz war begrenzt. Talic ermittelt ein relatives Risiko von 0,75 (0,59 bis 0,95), also einen Rückgang um 25 %, doch auch hier deutet das ROBINS I-Tool auf ein moderates bis schwerwiegend/kritisches Risiko von Verzerrungen hin. Ein „natürliches Experiment“ aus den USA weist auf einen geringen Schutz vor einer Übertragung hin (relatives Risiko 0,88; 0,86 bis 0,89). In einer Studie aus dem Iran wurde dagegen ein Rückgang der Sterblichkeit beobachtet.

Die größte Wirksamkeit erreichen sicherlich Quarantäne und Isolation, „Stay at Home“-Empfehlungen und ein universeller Lockdown. Die Ergebnisse lassen sich laut Talic jedoch wegen der unterschiedlichen Ansätze kaum zusammenfassen.

An der Wirkung eines Lockdowns ist kaum zu zweifeln. In Großbritannien hat der erste Lockdown die Zahl der persönlichen Kontakte um 74 % gesenkt. Der R0-Wert sank innerhalb weniger Wochen von 3,6 auf 0,60. Ab einem R0-Wert von unter 1,0 sinkt die Zahl der Neuinfektionen.

Schulschließungen haben in einer US-Studie die Inzidenz um 62 % und die Covid-19-Sterblichkeit um 58 % gesenkt (in einer Studie aus Japan wurde dagegen kein Effekt beobachtet). Die Auswirkungen von Reisebeschränkungen und Grenzschließungen lassen sich schwer beurteilen. In den meisten Fällen kamen sie zu spät, um Erkrankungswellen zu verhindern. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER