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Psychotherapeuten: Neue Regierung muss Wege für Zuflucht schaffen

Dienstag, 23. November 2021

/picture alliance, imageBROKER, Florian Bachmeier

Berlin – Die neue Bundesregierung muss nach Ansicht von Deutschlands Psychotherapeuten legale Zu­gangswege für Flüchtlinge eröffnen.

„Menschen auf der Flucht erleben nicht nur im Herkunftsland und auf dem Fluchtweg lebensbedrohliche Ereignisse, die psychisch schwer verletzen, sondern auch die Erfahrungen an den europäischen Grenzen traumatisieren viele Menschen zusätzlich“, sagte der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Dietrich Munz.

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„Wer die Grenzen schließt, muss Türen schaffen, durch die Zutritt erlaubt ist“, forderte er von den poten­ziellen Koalitionären SPD, Grüne und FDP. Notwendig sei eine Möglichkeit in Deutschland Asyl zu bean­tra­gen, „und wir brauchen Kontingente, die politisch festlegen, wie viele Menschen wir aufnehmen“.

Auch beim Zugang zur Behandlung müsse die kommende Regierung dringend nachsteuern, sagte Munz. Bislang hätten Flüchtlinge in den ersten 18 Monaten in aller Regel keinen rechtlichen Anspruch auf eine Psychotherapie. Psychisch kranke Flüchtlinge müssten aber versorgt werden.

Am 6. November hatte ein aus Syrien eingereister Flüchtling in einem ICE vier Männer mit einem Messer verletzt. Er wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Nach Auswertung von Datenträgern des Tä­ters wird ein islamistisches Motiv für die Attacke, die für die Betroffenen völlig unvermittelt kam, jedoch nicht ausgeschlossen.

Aufgrund früherer Gewalttaten von Flüchtlingen, bei denen Symptome einer psychischen Erkrankung so­wie Hinweise auf eine Radikalisierung festgestellt worden waren, beschäftigen sich Extremismus­exper­ten aktuell verstärkt mit diesem Phänomen.

„Die Erlebnisse auf der Flucht führen häufig zu schweren psychischen Erkrankungen“, sagte Munz. Dazu könnten auch psychotische Erkrankungen gehören, bei denen die Betroffenen von Wahnvorstellungen verfolgt würden – „solche Erkrankungen könnten rechtzeitig erkannt und behandelt werden, wenn Flüchtlingen grundsätzlich psychotherapeutische Hilfe angeboten würde“. © dpa/aerzteblatt.de

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