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Medizin

Opioide: Tragbares Gerät injiziert Gegenmittel Naloxon bei Bedarf

Donnerstag, 6. Januar 2022

/Chan et al., Scientific Reports

Seattle – Ein Closed-Loop-System aus 2 Akzelerometern, die Atempausen erkennen, einem Chip, der Alarm schlägt, und einer Medikamentenpumpe, wie dann das Antidot Naloxon injiziert, könnte Opioidabhängigen nach einer Überdosis das Leben retten. US-Ingenieure haben ihren Prototyp in einer Studie in Scientific Reports (2021; DOI: 10.1038/s41598-021-01990-0) an Gesunden und Drogenkonsumenten getestet.

Closed-Loop-Systeme wurden zunächst für Patienten mit Typ-2-Diabetes mit stark schwankenden Blutzuckerspiegeln entwickelt. Die Patienten tragen die kompakten Geräte zumeist auf der Bauchhaut, wo ein Sensor regelmäßig die Glukosekonzentration misst und die notwendige Insulinmenge injiziert.

Auch das von Justin Chan und Mitarbeitern der Paul G. Allen School of Computer Science & Engineering in Seattle entwickelte Closed-Loop-System wird auf der Bauchhaut mit Pflastern befestigt. Die beiden Akzelerometer registrieren die Atembewegungen. Wenn diese über 15 Sekunden ausfallen, aktiviert ein Mikrochip einen handelsüblichen Injektor, der über einen kleinen Motor eine Kanüle in die Haut sticht und die vorgesehene Menge Naloxon subkutan injiziert.

Das Gerät übernimmt damit die Aufgabe eines Notarztes, der bei Opioidabhängigen häufig nicht rechtzeitig zur Stelle ist. In den USA sind im vergan­­genen Jahr über 81.000 Menschen an einer Überdosis Opioiden gestorben.

Die Forscher haben ihr Gerät, das die Atembewegungen von anderen Bewegungen des Körpers unter­scheiden kann, zunächst in einem Drogenkonsumraum in Vancouver getestet. Dort können Opioidab­hängige die Droge unter Aufsicht konsumieren, wobei das Personal auf Überdosierungen achtet, die gar nicht so selten sind. Tatsächlich kam es bei 2 von 25 Teilnehmern bei den Tests zu einer Apnoe, die vom den Akzelerometern erkannt wurde. Keiner der Patienten kollabierte. Eine Injektion von Naloxon war in diesem Experiment nicht vorgesehen.

Dies wurde in einem 2. Versuch getestet, an dem sich 20 gesunde Probanden beteiligten. Sie wurden gebeten, die Luft für 15 Sekunden anzuhalten, was jeweils eine Injektion von Naloxon auslöste. Die Blutentnahmen ergaben, dass der Injektor die notwendige Menge Naloxon appliziert hatte.

Die Studie belegt nach Einschätzung der Forscher, dass ein Closed-Loop-System in der Lage wäre, eine Überdosierung zu erkennen und die notwendige Menge Naloxon zu injizieren. Ob das Gerät von den Drogenabhängigen angenommen würde und im Alltag tatsächlich Todesfälle verhindern könnte, müsste jetzt in weiteren Studien gezeigt werden. Erst dann käme eine Zulassung durch die Arzneimittel­behörden infrage. © rme/aerzteblatt.de

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